• Do, 18.7.2024

    IN A TENTATIVE WAY

    8:03h. Lese im Buchloh und bin fassungslos. Lese im Luhmann und bin fassungslos. Dann ziehe ich ein frisches Hemd an, gehe raus und tue so, als sei nichts gewesen.

    Blieben aus Gründen der Belastungssteuerung zu Hause

    Freitag das erste Mal seit wie vielen Jahren (darum notiere ich das) wirklich hart betrunken. Und getanzt, mit den anderen. Wir waren beautiful flowers in a garden. Gut gelitten am Samstag. Körper und Geist im Griff einer anderen Macht. Wusste gar nicht mehr so richtig, wie es sich erfährt. Da genießt man doch gleich wieder die Nüchternheit, wie sich das anfühlt, entlassen von diesem Nachbrennen. Die Power dieser Unterscheidung.


  • Do, 11.7.2024

    SHORT CUT

    Gestern erst, fiel mir eben dann noch ein, als Antwort auf meine an mich selbst gerichtete Frage. Gestern erst war es zuletzt gewesen, dass ich dachte: es ist nicht mal Zwölf und ich hab schon wieder Sachen GESEHEN bis dahin, es ist der Wahnsinn. Es ist auch ein ZUVIEL.

    Also gestern, da stand ich gerade an der Kasse im Ehrenfelder REWE, und vor mir ein Mann, dessen Jeans extrem tief, nein, anders, dessen Jeans gerade s o noch, unterhalb seines aufgeblähten, fassartigen, gestauchten French-Bulldog-Rumpfes, unerklärlicherweise, irgendwie, einen Halt fand, sein behaarter Männerarsch dennoch großflächig, um nicht zu sagen nahezu ganz entblößt, und natürlich musste er sich dann noch hin bücken, nachdem er seine Waren bezahlt hatte, und mein ganzes Sichtfeld, der ganze Eingangsbereich des REWE war mit seinem haarigen Arsch gefüllt, was mir, darum hatte ich fast loslachen müssen, wie die logische, aber dennoch unerwartete punch line des bisherigen Vormittags vorgekommen war, dieses bisweilen langatmig, dafür nicht minder hysterisch sich hochschraubenden Gags, den man nennt: Öffentlichkeit. You never see it coming, really. Ich sehne mich nach der Privatheit, die das Fahren mit dem Auto bietet, fühle mich in Sachen ÖPNV jetzt genug als Kind ins Fass gefallen, um ein paar Jahre Pause zu machen.

    Eben dachte ich es wieder. Da saß am Rande des Ebertplatz, wo die paar Stufen sind, runter zur Ecke, wo die Dealer sind, ein wirklich massiver Mann, ein auf diese amerikanische Art immobil verfetteter Mann, von denen man in traurigen kleinen Zeitungsmeldungen liest, man habe die Hilfe von Baufahrzeugen heranziehen müssen um usw. Der jung aussehende Mann saß da auf nacktem Stein mit seinem Hosenboden, die Beine von sich gestreckt, ein enormer, verloren gegangener 250kg-Säugling, und die Sonne beschien dieses Bild zu einem merkwürdigen Effekt. Wieder so ein Wahnsinn.

    Direkt dahinter, obwohl strahlend rot und groß, bemerkte ich erst diverse Momente später den geparkten Rettungswagen, und da saßen auch zwei Sanitäter einen Meter neben ihm, auf einem Mauervorsprung, alle drei scheinbar in ruhigem Gespräch, man sah Kabel vom Mann zu einer tragbaren Maschine führen, die zwischen ihnen auf dem Boden stand, in einer Kunststoff-Verschalung, dessen sanfter, friedlicher Beige-Ton vielleicht den Effekt haben möge, alle Gedanken von jedweden Vorstellungen von Lebensbedrohlichkeit fernzuhalten.
    Was aus diesem tableau auch herauszulesen war—in der Art, wie die Körper der Sanitäter geneigt waren im Sitzen, im Sprechen mit dem Mann, das ruhig und routiniert wirkte selbst aus der Ferne, mit dezenten, beschwichtigenden Handgesten—war, dass der Handlungsspielraum dieser drei, in dieser Konstellation und an diesem Punkt jedoch erschöpft schien.

    Während diese Sache also irgendwie weiterging, und ich dessen Entwicklung nicht mehr mitbekam, ging ich Richtung U-Bahn, am Brunnen vorbei, an dem ein Greis sich in genau diesem Moment schwerfällig hinkniete, etwas Wasser mit der Hand aufnahm und es sich, kaum hatte er sich wieder mühsam aufgerichtet, in seine silbernen Haare schmierte wie Pomade.

    Eine müde Phase des Sommers. Im Atelier mache ich wenig, ich zögere viel, hoffentlich zielgerichtet, lese eher. Das geistige und praktische Zentrum der Atelieraktivitäten der letzten zwei Wochen bildet mein 20-25-minütiger Mittagsschlaf, auf den zwei Yogamatten. Schlafe sehr gut auf dem Boden.

    Wo ist der Lappen-sur la chaise.

  • Do, 4.7.2024

    IDEALTYPEN DER KULTURINDUSTRIE

    In vielen Gesichtern, die sich nun himmelwärts drehen, der Vorwurf: angelogen. Vom Juli, glatt vom Juli einfach wirklich nur angelogen. Als backdrop für die summarische Vorstellung vom Stillen einer Sehnsucht nicht geeignet, inakzeptabel. Kühler Wind wie als Unterstreichung, daß nun wieder nur Ertragen bliebe.
    Gestern hätte ich schon wieder eine Mütze aus der Schublade holen können. Stattdessen kaufte ich Schnürsenkel. 3,90, zwei dicke große 2-Euro-Münzen legt man dafür auf den Tresen, auch nicht übel.

    Manchmal denke ich an die Rennreiterin. Ich frage mich, ohne wirklich zu verstehen, was ich eigentlich empfinde? Wüsste ich etwas, würde ich es vielleicht sogar hinschreiben. Eines weiß ich sicher: sie ist sehr süß, ein bisschen weird, und ich finde, sie ist sehr funny. Ich verbringe gerne die Zeit mit ihr. Ein zartes Bollwerk gegen den Nihilismus, hihi. (Sorry)

    Ja, auch ich habe den Essay von Gustav Seibt gelesen. If ever a thing was „basic“. Aber, vielleicht, braucht es das, die Wiederholung der basics, von möglichst viel etabliert-seriösem Personal, das es uns nicht völlig entrinne, das alles? Einschlafen ist deswegen noch lange kein Problem.

    Bestellt: Short Cuts von Luhmann. Ich musste einfach den Fußball-Text haben. Außerdem sind Buchloh-Wochen bei mir, wobei ich da mit der Dosierung aufpassen muss. Sonst zieht es sich sehr gotisch zu in meinem Kopf. Meldungen aus dem Rippengewölbe.