AUS DEM ITALIENISCHEN VON ANDREAS HIEPKO
Mittwoch. Der Fußball, er ist auf der Straße angekommen. Mir begegnen Schotten, zu zweit, zu dritt, Mann und Frau, drei Männer oder vier Männer, oder nochmal anders, wie gestern, als vermutetes lesbisches Paar. In allen Konstellationen tragen sie ein schottisches Trikot, mancher Mann auch einen Kilt mit den richtigen Strümpfen dazu. Heute wollen sie die Schweizer besiegen. (They didn’t. 1:1)
Die ganze Stadt verarbeitet den Besuch der Fußballtouristen, hält uns busy auf eine angenehme Art. Auf den Ringen kommen mir zwei Trunkenbolde, die zur Junkycrowd auf den Ringen zählen, entgegen und im Vorbeigehen höre ich, wie der eine auf den anderen einredet: Schotten, nicht Engländer, SCHOT-TEN. Ein Bruder im Geiste der Wahrheit. Mit ihm bin ich in diesem Moment, zumindest g a n z kurz, enger zusammengerückt.
Im englischen Fußball-Podcast, nein, Plural: in den Podcasts, werden die jeweiligen Korrespondenten aus den Spielstädten hinzugeschaltet, und neben dem Fußall selbst ist ein Thema immer wieder fresh: der katastrophale Zustand der Deutschen Bahn, den manche der Briten, da sie den Vergleich zu 2006 noch heranziehen können, mit Erstaunen erleben und im Tonfall What happened!? ihre Augenzeugeberichte vortragen. Auch Mitleid liegt in ihren Stimmen. Tja.
Donnerstag. Jetzt sitze ich in einem Zug des besagten Unternehmens. Als ich um 5 Uhr aufstand, lag die Sonne noch im Grase und schickte, von dort unten, Lichtstrahlen schräg auf die Unterseite der Wolken, die wie mit einem satten Pigment gepulvert aussahen, das die Farbe ausglühender Kohlen hatte.
Auch hier, jetzt früh morgens im Zug, sind die Schotten in ihren Trikots. Ich sah sie, vom BordBistro kommend, kaputt und k.o. in ihren Sitzen schlafen, ganz lieb, manche, echt wahr, in Schottendecke gehüllt, fast alle mit offenen Mündern. Takes a level of dedication to do this kind of work.