JÜCHEN, GERMANY
Letzte Woche betrug deine Bildschirmzeit durchschnittlich 1 Stunde pro Tag auf diesem Gerät. – Mein Telefon, 09:17h.
Sorry for bragging. Aber zugegeben: da sind die Minuten, Stunden in der YouTube-Vortex (Studio Ingbretson, Totally Football Show, süße Tiere, zum Schlafengehen gestern Röhm-Putsch bei arte, lol) auf dem Computer nicht mit eingerechnet. Also was soll’s.
Das Thumbs up-Emoji. Das einzige Emoji, das ich mich weigere zu benutzen. Das heißt, ich muss mich garnicht weigern, ich komme gar nicht auf die Idee. Sorry for bragging.
Dazu: von der Idee zu einer Serie von paintings mit dem „Thema“ Moronic Gestures, das ist etwa zwei Jahre her, hatte ich nach einem Bild wieder Abstand genommen. Jetzt, wo ich es hinschreibe, finde ich es gar nicht so…
Und dann also: Jüchen. The ü is long, wie zwei ü. Dort hielt ich nicht, stieg ich nicht aus, sondern fuhr vorbei, auf dem Weg nach: Rheydt. Stadt von Goebbels, Heinz Sielmann, Gregor Schneider.
Auf dem Weg vom Bahnhof zum Marktplatz, zu Fuß, hatte ich einen merkwürdigen Eindruck von Künstlichkeit. Was ich sah, entsprach einer Art Illustration von einer Idee, die mir zuerst nicht ganz greifbar war, aber von der ich dachte, ich kenne sie von irgendwoher, wahrscheinlich aus den Medien, oder vielleicht sollte man heute eher sagen: von einer Form des vielstimmigen Medienkonsums her. Je näher ich dem Marktplatz kam, desto klarer kam mir diese Idee aus dem kaputten Einerlei der ausgegossenen Grauheit von Straßenbelägen und Betonwänden entgegen: „Überfremdung“. Das, was ich da im Vorbeigehen sah, schien mir möglicherweise das zu sein, was einige Menschen in diesem Land darunter verstehen.
Jetzt aber denke ich an etwas anderes, aber auch nicht völlig anderes: da ich nun wirklich darüber nachdenken muss, was ich in Rheydt zeigen will Ende September, hängt mir ein anderes Wesen von Fremdheit nach. Vielleicht meine ich den Tod, und vielleicht komme ich dahin über den Umweg, siehe oben: Gregor Schneider.