• Do, 4.7.2024

    IDEALTYPEN DER KULTURINDUSTRIE

    In vielen Gesichtern, die sich nun himmelwärts drehen, der Vorwurf: angelogen. Vom Juli, glatt vom Juli einfach wirklich nur angelogen. Als backdrop für die summarische Vorstellung vom Stillen einer Sehnsucht nicht geeignet, inakzeptabel. Kühler Wind wie als Unterstreichung, daß nun wieder nur Ertragen bliebe.
    Gestern hätte ich schon wieder eine Mütze aus der Schublade holen können. Stattdessen kaufte ich Schnürsenkel. 3,90, zwei dicke große 2-Euro-Münzen legt man dafür auf den Tresen, auch nicht übel.

    Manchmal denke ich an die Rennreiterin. Ich frage mich, ohne wirklich zu verstehen, was ich eigentlich empfinde? Wüsste ich etwas, würde ich es vielleicht sogar hinschreiben. Eines weiß ich sicher: sie ist sehr süß, ein bisschen weird, und ich finde, sie ist sehr funny. Ich verbringe gerne die Zeit mit ihr. Ein zartes Bollwerk gegen den Nihilismus, hihi. (Sorry)

    Ja, auch ich habe den Essay von Gustav Seibt gelesen. If ever a thing was „basic“. Aber, vielleicht, braucht es das, die Wiederholung der basics, von möglichst viel etabliert-seriösem Personal, das es uns nicht völlig entrinne, das alles? Einschlafen ist deswegen noch lange kein Problem.

    Bestellt: Short Cuts von Luhmann. Ich musste einfach den Fußball-Text haben. Außerdem sind Buchloh-Wochen bei mir, wobei ich da mit der Dosierung aufpassen muss. Sonst zieht es sich sehr gotisch zu in meinem Kopf. Meldungen aus dem Rippengewölbe.

  • So, 30.6.2024

    BAD PRINT IS HYPERREAL IMMERNOCH UND DESHALB PART 2

    Blitze erhellten die Nacht. Das ist doch ein schöner Satz, wenn man den so hinschreibt.
    Jetzt ist das Fenster weit auf, dass hier der Luftwechsel stattfinden möge, ich diese stehende Wärme aus den Wänden bekomme. Wenn es so warm ist in der Wohnung, ist jeder Gegenstand zu viel, zu nah. Jeder Teppich wird zur grotesken Idee.
    Nicht heute. Kühle Luft streift mein nacktes Bein, pustet den Schmelz der Tage weg.

    Don DeLillo Mao II. Alles, was ich von Buchloh finden kann, über die Moderne, die Konzeptkunst, zwischen Adorno und Horkys Kulturindustrie-Kapitel und Debords Spektakel. So hell, es ist doch finster. Die sachliche Zerlegung von Anne Imhoffs Venedig-Pavillion, hypertropher kollektiver Narzissmus, bellende, schwarze Hunde. Ich bin am Arsch. Bin ich?

    Puste den Schmelz der Jahre weg.

    Kühles Wasser, und: Zigaretten schmecken mir überhaupt nicht mehr.

    Die African boys am Ebertplatz, sie sprechen fast alle Fula, manche Wolof. Guinea, Gambia, Senegal. Jetzt möchte ich das ein bisschen lernen, so Standardzeug, das man nett Guten Morgen sagen kann.

  • Do, 27.6.2024

    UNEXPECTED RED

    Dann saß ich, letzte Woche war das noch, in Berlin, morgens am Tag der Feier in Pankow, mit Philipp zusammen, in Unterhose, und wir, ich weiß nicht mehr genau wie, kamen auf Habermas, das Habermassche Element und wie eingesickert es ist in den deutschen Sphären, zu sprechen, bzw. ich glaube, es war so, daß ich Philipp bat, mir einen kleinen Abriss zu geben über Habermas und warum jetzt, weil er selbst wegen des Gesprächs mit Philipp Felsch bemerkt hatte, wie Habermas auf einmal ein Thema …nein, Moment, Blödsinn, wir kamen drauf wegen Markus Lanz.
    Draußen war ein schwerer Regenguss nocht nicht ganz in Fahrt gekommen, von dem fünf Stunden später, bei der Feier, schon gar keine Spur, keine Erinnerung mehr da war. Das ist die Wahrheit.
    Das ist die letzten Male, wenn ich bei Philipp war, immer so gekommen, dass man einmal während des Besuchs so naturally zusammenkommt, morgens meistens, und auf einmal war es anderthalb, zwei Stunden in eine tiefe Unterhaltung ausgeartet, und zwar so, daß ich mich auf halbem Wege ein bisschen ärgere, das nicht aufgenommen zu haben mit dem TELEFON, das wäre was gewesen hier fürs Journal, schon für das Abtippen allein, jedes Wort noch einmal neu hinzuschreiben, Worte des 22. Juni 2024, remember? Eine Gesprächsabschrift, so ist mein Eindruck, fehlte hier noch, für das Gesamtbild, für die appearance of things.

    Tags zuvor hatte ich einen Maler, den ich persönlich nicht kannte, in seinem Schöneberger Atelier besucht und im Gespräch ließ ich ein bisschen meinen Frust ab, über diese Stadt hier, über das, was mir hier so fehlt, materiell, geistig, und das kommt mit der Erkenntnis des eher unangenehmen Umstands einher, dass man, je mehr man mit seinem Selbst in die sog. Professionalität des Künstlerberufs hineinragt, lernen muss über sich selbst zu reden in einer Art, die mir nicht ganz geheuer ist. Immer noch nicht. Es ist immer irgendetwas falsch an dem Ton, den es erzeugt. Und wie hört, wie versteht es erst der andere?