• Mo, 19.8.2024

    JÜCHEN, GERMANY

    Letzte Woche betrug deine Bildschirmzeit durchschnittlich 1 Stunde pro Tag auf diesem Gerät. – Mein Telefon, 09:17h.

    Sorry for bragging. Aber zugegeben: da sind die Minuten, Stunden in der YouTube-Vortex (Studio Ingbretson, Totally Football Show, süße Tiere, zum Schlafengehen gestern Röhm-Putsch bei arte, lol) auf dem Computer nicht mit eingerechnet. Also was soll’s.

    Das Thumbs up-Emoji. Das einzige Emoji, das ich mich weigere zu benutzen. Das heißt, ich muss mich garnicht weigern, ich komme gar nicht auf die Idee. Sorry for bragging.
    Dazu: von der Idee zu einer Serie von paintings mit dem „Thema“ Moronic Gestures, das ist etwa zwei Jahre her, hatte ich nach einem Bild wieder Abstand genommen. Jetzt, wo ich es hinschreibe, finde ich es gar nicht so…

    Und dann also: Jüchen. The ü is long, wie zwei ü. Dort hielt ich nicht, stieg ich nicht aus, sondern fuhr vorbei, auf dem Weg nach: Rheydt. Stadt von Goebbels, Heinz Sielmann, Gregor Schneider.
    Auf dem Weg vom Bahnhof zum Marktplatz, zu Fuß, hatte ich einen merkwürdigen Eindruck von Künstlichkeit. Was ich sah, entsprach einer Art Illustration von einer Idee, die mir zuerst nicht ganz greifbar war, aber von der ich dachte, ich kenne sie von irgendwoher, wahrscheinlich aus den Medien, oder vielleicht sollte man heute eher sagen: von einer Form des vielstimmigen Medienkonsums her. Je näher ich dem Marktplatz kam, desto klarer kam mir diese Idee aus dem kaputten Einerlei der ausgegossenen Grauheit von Straßenbelägen und Betonwänden entgegen: „Überfremdung“. Das, was ich da im Vorbeigehen sah, schien mir möglicherweise das zu sein, was einige Menschen in diesem Land darunter verstehen.

    Jetzt aber denke ich an etwas anderes, aber auch nicht völlig anderes: da ich nun wirklich darüber nachdenken muss, was ich in Rheydt zeigen will Ende September, hängt mir ein anderes Wesen von Fremdheit nach. Vielleicht meine ich den Tod, und vielleicht komme ich dahin über den Umweg, siehe oben: Gregor Schneider.

  • Sa, 17.8.2024

    INHALTE! HUNDE-EIS, KUGEL 1,50

    Samstagmorgen, 8:36h. Aus der Tramplerin Wohnung kommen nicht Trompeten, aber Sägezahn-Synthesizer, prollige Decrescendos, die sonst ein Rummelplatz-Publikum in kratzige Aufruhr versetzen sollen, durch Bockwurstnebel hindurch. Schade—durchsägten sie doch das sanfte Rauschen des Morgens, das sanfte Gepiepse der Vögel, die auf den Dachrinnen sitzen oder aus den kleinen Pfützen trinken, die der nächtliche Regen hinterlassen hat.
    Eine ganz spezielle Gabe, zu wissen, wann man eine Ruhe zu bewahren hat, die ein Blick aus dem Fenster, ein Horchen ins Lüftchen zu bewahren nahelegt. Den Auftrag von draussen verstehen. Abenteuer schöner ruhiger Morgen, bound to nature.

    JT erzählte ich Mittwoch, bei einem eiskalten Peroni und einem Zigarettchen, dass das für mich neu sei: dieses Interesse, und das Gefallen an der (kunsthistorisch basierten, müsste man anfügen) Kritikerperspektive, das tolle dicke Benjamin Buchloh-Buch (und die Vorfreude auf das Rosalind Krauss-Buch, das zu bestellen ich mir nicht ausreden konnte) einerseits, aber andererseits: wie es mich auch erstmal hemmt, im Atelier, in der unmittelbaren PRAXIS, zögerlich macht. Und ich noch nicht weiss, ob das gut ist oder schlecht, bzw. jetzt sich noch eher schlecht anfühlt, aber zu etwas Gutem wird. Also, daraus folgt, Notiz an mich selbst: wenn man so Lust hat, was über die Art und Weise zu erfahren, wie andere UNTERSCHEIDEN, und dann diese neuen, noch fremden Unterscheidungen an die eigene Arbeit anlehnt, dann wird alles erstmal sehr viel langsamer.

    Lieb gemeinter, wirklich, Ratschlag an die deutschen Feuilletons: die ganzen Texte über Taylor Swift-Exegese, Banksy oder cheesy Skulpturen im Garten von Mark Zuckerberg einfach weglassen. Einfach nicht machen. Den Platz, den das schafft, dann für etwas anderes, NEUES nutzen.

  • Mo, 12.8.2024

    AM NORMALOFENSTER, MORGENS II

    Ein ganz einfacher Eintrag. It’s fine. I’m good. It’s gonna be a beautiful hot day.

    Die Sichtbarkeit hier, am Normalofenster, morgens, ist ein Nordostlicht. Es ist genau die Mitte, zwischen dem Licht der aufgehenden Sonne und dem Licht der Maler, dem konstantesten Licht, für das auf den alten, dunklen Schwarzweiss-Fotografien aus dem vorletzten Jahrhundert die riesigen Fenster stehen, durch die es als gleißend hellgrauer Dunst, als feinkörnige Masse im Raum hängt. Daran denke ich öfter, ebenfalls nicht in Farbe.

    13:43h. Gestern, Sonnntag, zog ich, bevor es in Richtung W’hoven ging, das Carrere-Buch, „Alles ist wahr“, aus dem Regal. Das hatte ich von Friederike geschenkt bekommen. Tatsächlich begann ich dann, am späten Nachmittag, auf der Liege im Garten meiner Eltern, darin zu lesen.
    Seitdem merke ich, mal wieder müsste ich anfügen, wie sehr ich angewiesen bin auf das LESEN, wie nämlich eher wenig geht, in meinem Denken, lege ich nicht regelmässig Holz nach in dieses übergeordnete Feuer. 1 Buch somit nicht nur eine Wolke, auf der man keinen Husten bekommt, sondern for real 1 kleine Axt.

    Auch dort, mit den Büchern, wie mit der Musik schon mal ähnlich beschrieben, ist es leicht, im Hinblick und im Gegensatz zum Machen von Bildern, oder zumindest vom Machen in der Bildenden Kunst, so etwas wie einen leichten Neid auf das Sublimitäts-Potenzial, und zwar the sublime in einem Edmund Burke-Sinne, zu empfinden, das Literatur bietet, vor allem wahrscheinlich so eine Literatur, wie das Carrere-Buch jetzt. Denn mich z e r s t ö r t es tatsächlich, ein bisschen, würde man sagen, dieses Buch zu lesen. Und doch, weil es Kunst ist, nehme ich an, ist es vielleicht keine wirkliche Form der Zerstörung, obwohl es sich so anfühlt. Es ist der Phantomschmerz einer Diesseitigkeit.

    Außerdem lerne ich, dass man im Englischen wirklich für sich abseilen „abseiling“ verwendet. Okay.