• Mo, 12.8.2024

    AM NORMALOFENSTER, MORGENS II

    Ein ganz einfacher Eintrag. It’s fine. I’m good. It’s gonna be a beautiful hot day.

    Die Sichtbarkeit hier, am Normalofenster, morgens, ist ein Nordostlicht. Es ist genau die Mitte, zwischen dem Licht der aufgehenden Sonne und dem Licht der Maler, dem konstantesten Licht, für das auf den alten, dunklen Schwarzweiss-Fotografien aus dem vorletzten Jahrhundert die riesigen Fenster stehen, durch die es als gleißend hellgrauer Dunst, als feinkörnige Masse im Raum hängt. Daran denke ich öfter, ebenfalls nicht in Farbe.

    13:43h. Gestern, Sonnntag, zog ich, bevor es in Richtung W’hoven ging, das Carrere-Buch, „Alles ist wahr“, aus dem Regal. Das hatte ich von Friederike geschenkt bekommen. Tatsächlich begann ich dann, am späten Nachmittag, auf der Liege im Garten meiner Eltern, darin zu lesen.
    Seitdem merke ich, mal wieder müsste ich anfügen, wie sehr ich angewiesen bin auf das LESEN, wie nämlich eher wenig geht, in meinem Denken, lege ich nicht regelmässig Holz nach in dieses übergeordnete Feuer. 1 Buch somit nicht nur eine Wolke, auf der man keinen Husten bekommt, sondern for real 1 kleine Axt.

    Auch dort, mit den Büchern, wie mit der Musik schon mal ähnlich beschrieben, ist es leicht, im Hinblick und im Gegensatz zum Machen von Bildern, oder zumindest vom Machen in der Bildenden Kunst, so etwas wie einen leichten Neid auf das Sublimitäts-Potenzial, und zwar the sublime in einem Edmund Burke-Sinne, zu empfinden, das Literatur bietet, vor allem wahrscheinlich so eine Literatur, wie das Carrere-Buch jetzt. Denn mich z e r s t ö r t es tatsächlich, ein bisschen, würde man sagen, dieses Buch zu lesen. Und doch, weil es Kunst ist, nehme ich an, ist es vielleicht keine wirkliche Form der Zerstörung, obwohl es sich so anfühlt. Es ist der Phantomschmerz einer Diesseitigkeit.

    Außerdem lerne ich, dass man im Englischen wirklich für sich abseilen „abseiling“ verwendet. Okay.

  • Do, 8.8.2024

    WOEBEGONE

    Unheimlich, obwohl schon oft erlebt und nicht neu. Wie manche Platten, wenn ich sie, aus welchen Gründen auch immer, nach Jahren hier aus dem Regal herausziehe, einem Einfall oder einem Impuls folgend, kaum habe ich sie aufgelegt, etwas heraufbeschwören, ohne Verzögerung, unmittelbar und plastisch nahezu. Wie ein Nervengas strömt das aus den Boxen und es wirft mich zurück in eine ganz bestimmte Phase, sehr konkrete Bilder der Erinnerung, sogar die sog. GEFÜHLE jener Zeit schmeck ich auf dem Gaumen. Ich will es garnicht wissen, wie das geht. Oder?

    „Schlaf ist besser als Essen, gar kein Vergleich.“ Hamsun, Auf überwachsenen Pfaden.

  • Mo, 5.8.2024

    COMPLICATIONS (FORMERLY „DIFFICULTIES“)

    08:27h. Das ewige Anpassen macht Karriere. Ernährung, klar, weil der Körper, diese rätselhafte Hülle mit seinen Organen drin, mit dem Älterwerden diese neuen Gesetze schreibt : ab HEUTE das nicht mehr, und das bitte weniger. In Gesprächen, fiel mir neulich wieder auf, dealt man sich mittlerweile in einem irgendwie unguten Maße, einem mir unangenehmen Maße, Infos und Tipps zu den neuen Unverträglichkeiten zu, und das bisschen zu großzügig. Ich spreche hier vor allem mich an? Oder bin ich, mal wieder—und übrigens: anderes Thema: Selbststrenge—zu streng mit mir?

    Vorletzte Woche, Stichwort neueste Anpassungen, Instagram deaktiviert. Ist fast bisschen dumm, aber: kaum war es getan, spürt man das Gift entweichen. Und dann war es auch weg, verschwunden aus den Abläufen, den doof Zeit zertrümmernden. Just like that. Schade um die kleinen messages mit Leuten (Ich denk so: die, die mich wirklich mögen, werden mich schon auf anderen Wegen kontaktieren wollen. Haha, oh boy, be ready to be surprised, 2024 Edition.) Diesen neuen Verzicht teste ich jetzt aus, versuche ihn, so lange es geht, auszudehnen. Dann, so die Idee, mit neu angelernter „Gelassenheit“ den kontrollierten Gebrauch suchen. Völlige Abkehr scheint mir nur die Inversion des Sklaventums. Kontrolle ist in fact besser. Das ist alles so hohl, aber so sieht es nunmal aus.

    Das 100m-Finale der Frauen. Allein diese acht (oder neun?) Frauen an ihren Startblöcken zu sehen, jede einzelne eins mit ihrem AUFTRAG, und jede nochmal ein bisschen anders als die nächste, und wie die Kamera das so abfährt, das war das schönste Kunstwerk, das ich letzte Woche gesehen habe.