AM NORMALOFENSTER, MORGENS II
Ein ganz einfacher Eintrag. It’s fine. I’m good. It’s gonna be a beautiful hot day.
Die Sichtbarkeit hier, am Normalofenster, morgens, ist ein Nordostlicht. Es ist genau die Mitte, zwischen dem Licht der aufgehenden Sonne und dem Licht der Maler, dem konstantesten Licht, für das auf den alten, dunklen Schwarzweiss-Fotografien aus dem vorletzten Jahrhundert die riesigen Fenster stehen, durch die es als gleißend hellgrauer Dunst, als feinkörnige Masse im Raum hängt. Daran denke ich öfter, ebenfalls nicht in Farbe.
13:43h. Gestern, Sonnntag, zog ich, bevor es in Richtung W’hoven ging, das Carrere-Buch, „Alles ist wahr“, aus dem Regal. Das hatte ich von Friederike geschenkt bekommen. Tatsächlich begann ich dann, am späten Nachmittag, auf der Liege im Garten meiner Eltern, darin zu lesen.
Seitdem merke ich, mal wieder müsste ich anfügen, wie sehr ich angewiesen bin auf das LESEN, wie nämlich eher wenig geht, in meinem Denken, lege ich nicht regelmässig Holz nach in dieses übergeordnete Feuer. 1 Buch somit nicht nur eine Wolke, auf der man keinen Husten bekommt, sondern for real 1 kleine Axt.
Auch dort, mit den Büchern, wie mit der Musik schon mal ähnlich beschrieben, ist es leicht, im Hinblick und im Gegensatz zum Machen von Bildern, oder zumindest vom Machen in der Bildenden Kunst, so etwas wie einen leichten Neid auf das Sublimitäts-Potenzial, und zwar the sublime in einem Edmund Burke-Sinne, zu empfinden, das Literatur bietet, vor allem wahrscheinlich so eine Literatur, wie das Carrere-Buch jetzt. Denn mich z e r s t ö r t es tatsächlich, ein bisschen, würde man sagen, dieses Buch zu lesen. Und doch, weil es Kunst ist, nehme ich an, ist es vielleicht keine wirkliche Form der Zerstörung, obwohl es sich so anfühlt. Es ist der Phantomschmerz einer Diesseitigkeit.
Außerdem lerne ich, dass man im Englischen wirklich für sich abseilen „abseiling“ verwendet. Okay.