• Mi, 11.9.2024

    SOON IT’S HOCKEY SEASON

    Ab und an hat es ein Licht zu dieser Zeit des Jahres—es ist die Zeit der ersten Kälte—dass sogar das betonierte, breitstrassige, bahnunterführte und playmobil®-artige Funktionsdeutschland mit seinen Zinkblechen und Tropfkanten und Lagerhallen und Logistikzentren, dass sogar Technologiepark/Müngersdorf, mit seinem vergessenen Gras am Straßenrand, wenn schon nicht schön, so doch nach etwas aussieht, und sei es lediglich ein zweifelhafter Charakter.

    Und vielleicht sind Menschen, die sich als „Sommertyp“ bezeichnen würden, vor allem Menschen, denen sich schon früh, als Kind, das Abbild eines mit brennender Sonne in einem staubfreien Blau hängenden Himmels als der Inbegriff eines Himmels schlechthin zu eigen gemacht haben, und jede Vorstellung von einer Zukunft, jedes neugierige Herüberschauen zu dem, was ungewiss, aber hoffentlich doch eintreten möge, sich stets unter so einem Himmel abspielen wird, es ja gar nicht anders sein kann. Dazu gehöre ich nicht. Ich bin mit dem Herbst eingerichtet, und ich habe sieben Zimmer, aber ich nutze nur zwei. Ich schaue herüber.

  • Mo, 9.9.2024

    DIE FLAMME TRITT VERTIKAL AUS DEM BRENNER

    Mir ist nicht ganz klar, warum es diese eine Nacht zum Drüber Schlafen braucht, warum mir die berechtigten Einwände nicht schon in dem Moment einfallen, in dem besprochen wird, aber es ist so. Im Schlaf holt die Realität auf.
    Also wacht man auf mit einem Vorgefühl von Selbstanklage: warum das antun?
    Es ist doch auch so schon alles hart auf Kante genäht. Also, Kommando zurück. Insgesamt gerne JA, natürlich, aber SO wird es nicht gehen. Das ist nicht die Art von Dringlichkeit, die prickelt, das ist Stress, das ist Terror, das ist das Unschaffbare mit künstlich offen gehaltenem Ausgang.

    Regen, Eintrübung, kühl, 16 Grad.

  • Di, 3.9.2024

    A BOWL OF COLLARD GREENS

    Erinnert ihr euch: Stuckism? The Art of Being Stuck? Shoreditch represent. Wie könnte man es auch vergessen, you’re stuck. Stuck, stuck, stuck.

    Gestern sah ich einen Clip eines frischen Wahlkampfauftritts von Kamala Harris, einem von diesen Auftritten in dem, wie man sagt: she blacked it way uppp. Diesen Akzent kannte ich noch gar nicht von ihr. Sehr funny. Sehr ernst dabei. Vielleicht ließ sie sich von diesem Moment, in diesem Moment berühren?
    Man bemerkt—the art of being stuck, remember?—eine scheinbar jetzt schon ganz starke Selbstbegeisterung der Democratic Party über ihre Kandidatin. Es ist Anfang September, wohlgemerkt. Die knüppelhart forciert gutgelaunte Stimmung: Was kann schon schiefgehen? Ein Zeitgerinnsel. Stuck in time. Für „Fallhöhe“ gibt es keine gute englische Entsprechung.
    Vielleicht, vielleicht, vielleicht wird der große Satz am 6. November 2024 sein: mit Biden hätte man es geschafft.

    Die Zigarette ist, im Unterschied zur Pfeife, das Gerauchte und sein Mundstück zumal. (F. Kittler, Der Aschenbecher)