INHALTE! HUNDE-EIS, KUGEL 1,50
Samstagmorgen, 8:36h. Aus der Tramplerin Wohnung kommen nicht Trompeten, aber Sägezahn-Synthesizer, prollige Decrescendos, die sonst ein Rummelplatz-Publikum in kratzige Aufruhr versetzen sollen, durch Bockwurstnebel hindurch. Schade—durchsägten sie doch das sanfte Rauschen des Morgens, das sanfte Gepiepse der Vögel, die auf den Dachrinnen sitzen oder aus den kleinen Pfützen trinken, die der nächtliche Regen hinterlassen hat.
Eine ganz spezielle Gabe, zu wissen, wann man eine Ruhe zu bewahren hat, die ein Blick aus dem Fenster, ein Horchen ins Lüftchen zu bewahren nahelegt. Den Auftrag von draussen verstehen. Abenteuer schöner ruhiger Morgen, bound to nature.
JT erzählte ich Mittwoch, bei einem eiskalten Peroni und einem Zigarettchen, dass das für mich neu sei: dieses Interesse, und das Gefallen an der (kunsthistorisch basierten, müsste man anfügen) Kritikerperspektive, das tolle dicke Benjamin Buchloh-Buch (und die Vorfreude auf das Rosalind Krauss-Buch, das zu bestellen ich mir nicht ausreden konnte) einerseits, aber andererseits: wie es mich auch erstmal hemmt, im Atelier, in der unmittelbaren PRAXIS, zögerlich macht. Und ich noch nicht weiss, ob das gut ist oder schlecht, bzw. jetzt sich noch eher schlecht anfühlt, aber zu etwas Gutem wird. Also, daraus folgt, Notiz an mich selbst: wenn man so Lust hat, was über die Art und Weise zu erfahren, wie andere UNTERSCHEIDEN, und dann diese neuen, noch fremden Unterscheidungen an die eigene Arbeit anlehnt, dann wird alles erstmal sehr viel langsamer.
Lieb gemeinter, wirklich, Ratschlag an die deutschen Feuilletons: die ganzen Texte über Taylor Swift-Exegese, Banksy oder cheesy Skulpturen im Garten von Mark Zuckerberg einfach weglassen. Einfach nicht machen. Den Platz, den das schafft, dann für etwas anderes, NEUES nutzen.