• Di, 27.8.2024

    LEGT WEISSE ROSE NIEDER

    Erkältet.

    Ich aß im Tantuni Haus E’feld™ (jetzt mit Leuchtschrift) zu Mittag, eine „Kleinigkeit“, so spricht die sog. Awareness für Intake, und Hasret nahm mir für alles den Betrag von 40 Cent ab. #peasantlife

    Für Rheydt: der Tristan-Akkord.

    Die Internet-Diät zeigt Wirkung. Es lebt sich—wirklich—ja was ist das Wort?

    Rosalind Krauss: Das optische Unbewusste, 1993

    Mache eine Postkarte für die Rennreiterin. Vorne hab ich schon. Was soll ich nur schreiben? Ich darf auf keinen Fall schreiben, was ich gern schreiben würde, das ist klar. Und was, wenn diese Postkarte in UK verschlampt wird von der Post? Ich darf gar nicht drüber nachdenken.

  • Mo, 26.8.2024

    LE SCINTILLEMENT D’UN SAMEDI

    Der Samstag war einer dieser Hitzetage, die im Rückblick scheinbar wahllos in die Woche eingefügt sind. Sie sind einfach auf einmal da. Der kühle Sonntag, der darauf folgte, betonte das. Man befühlt die eigene Haut, und sie flüstert noch vom Vortag, als ob sie sich selbst nicht sicher sei, ob es so wirklich gewesen war, gestern?
    Ich war rausgefahren nach W’hoven, um nach den Blumen im Garten zu schauen, sah meiner Wäsche beim Trocknen zu, füllte das Vogelhäuschen mit Futter auf, goss Wasser in den großen tonroten Untersetzer, aus dem die Vögel trinken, besah mir das Magenta der Dahlien, schnitt den Mangold ab, drehte den Sonnenschirm auf, gab der bereits herüberäugenden Nachbarshündin eine Möhre, die sie so liebt, und schon fiel ihr der Sabber der Vorfreude aus dem Maul, der im Widerschein der heißen Sonne funkelte.
    Würde ich mir später Drinks machen oder ein oder zwei der bereits kaltgestellten Dosen San Miguel®, die ich noch für die richtige Temperatur ins Kühlfach würde legen müssen, aufmachen? Allein die Frage ist das schöne Gefühl, nicht die Antwort.

    Wollte dann lesen, das heißt: ich dachte, ich wollte lesen, aber ich wollte lieber nicht lesen. Lieber einfach schauen und Kleinigkeiten machen. Über eine Anrichte wischen, zum Beispiel.

    Später glitten erste dunkle Wolken herüber. Noch etwas später zog es herauf—schön, dass man es so sagt—und da ist dieser innige Effekt, das Unausweichliche. Wenn sich dieses Blaugrau in den ganzen Himmel ergießt, hat es einen wunderschönen Effekt der Zweidimensionalität. Alles ist flach und einfach und unvermeidbar. Auch die Grüntöne des Gartens nehmen eine andere Färbung an, wenden sich ins Kalte, und es ist, als verändere der Garten selbst den Blick, den er auf uns zurückwirft. Dann weisses Flackern, white noise, der Wind zieht an, formuliert nun deutlich, und ich trage die leichteren Blumentöpfe unter das Terrassendach, klappe die Liege zusammen, baue den Sonnenschirm ab, hänge die kleinen Papier-Laternen von hier nach da, schiebe das fahrbare Kräuterbeet, das mein Vater gebaut hat, zur Seite.

    Letzte Woche betrug deine Bildschirmzeit durchschnittlich 1 Stunde und 13 Minuten pro Tag auf diesem Gerät. Mein Telefon, 09:42h.
    Ich muss 13 Minuten abnehmen.

  • Mo, 19.8.2024

    JÜCHEN, GERMANY

    Letzte Woche betrug deine Bildschirmzeit durchschnittlich 1 Stunde pro Tag auf diesem Gerät. – Mein Telefon, 09:17h.

    Sorry for bragging. Aber zugegeben: da sind die Minuten, Stunden in der YouTube-Vortex (Studio Ingbretson, Totally Football Show, süße Tiere, zum Schlafengehen gestern Röhm-Putsch bei arte, lol) auf dem Computer nicht mit eingerechnet. Also was soll’s.

    Das Thumbs up-Emoji. Das einzige Emoji, das ich mich weigere zu benutzen. Das heißt, ich muss mich garnicht weigern, ich komme gar nicht auf die Idee. Sorry for bragging.
    Dazu: von der Idee zu einer Serie von paintings mit dem „Thema“ Moronic Gestures, das ist etwa zwei Jahre her, hatte ich nach einem Bild wieder Abstand genommen. Jetzt, wo ich es hinschreibe, finde ich es gar nicht so…

    Und dann also: Jüchen. The ü is long, wie zwei ü. Dort hielt ich nicht, stieg ich nicht aus, sondern fuhr vorbei, auf dem Weg nach: Rheydt. Stadt von Goebbels, Heinz Sielmann, Gregor Schneider.
    Auf dem Weg vom Bahnhof zum Marktplatz, zu Fuß, hatte ich einen merkwürdigen Eindruck von Künstlichkeit. Was ich sah, entsprach einer Art Illustration von einer Idee, die mir zuerst nicht ganz greifbar war, aber von der ich dachte, ich kenne sie von irgendwoher, wahrscheinlich aus den Medien, oder vielleicht sollte man heute eher sagen: von einer Form des vielstimmigen Medienkonsums her. Je näher ich dem Marktplatz kam, desto klarer kam mir diese Idee aus dem kaputten Einerlei der ausgegossenen Grauheit von Straßenbelägen und Betonwänden entgegen: „Überfremdung“. Das, was ich da im Vorbeigehen sah, schien mir möglicherweise das zu sein, was einige Menschen in diesem Land darunter verstehen.

    Jetzt aber denke ich an etwas anderes, aber auch nicht völlig anderes: da ich nun wirklich darüber nachdenken muss, was ich in Rheydt zeigen will Ende September, hängt mir ein anderes Wesen von Fremdheit nach. Vielleicht meine ich den Tod, und vielleicht komme ich dahin über den Umweg, siehe oben: Gregor Schneider.