• Dienstag, 12. August

    Um halb acht morgens beginnen die Arbeiter auf dem Dach ihre Arbeit. Und wie selbstverständlich wird ein Radio eingeschaltet, brüllend laut und immer der beschissenste Sender. Wirklich jeder, der im Umkreis lebt, soll Kenntnis davon nehmen, dass die Arbeit aber jetzt auch wirklich losgeht. Mit der Arbeit haben die Anwohner aber nichts zu tun, der einzige, der damit noch zu tun hat, ist der Besitzer des Daches, auf dem dieser öffentliche Arbeitsnachweis stattfindet. 

    Warum ist das eigentlich immer so? Woher kommt diese gefühlt tausendjährige Tradition, dieses kernig gesunde Selbstverständnis der Handwerker, Rücksichtnahme sei nicht nur überflüssig, könne man gar nicht erwarten (“könnse nich erwatn”), sondern vielleicht sogar eine Beleidigung der Arbeitenden selbst? Dem eigenen Schicksal Arbeit etwas abtrotzen. Ich verstehe es nicht. 

  • Donnerstag, 31. Juli

    In einer der vielen Taschen und Beutel, die sich in meinem Zimmer befinden (so archiviere ich), finde ich einen Zettel, einen kleinen, auf ihm steht ein einzelnes Zitat von Kluge: “Poetisch ist die Wirklichkeit selbst” – Sehr gutes Zitat, das habe ich zu Recht aufgehoben, und mir wird klar, es muss ein alternatives Zitateband geben. Nicht immer nur “Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum”. Das ist eh falsch, denn wie man weiß, kann es auch mit Musik ein Irrtum sein. Haha

  • Mittwoch, 30. Juli

    Jeden Tag bekomme ich Emails, die mich auf Stipendien und Preise hinweisen, Ausschreibung beginnt, Ausschreibung endet BALD, letzte Schangse, “nur für Künstler aus NRW-Rheinland-Pfalz-unter 35”, sowas, Stiftungen, zwielichtige und pompöse, Preise mit Namen und auf Knien nach Bedeutsamkeit japsenden Richtlinien und “Profilen”. Ich habe mich noch nie beworben. Der Stress, den alleine die Betreffzeile schon auslöst bei mir….

    Beschreibungen, Berichte über das eigene Schaffen in dieser sich selbst aussaugenden Nullsprache, die absolut nichts sagt, von dem, was eigentlich ist. Es ist überhaupt wieder eine große Zeit für die Nullaussage.

    P.S.: Carrie Brownstein ist sehr süß