• Mittwoch, 4. Juni 

    Am Sonntag ging ich einfach los, ohne groß darüber nachgedacht zu haben, wohin oder warum. Das Wetter war gut, aber das erwähne ich nur am Rande, weil mich Wetter eigentlich nicht interessiert. Sicher bin ich mir aber nicht. Vor ein paar Jahren wäre ich noch zu Hause geblieben und hätte gewichst. Ich glaube, ich habe Fortschritte gemacht.

    Wenig später war ich aber schon im Treppenhaus, und ich wollte in die Sedanstraße. Dort steht ein Haus mit Namen: “Haus Neuilly”. Der Name steht in bronzenen Lettern über der seitlichen Einfahrt. Es sieht aus wie eine sehr dicke weisse Treppe aus Legosteinen, aber das Lego für Kleinkinder, mit den dicken Steinen – hatte das nicht einen eigenen Namen? Ich gehe eigentlich meist der Häuser wegen durch die Straßen. 

    Haus Neuilly ist aus weißem Marmor, der schon etwas ächzt. Wenn die Sonne scheint, leuchtet Haus Neuilly fahl und es ragt aus der Reihe der Häuser heraus wie glänzendes Operationsbesteck. Es ist nicht direkt “schön”, aber ich kann es auch nicht so genau beurteilen, weil ich schon blind vor Liebe bin. Ich weiss nicht, wie es im Innern aussieht und im Internet finde ich auch nichts dazu. In meiner Vorstellung würde ich dort gerne einmal wohnen. Ganz oben vielleicht. Das ist aber wirklich nur eine Vorstellung, weil eigentlich möchte ich in dieser Stadt gar nicht mehr wohnen. Bei Max Goldt habe ich mal gelesen, wie er früher durch die Straßen ging und sich Häuser ansah, in denen er gerne wohnen wollen würde, und sich dann die Nummer der Hausverwaltung notierte und einfach dort anrief und nach Leerstand erkundigte. Ich wüsste eigentlich gar nicht, wie es anders gemacht werden sollte.