BLUE SKIES NECROMANCER
Keine bloße Fürsorgeerzählung ist das Hellblau, das sich da hinten, über den Dächern der fernen Häuser erhebt. Die Wolken darin so richtig van Ruysdael, blaugraue Schatten, langgezogen, Baguettes aus Watte, aber von links her, da deutet sich schon die Sonne an, mit metallischem Strahlen. Vögel, einzelne, mehrere, fliegen ihr jetzt entgegen, und dann verschwinden sie aus meinem Sichtfeld. Das ist doch wahrscheinlich die Übung hier, jeden Morgen, wenn ich will: wie meine Aufmerksamkeit eins ist mit ihren Inhalten. Die Aktivität meines Körpers, die Summe organischen Engagements mit diesem Moment, wie einem Licht und Schatten und Farbe im Sichtfeld begegnen, allerlei weitere Formen der Gegenständlichkeit, Gedanken, Gefühle, wie lange und stark sie bleiben, was folgt auf das Vorherige, und all die geschieht im Raum der Aufmerksamkeit, dessen Wände man niemals sieht, weil sie eben nicht Ichwände sind.
Und ganz außen, am Rande dieses Raumes, liegt diese merkwürdige Ahnung, dass sich diese Dinge in Summe nach mehr anfühlen als einem ICH. Dieses Ich, so kommt es mir vor und darum bin ich sicher, ist nur ein weiterer Umriss in einer unklaren Ganzheit. Ist es also vermessen, wenn ich wirklich versuchen will, Kunst zu machen, die eben nicht nur Ichkunst sein soll. Denke nicht.
Die Literatur zB bietet—vielleicht in Analogie für diese Ahnung, vielleicht für die exakt selbe—die Idee einer Pluralität der Ichs, der Selbste an. So wäre jedes Ich als Pluraletantum zu verstehen. Proust: daß jeder von uns nicht ein einziger, sondern eine Unzahl von Personen ist, (die nicht den gleichen moralischen Wert besitzen )(…)
Noch ein schöner Satz zum Ich-Thema aus Nate Wests Ästhetik der Erniedrigung: Mein vergangenes Ich, das nicht mehr ganz da ist und doch nicht als verschwunden gelten kann, bleibt der ewige Leibeigene meines vergangenen und zukünftigen Ichs und letzteres wird niemals aufhören, unter dem Despotismus seiner Vorgänger zu leiden.