• Di, 12.3.2024

    WER IST JIMMY „BARBECUE“ CHÉRIZIER?

    Nur die Sachen machen, die ganz leicht gehen, meinte Luhmann mal.
    Die Sätze kommen und gehen, und das leicht zu finden fällt mir schwer.
    Heute Morgen, früh—da waren Häuser und Vögel noch black blots of ink, hatte ich hier bereits einen Text reingeschrieben, der mir zwar Spaß bereitete, weil er wahr war, aber nach außen hin extrem schlechte Laune verbreiten musste, dachte ich dann. Also hab ich das wieder gelöscht, weil: nee, so möchte ich heute nicht rüberkommen.
    Eine Sache, die zu vermitteln mir schwer fällt, ist der Umstand, dass, obwohl mir superviele Dinge ständig auf die Nerven gehen und ich sie benennen will (nur Wichtiges, klar), ich natürlich trotzdem bei guter Laune sein kann. Can you relate?

    Innocence of Vision

    Darin enthalten, in der Löschmasse, war ein Gedanke, der etwas haften blieb im ewigen Raus und Rein der Daten, und der irgendwie zustande kam, nachdem ich die neuesten Manhattan Art Review-Textchen gelesen hatte, und dann kam mir dieser Satz, von wegen dass eine reine Massierung und Auftürmung von übermässig subjektiven Einzelpositionen (as they say) eben kein realistisches Bild der GROSSEN WELT ergibt, weil sie ihren kleinstperspektivischen, ichzentriert-sentimentalen Ausgangspunkt so selten verlassen, verlassen können, weil man sich anscheinend gewissen Formfragen nicht mehr aussetzt usw. – aber dann kam es mir so vor, als würde ich seit ein paar Monaten schon über nichts anderes mehr schreiben, also hier. Stimmt das überhaupt?

    Kautschuk, die „Träne des Baumes“

    Gutes Gefühl: ich bring mein kaputtes LED-Lightboard zum Elektroladen, eigentlich ohne große Hoffnung, Wegwerfindustrie usw. Da sagt der Mann, ja, könnwa reparieren, ist Freitag fertig, 20 Euro. Ich dachte wow, da ist sie doch noch, diese andere, bessere Welt!

    Gestern Abend Birth (2004) von Jonathan Glazer.

  • Do, 7.3.2024

    DÆMONS, DÆMONS

    Als die Laune gerade noch gut genug ist, einen halbwegs klaren Gedanken zuzulassen, sinkt er in den blauen Campingstuhl. Die Luft draußen riecht bereits so, wie der Gesang der Vögelchen klingt. Von diesem Draußen trennt ihn nur eine Stahltür, die sich von wechselnder Witterung in einem ständigem Zustand von Verformung und Ungehorsam befindet.
    Später, wenn er gehen wird, muss er diese türgewordene, ächzende Frage mit Wucht in den Rahmen zurückschleudern. Die Verwandtschaft der beiden ist uncanny.

    Sich wehren gegen die Brutalisierung, die die relative Armut mit sich bringt. Die eigene Brutalisierung, die der anderen. Es ist die Art der Ausdünnung des Lebens, an die man sich nicht gewöhnen will, nicht gewöhnen s o l l t e gar. Die, die nichts zu tun hat mit einem Minimalismus, der, wohlmöglich, eine aus Stilempfinden keimende Form von Genügsamkeit darstellt.
    He too, when in difficulties, had a sort of battle cry of „Daemons, daemons“ with which he would dash at his canvas.
    Wie früher die Leute gesagt haben, and maybe they still do, wenn man zu lange absichtlich schielt, „bleiben die Augen so stehen“: sich zu sehr an diese Armut gewöhnen hieße, sie setzt sich fest, bricht alle gesunden Widerstände und man kann ihr nicht mehr entkommen.

    „Truth was dropped on Hiroshima“

  • Fr, 1.3.2024

    PRIORITÄTEN IM MOMENT

    Indem ich mich dem Gehen verweigere, verweigere ich mich auch der Landschaft. In jedem Grashalm eine tödliche Gleichheit. Der Hass auf das Bekannte. No more, not today.

    An der S-Bahn-Haltestelle Hansaring irrt ein junger Afrikaner mit einer großen Tragetasche umher und fragt nach „Buchforst“, wohin ihn wohl die Person am anderen Ende des Telefons, das er immer wieder kurz vom Ohr nimmt um mit der physischen Welt zu sprechen, lotsen will. Aber keiner scheint ihm helfen zu können, oder zu wollen. Kann doch nicht so schwer sein, denk ich, und schaue auf den ausgehängten Plan. Da steht es doch: S6, Buchforst, drei Stationen von hier, 9 Minuten. Ich zeigs ihm.
    Keine drei Minuten später kommt eine Frau auf mich zu, auf dem Handy die Bahn-App geöffnet, und sie fragt mich, wie sie in die Bismarckstrasse kommt. Obwohl ihr die Bahn-App ziemlich genau zeigt, wie sie dorthin kommt, kann sie aus den Grafiken von Abfolgen, Zeiten und Nummern keine Information ziehen. Zuerst bin ich irritiert—es steht doch alles da—dann aber erkenne ich diese Situationen wieder: Momente der Wirrheit, obwohl alles, was man braucht, direkt vor einem liegt. Liegt in der Genauigkeit dieser Angaben eine Verschwörung?

    Danach wiederum kommt ein junger Mann auf mich zu, mit dem Satz „Sie kennen sich anscheinend hier aus“… nee, eigentlich nicht, gucke nur hin—und auch er fragt mich nach einer Bahnverbindung, und ob diese wegen einer Baustelle an dieser Haltestelle unterbrochen sei. Wir stehen zusammen vor dem Kasten mit den Plänen. Da hängt der Zettel, ja, unterbrochen, aber nur bis 28.2., also gestern. Auch er hatte eigentlich alle Informationen direkt vor sich.