• Dienstag, 20.9.2022

    UNAGI RIDER

    Zurück im Atelier, der erste Tag für den weißen Hoodie. Hinten steht in schwarzer Schrift Goethe Universität Frankfurt am Main—das war ich nicht. Vorne ist Schmutz und Farbe—das war ich. Auf der Straße hatte ich den gefunden, letztes Jahr. Im Sommer brauche ich ihn nicht, da ist er zu warm. Der Sommer ist jetzt vorbei.

    In Berlin habe ich fast nur japanisch gegessen. Ich bin halb Aal, halb Delfin, halb Italiener. Die alte Mathematik ist die neue Mathematik.

  • Montag, 19.9.2022

    LIEBE ALS PASSION II

    Gemäldegalerie. Für Hans Holbein d.J. ignoriere ich Donatello. Wie VIEL besser er, Holbein, war, als seine Zeitkollegen der teutschen Zunge, das ist so klar und offensichtlich, dass ich es dort, gestern, eigentlich gar nicht glauben konnte. 500 Jahre lang ragen diese Bilder nun schon fortwährend ins Diesseits, die Blaus blauen, die Grüns grünen, die Stoffe stoffen, und die Gesichter, sie pumpen. Mit ihm beginnt die richtige Porträtmalerei. Dann noch rüber zu Franz Hals, dem zu Lebzeiten ständig Strugglenden. Das reicht mir schon, da bin ich glücklich und belebt.

    Die beste Pizza Kreuzbergs bei Parma di Vinibenedetti, Wrangelstrasse.

  • Sonntag, 18.9.2022

    PHENOLE IM SENF CON JOAQUÍN ENPANADA

    In waffelteigfarbene Tücher gehüllt empfing mich Joachim im blankgeputzten Kollwitz-Viertel. Noch zeigte die Sonne uns und dem Erdbeerhäuschen ihr nices face. Ich aß ein Croissant of Color, mit Aktivkohle versetzt, oder gebacken, oder gemacht, ich hatte den genauen Herstellungsprozess schnell vergessen (schmeckte gut), angesichts der Tatsache, dass Joachim mir einen Marktbesuch in Aussicht stellte, den er dann auch wunderbar lebendig moderierte, mir qua seiner swabianischen Blutsnähe zur Marktidee überhaupt auch ganz logisch klar machen konnte, warum hier, auf dem Markte, ein hohes Dasein möglich war. Und so war es. Im Biersenf zu meiner Rostwurst waren tatsächlich säuerliche Phenole (Joachim meinte, die heißen so) zu vernehmen, aber der Höhepunkt waren die Enpanadas eines kleinen argentinischen Aufbaus. Die jeweiligen Füllungen waren durch eine Formvarianz der Enpanadas selbst gekennzeichnet. Glaube, das nächste Mal sollten wir direkt zur Quelle hin. Entonces.

    Freitag Kunst, mittags bei Ishin und später Austern bei Lafayette mit Friddey.

    Jon Rafman bei Sprüth Magers sehr sehr gut.

    Immer wieder die Feststellung, dass die Leute in Berlin noch flirten, offene Blicke haben. Angenehm.

    Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof fielen hinter mir die Kastanien dumpf ins Gras.