• Sonntag, 2.10.2022

    DIE EINSAMKEIT DES LÄUFERS

    Es ist Marathon. Leute stehen an den Straßenrändern, auf den Gehwegen, applaudieren, wenn einzelne Läufer vorbeikommen. Eigentlich schön anzusehen. Fremde wertschätzen Fremde, erkennen den struggle an, erkennen die Mühen, und geben ihnen mit oder ohne Worte mit, doch durchzuhalten, und wenn nicht, auch okay, hier stehe ich und sehe dich. Für viele Dinge im Leben braucht es Zeugen, damit man sie als wertvoll empfindet (selbst, wenn man das nicht glaubt: Menschen lassen es einen spüren).
    Wäre man für Freunde auch so da, wie diese Fremden am Straßenrand, auf diese Art? Hat der Fremde nicht immer den Vorteil, dass man ihn zu dieser einen Sache komprimieren kann, er wird zu der Anstrengung, die er ausübt, die anzuerkennen leichter fällt, weil keine Persönlichkeit, und die geheimen Daten, die diese mitbringt, dem im Wege steht? Freunde, Menschen, die einem enger stehen, sind auch immer leichter, fast automatisch zu psychologisieren. Man kann gar nicht anders. XX hat Probleme, aber XX ist auch so und so–„so ist er eben“–und durch die Persönlichkeit kommt die Wiederholung, und die Wiederholung ermüdet in diesem Falle, ermüdet den Willen da zu sein, zu helfen, zu sehen, zu erkennen. So dachte ich eben, als ich das sah, die Läufer, Kilometer in den Beinen, Kilometer vor sich.

  • Donnerstag, 29.9.2022

    MY F1RST CASIO

    Der Schweizer, der mich neulich über Instagram anschrieb, wegen the art, ist ein Grafiker aus Zürich. Nahm dann die Absage der Stiftung Kunstfonds zum Anlass, ihn nach Schweizer Adressen zu fragen, bei der Geld zu beantragen wäre, für die Produktion eines Katalogs, auch für den eines, entschuldigung, Deutschen. Dienstagabend telefonierten wir knapp zwei Stunden, der Grafiker und ich, und umrissen schonmal grob die Formen und Vorstellungen einer solchen Drucksache. Irgendwann fragte ich ihn, wie alt er sei. 23, sagte er dann. Und ich fühlte mich dann nicht alt, obwohl das nahe läge, sondern fühlte etwas anderes. Vielleicht sogar ein bisschen Erleichterung, nicht mehr 23 sein zu müssen, den Kopf nicht mehr zu 85% voll mit fickbezogenen Obsessionen und anderen Verlangen, die im Tremor dieser Energien nur ruckelnde Bilder meiner Zukunft abbilden konnten.

    Der junge Züricher Grafiker schien zumindest klar und konzentriert. Die Schweiz also–gar nicht so neutral.

    Drei Zeichnungen für die Online-Show von Brad Phillips gepackt.

    Schmerzende Stelle im linken Fuß, in der Fußsohle, direkt bevor der Fußballen beginnt. Gehe ich falsch, gehe ich zu weit?

  • Montag, 26.9.2022

    BROT ACHT EURO

    Vielleicht ist die Wahrnehmung in dem Maße durch einen hirninternen Kompressor gejagt, d.h. einer “Eingrenzung im Dynamikumfang” des Signals unterworfen, wie man vertraut scheint mit der einen umgebenden Umwelt. Vielleicht muss man “naturgemäß” anfügen—dieser Zwischenruf kam aus der neuronalen Ecke.
    Ich lande wieder automatisch bei dieser Idee von Qualität der Aufmerksamkeit, die mich so beschäftigt. Wegen REALISMUS usw. In der Routine das Auffällige, Bemerkenswerte, vielleicht sogar das Neue zu sehen, ist unter vielen Widerständen verbuddelt. Welche Farbe hat das Schäufelchen?

    Schon bei Wall piece #12 angekommen. Mische ein paar Berlinerische drunter.