DIE EINSAMKEIT DES LÄUFERS
Es ist Marathon. Leute stehen an den Straßenrändern, auf den Gehwegen, applaudieren, wenn einzelne Läufer vorbeikommen. Eigentlich schön anzusehen. Fremde wertschätzen Fremde, erkennen den struggle an, erkennen die Mühen, und geben ihnen mit oder ohne Worte mit, doch durchzuhalten, und wenn nicht, auch okay, hier stehe ich und sehe dich. Für viele Dinge im Leben braucht es Zeugen, damit man sie als wertvoll empfindet (selbst, wenn man das nicht glaubt: Menschen lassen es einen spüren).
Wäre man für Freunde auch so da, wie diese Fremden am Straßenrand, auf diese Art? Hat der Fremde nicht immer den Vorteil, dass man ihn zu dieser einen Sache komprimieren kann, er wird zu der Anstrengung, die er ausübt, die anzuerkennen leichter fällt, weil keine Persönlichkeit, und die geheimen Daten, die diese mitbringt, dem im Wege steht? Freunde, Menschen, die einem enger stehen, sind auch immer leichter, fast automatisch zu psychologisieren. Man kann gar nicht anders. XX hat Probleme, aber XX ist auch so und so–„so ist er eben“–und durch die Persönlichkeit kommt die Wiederholung, und die Wiederholung ermüdet in diesem Falle, ermüdet den Willen da zu sein, zu helfen, zu sehen, zu erkennen. So dachte ich eben, als ich das sah, die Läufer, Kilometer in den Beinen, Kilometer vor sich.