• Samstag, 8.10.2022

    NORTH, SAINT, CHICAGO, PSALM

    Träume. Grundsätzlich, für mich, uninteressant. Carsten Höller nannte sie neulich in einem Interview “Exkremente des Hirns”, und Max Goldt schrieb mal, Träume seien dafür da, dass man sich im Schlaf nicht langweilt. Im Prinzip gehöre ich zu dieser Schule des Denkens. Zum Traum.

    Mir fällt der Aal ein, den der japanische Koch mit einem spitzen Keil, durch den Kopf gebohrt, am Schneidebrett fixiert. Noch während der Koch den Aal der länge nach halbiert, ergeht sich der blass schimmernde Schlauch in letzten Windungen, fließt ihm die letzte Elektrik durch die Aalmuskulatur, und kräuselt mit einem Mal alles Restleben aus ihm heraus.

    Dennoch kurze Notiz heute zum Thema, Traum that is: im Traum nämlich hielt ich eine Art Vortrag, äußerte mich ausführlich auf Nachfrage über meine Kunst / geht auch, obwohl Kunst nicht = Arbeit sondern Kunst = Kunst: meine Arbeit / geht gar nicht: mein Werk / am ekelhaftesten: meine künstlerische Praxis / und dann wachte ich plötzlich auf, und lag angenehm wach da, blickte in einen noch dunkelgrauen Morgen, und hatte kurz das Gefühl, als hätte ich das wirklich auch gesprochen, mein Mund fühlte sich so an, als hätte er all das Zeug auch wirklich gesagt. Aber ich glaube nicht. Obwohl, man hatte mir mal gesagt, ich hätte im Schlaf gesprochen, ab und zu. Es bleibt unklar.

    FedEx Priority heißt wirklich: in weniger als 24 Stunden von Köln nach NY.
    Postkarten nur noch mit FedEx Priority, schneller als Emails?

    13:09h

    Reporting live from Assclown Ave

    In der Museumsbibliothek <3
    Die spanische Frau hat grade Pause, jetzt wird sie von einer Art Goth-Girl vertreten, die, bis grade noch, mit gefalteten Händen und demütig gen Boden schauend hinter der kleinen Plexiglasschutzwand (portabel) saß. Aus dem Besitz ausgedachter Fürstbischöfe, 1785-2022.

  • Donnerstag, 6.10.2022

    What gets you–what gets to you. Always interesting, almost always surprising, not unfamiliar though. Not unspoken of. The flanks of the trees, silvery sunlit foliage now, shaking softly. Yesterday I saw a little girl, holding hands with her mother, her eyes widening with joy when she saw a small brown dog, then turning to her mother, whispering to her. I watched her watching. I watched the dog myself. A small story, a miniature. Profane. That got to me. I could’ve whispered something myself.
    How the mind is just a succession of things, not a tale unfolding. Shrapnels of a never-ending blast, coming from all sides. Minutes later I was thinking about that bit, about a woman saying something like my body tells me I wanna have a baby–and the man thinks my body tells me to fuck a seventeen-year-old, doesn’t mean I’ll do it. That gets me every time.

    Und was war mit Berlin, was war mit Kreuzberg? This is Kreuzberg. Taborstraße.

  • Montag, 3.10.2022

    13:21h. Der längere Schnabel, die bräunliche Sprenkelung am Bauch spricht für eine Drossel, oder? Elegant, und dabei fast unnötig umständlich steht sie da mit ihren dünnen Beinchen auf dem Rand des Vogelhauses, und dreht sich seitlich zur Futterfläche hin, und ihre Flanke schimmert schwarzbraun, dann bronzen fast. Ich beneide die Vögel darum, wie sie dann einfach abheben und sich ganz locker oben auf dem Arm des Baukrans niederlassen können, der sich hier, direkt hinter dem Apfelbaum des Nachbarn, hinter dessen Haus, emporhebt, groß und merkwürdig nah, mich von weit oben herab beobachten. Zarter Neid auf die Fähigkeit, schnell große Distanzen herzustellen. Die Vögel machen insgesamt ziemlichen Betrieb heute hier, wie nervöse Teenagerjungs in Triebspannung hängen die Sperlinge oben in den Kronen, schreien herum, fliegen weg, um kurz danach im Rudel wiederuzkommen, nur um irgendwas zu machen. Jetzt schaute mich grade, als ich das schrieb, ein knallrotes Eichhörnchen direkt an, legte die Nuss ab und… wie ein Disneyfilm hier. Es ist nicht grade kalt, würde man sagen, und ich lese auf der Sonnenliege, mit Decke. I am, indeed, a simple man.