• Freitag, 20.5.2022

    HÖHLENBAUEN

    Fuhr erst am späteren Nachmittag ins Atelier. Wie in einem Wettlauf, mit dem aufziehenden Gewitter, packte ich den Rucksack, schaute dabei ab und zu nach draußen, wie auf einen Verfolger, den ich hinter mir wähne–wie weit ist er schon–ich seh seinen düsteren Schatten ganz nah. Wollte aber gar nicht schneller sein. Ich wollte hineingeraten–das habe ich dann selbst gemerkt. Vorfreude auf die kühle Luft kam bei mir auf, auf die Gerüche, die der Schauer mit all seinen Wassern schäumend aus den Ritzen spülen würde. Auf das dunkle Cape, das jetzt herabsank.

    Auf Regenradar war eine dunkelblaue, schleichende Fläche zu sehen, in ihrer Mitte ein violetter und länglicher Kern, creeping towards Betlehem. Draußen, die ersten Botentropfen fielen, hatte sich der Himmel schon fast vollgesogen mit einem wunderschönen Grau, in dem so viele Farben wohnen, bedrohlich und tief. Die Reste des bisherigen Tages verschwanden. Anderes Licht fiel auf die Dinge. Und die Dinge sahen nun anders aus. Jedem, dem dieser Tag bis zu diesem Zeitpunkt wie eine Niederlage vorkam, war nun die Möglichkeit eines Sieges gegeben. Neu.

  • Mittwoch, 18.5.2022

    GLASGOW RANGERS – EINTRACHT FRANKFURT

    Weiter gehts, indeed.

    Samstag absolut finsterste Horror- und Absturzlaune, Vladimir-schmeiß-die Bombe-Laune, Global-Anthrax-Laune, alles abschalten, den Laden-dichtmachen-Laune, All-over-Brandrodung-Laune, Megadeath. Und die Sonne scheint ihr Licht auf die Krater. Dann aber durch den sozialen Moment gerettet, und durch sanfte Alkoholzufuhr. Die Zigarette feiert ja eine Art “Comeback”, vielleicht sollte bei mir der Alkohol ein kleines Comeback “feiern”. Erinnerung an mich selbst. Wie ich mich auch gestern wieder daran erinnerte, wie ich, noch in der alten Wohnung in W’hoven, abends immer wieder Ariel Pinks The Doldrums gehört habe, dazu Campari-Soda getrunken und gezeichnet, an dem Bistro-Tisch, mit der Marmorplatte, und dem einen schiefen Bein.

    Sommergedicht:

    1 eiskaltes San Miguel
    aus der Dose

    Unten in der U-Bahn-Station, vor 5 großen, randvollen Plastiktüten sitzend, in denen sich wahrscheinlich all sein Hab und Gut befand, aß ein Mann ganz still und wie nach außen hin abgeriegelt sein Eis direkt aus der Großpackung, mit einer Schere.

    image
  • Donnerstag, 12.5.2022

    PORTABLES DUNKELHEITS-SZENARIO, Teil 1

    Durch die Gitterstäbe einer Kleintiertransportbox, die eine Frau eben aus dem Hauptbahnhof trug, sah ich kurz die lagunenblauen Augen einer Siamkatze. In den Augen ein Suchen. Sie schimmerten auf, da in der eigenen kleinen tragbaren Dunkelheit, die in der Box herrschte, wie in jedem Raum eine eigene Dunkelheit möglich ist. Egal, wie sehr die Sonne scheint, sie prahlt mit ihrem Licht, in diesen Tagen–jemals gar.

    Ich ließ mir, endlich konnte ich mal rechtzeitig daran denken, das The Technique of Velázquez Buch in der Museumsbibliothek bereitlegen. Es liegt hier neben mir. Yes, I DO paint. tbc.