• Donnerstag, 2.6.2022

    SUOMEN PÄÄMINISTERINÄ

    Manchmal schlag ich Bücher auf, monate- jahrelang nicht drin gelesen, bzw. weitergelesen, und weiß trotzdem wieder, wo ich dran war. Ist das eine Gabe oder eine Störung?

    Das signierte Eliot-Weinberger-Buch, ich habe es gar nicht verloren. Oder verliehen und dann veregessen an wen. Mit Pioniergeist im ass bestieg ich die Klappleiter, und hoch droben, auf dem Bücherregal, wo weitere Kisten mit weiteren Büchern stehen, da fand ich es wieder. Es stand dort die ganze Zeit über aufrecht, wie in einem übervollen Linienbus. Die erneute Zusammenführung. “Sorry, no pictures – 25 Sept 2011″

    Ausgelassen leben, wie Sanna Marin, in ihrem finnischen Hockeytrikot, mit ihrem Weißweinglas in der Hand.

    Der relativ neue Zigeuner-Greis, der jetzt immer vor dem dm sitzt und bettelt, in dunkelblauer Anglerweste, hatte bisher immer nur den einen Text: Hallo Bitte, Hallo Bitte. Man ist ja schnell genervt von dieser Art der entmenschlichenden Wiederholung. Aber gestern sagte er plötzlich zu einem Typen, der vorbeiging und in ein Dürum biss Bon Appetitto. Darüber freu ich mich jetzt noch, warum?

  • Montag, 30.5.2022

    Sometime in the future

  • Mittwoch, 25.5.2022

    NO BIG DEAL

    Rosen, fast vor jedem Haus, in der Straße, in der meine Eltern wohnen. Üppige Rosensträuche, viele mit Blüten groß wie Frühstücksteller, gelbe, blaurote, zartrosane. Hier, wo es ruhig ist, traut sich die Natur etwas mehr heraus. Die Größe der Rosen als Zeichen für das Maß an Ruhe. Why not. In der Garage ertappe ich die in der Garage lebende Maus dabei, wie sie in dem Plastikeimer herumturnt, in dem das Vogelfutter aufbewahrt wird. Ich höre sie förmlich “oh, oh” sagen, als ich in die Garage komme, ich sage auch “oh, oh”, und dann klettert sie hastig und etwas uneleganter, als man es erwarten würde, aus dem Eimer und haut ab, hinter ein Regal. Mit der von meinem Vater aus Pappe gebauten kleinen Futterschaufel fülle ich Vogelfutter nach. Vögel haben immer Hunger. Igel Sascha war in den letzten Wochen auch aktiv geworden, fett wie er war, aber ich sehe und höre von Sascha am Abend nichts. Es ist kühl und regnet in Schüben. Der Nachbarshund bekommt zwei Möhren. Beim Fressen fallen ihr dicke Speichelfäden aus dem Mund, während gleichzeitig die Möhre reingeht. Ich sage dem Hund, dass ich auch auf Möhren stehe. What’s not to like? Ich telefoniere lange mit Henri in Zürich. Ich trinke zwei eiskalte Dosen San Miguel. In einem Bier ist noch Bier-Slush, vom Eisfach. Ich liege auf der Couch, die feuchte Nacht kommt als Kühle durch die offene Terrassentür, ich decke mich zu und lese bis weit nach Mitternacht weiter Truman Capote, Kaltblütig. Am nächsten Morgen kann ich mich noch an den Traum erinnern, den ich geträumt habe, aber jetzt kann ich es nicht mehr. Ich erinnere mich nur, dass ich mich erinnern konnte, gestern am Morgen.

    Rick Rubin fragt Brian Eno, wie er, Eno, aussah, als er Mitte der 70er Jahre anfing, die Idee von einer Ambient Music zu entwickeln, wie er sich gekleidet hat, sich dargestellt. Eno sagt: “I still had long hair. I was still wearing make-up then, yes, and I wore a lot of unusual clothes. My physical appearance was saying Look at me, but my musical output was saying It’s nothing, it’s just a tint, just an atmosphere, no big deal, carry on with your life.”