• Montag, 27.12.2021

    AND THIS IS FOR THE LIVING

    Nochmal Didion, im Interview mit Studs Terkel, 1977, über A Book of Common Prayer (man muss nur in der Suchleiste der Podcast-App “Joan Didion” eingeben). Am Ende des 53-minütigen Gesprächs sagt Terkel, vielleicht ein bisschen verknallt (?): “I wanted to meet you anyway” – und auf diese elegante Anmerkung hin, erwidert Didion ein gehauchtes, miau-artiges Geräusch, mit das schönste Geräusch, das ich seit langem gehört habe, und auch ich bin wieder für einige Minuten verknallt in Joan Didion.

  • Freitag, 24.12.2021

    AMITIÉS, JOAN DIDION, FIVE-GUYS BURGER, WEIHNACHTEN

    In den frühen Abend kam gestern die Meldung vom Tode Joan Didions. Wie sagt man: nothing but respect for her. Donnerstag, das war noch der Tag der kalten und scharfen Winde. Heute sind die 9 Grad eingezogen, ein uninteressanter Fremder. Fuck you. Gestern noch in der Stadt unterwegs gewesen, Besorgungen, es war eigentlich gut voll überall, und ich dachte kurz sowas wie: hier ist doch alles normal. In dem großen REWE an der Breite Strasse große Schlangen an der Kasse, aber ich passte einen guten Moment ab, also genau umgekehrt, wie es mir hier, bei meinem REWE, so oft passiert: da betrete ich einen fast leeren Laden und auf einmal stehen an der Kasse zweihundert Leute, verstehe ich nicht. Auf Instagram schrieb mir David Rimanelli, er habe sich grade ein kleines Büchlein von Zwirner gekauft, ein früher Aufsatz von Proust über Chardin und Rembrandt, und da wollte ich den dann auch haben, und ging zu Walther König, und siehe da: die Frau sagte, sie habe es “eben erst” eingegeben. SO geht doch der Zauber? Proust once told an Interviewer that style “is a quality of vision”. Seit ich neulich mit Friederike am Telefon über McDonald’s und Burger King sprach, sitzt mir dieser Burgerhunger wie ein Funkeln im Gehirnchen, Cheeseburger mit Bacon. Die rauchige Note des Specks, ein Minioratorium.

  • Donnerstag, 23.12.2021

    VORLETZTES TÜRCHEN

    Vielleicht schlecht, dass die Tage wieder länger werden. Nachts ist Schweigen. Die Sprache leidet. Mit das Dümmste und Vernichtendste an der Seuche ist das sich ständig spiegelnde und ineinanderdrehend perpetuierende Gelaber. Wir müssen sofort handeln, aber es ist zu spät. Es gibt Hoffnung, aber auch neue Symptome. Erneuter Lockdown hilft, aber eine große Gefahr bleibt. Wir sind in Welle 4, aber da ist auch schon Welle 5. Der Verlauf ist milder, aber die Ängste steigen. Im Sommer könnte es vorbei sein, aber es gibt beunruhigende Erkenntnisse. Der Tod punktet imagemässig: so flach und blöde kann das ewige Nichts ja wohl nicht sein, wie diese ganze Show hier. Hart, aber die Chronistenpflicht ist mein RKI. Ich möchte mal einen Satz für Erwachsene lesen: Es wird niemals enden. “Families drawing near” – sogar das Vince Guaraldi Trio wird zu Lügnern gemacht, at the gates of dawn.