Am Rhein entlang. Dort, nah an den Ufern, am frühen Nachmittag schon ein bronzenes Licht auf den vom Hochwasser der letzten Tage plattgedrückten, blassgrünen Gräsern, die nun, dicht und anliegend gewachsen, wie merkwürdige Frisuren aus brüchigem Haar aussahen. Das bronzene Licht verlieh diesem Anblick ein anderes Alter, als habe er sich aus der Zeitenlinie gelöst.
An manchen Häusern, die das Ufer dort säumen, sind kleine Tafeln oder Hinweise in unterschiedlichen Höhen angebracht, die mich schon als Kind fasziniert haben: zB Hochwasserstand April 1548. Ich ging die Uferböschungen ab, in der Erwartung, dort vielleicht etwas Interessantes finden zu können, was sich beim Rückzug des Wassers im Geäst oder im sandigen Boden verfangen hatte. Ich fand nichts. Ich schaute noch ein bisschen auf das Wasser des Rheins, wo sich im Krakelee der wieder fahrenden Schiffe das Sonnenlicht zu einer stechend hellsilbrigen Form ballte, die Hüften und Taillen hatte, und die mich an das Buch dachten ließen, das ich gerade lese. Nicht, weil dieses Motiv dort vorkäme, sondern weil dieses Buch mir so echt und wahr erschien, wie dieses gleißende Licht.