• so, 7.9.2025

    TANJA

    Männlich, schmierig, Ende 40 Anfang 50, ölige, lange schwarze Haare, am Hinterkopf licht und strähnig—denke an den Herbst, trockene Ästchen und kahle Büsche, denke an Algen am Meeresgrund, träge in der Strömung, gen Boden gedrückt—all das zu einem Zopf gebunden, und ich erkenne jetzt in seinen Händen das gleiche Phone, das sich auch Eric gekauft hat, er hatte es mir neulich noch gezeigt, koreanisch?, man kann es auseinander klappen, zwei Displays lassen sich zu einem grösseren, fast quadratischen auseinander falten. Ich lehne direkt neben dem Typen, und sehe jetzt, was er in den geöffneten Textverlauf tippt: Moin tanja, wie sieht es aus mit arbeiten und geld verdienen

    Sagen der Zukunft
    nicht ab.
    Erstmal nicht absagen.

    Ich sage an einem Punkt des Gesprächs zum Anwalt, Freitagabend vor der Galerie stehend, ich fühle mich oft wie ein Fremdkörper, und der Anwalt erwidert: ich fühle mich a u c h oft wie ein Fremdkörper, und er macht dazu so eine Handbewegung, die nicht blosse Zustimmung andeutet, sondern die exakte Formulierung dupliziert.

    „I guess you have to be serious to make a painting“ DeKooning

  • do, 21.8.2025

    „ISN’T IT FANTASTIC“

    Metallisch, blank poliert, Stahl — so kommt das Licht hier an, gefiltert durch dichte graue Wolken, aus denen es dann aber nicht regnet.
    Abends, wenn es FAST ganz dunkel geworden ist, denke ich noch immer an Italien, und wie es dort schon, jetzt, längst dunkel ist. Wie als würde ich die unmittelbare Zukunft am Rande des Blickfelds sehen. Aber es ist nicht Zukunft, es ist Krümmung, es ist Süden.

    Ich muss üben: APORETISCHE HALTUNG. Klingt gut.

    Akademismus, in der Malerei, bedeutet für 2025 und seit mind. 25 Jahren: Bad Painting. Nicht Ingres oder Ruskin oder Delacroix. Das Auge, am besten beide, für den Relationismus der Begriffe hält frisch, wach, aufmerksam. Das Gegenteil davon ist die Halbtotheit eines argumentativ generischen Raums. I fucking hate it.

    Michael Fried „Art and Objecthood“, 1968

    Aus Tao Lin’s Schreib-Tipps:
    Don’t „kill your darlings.“ Just copy/paste your prized phrases/sentences/passages that don’t fit in your current piece into a different file for future use.

  • fr, 15.8.2025

    TOUCH ‘EM WITH LOVE

    Vielbesungen,
    Ewigkeit

    Ferragosto.
    Der Gestank der Stadt, er spricht zu einem. Aus zu faserigen Fladen getrockneten, aus Körpern ausgeworfenen Pampen, aus wie mit Schellack bestrichenen öligen und pissigen Schlacken und aus den unsichtbar dampfenden Haufen von Müll und Scheisse, hochgetürmt und von Augusthitze zusammengeschmort zum grossen EINDRUCK, zur von der Sonne abgewandten Fratze des Sommers, auf die sich die Fliegen setzen.
    Der Gestank, er duzt mich, und das ist vielleicht das Schlimmste daran. This is our journey?

    Und der Mensch? Sie wiegt z.B. das Gemüse und das Obst ab—erntefrisch aus habichvergessen—das sie aus ihrem Anhänger heraus verkauft. Trockenblumen, Eiernudeln. Mittwochs nicht.
    Er arbeitet z.B. für das, was man den Curatorial-Industrial-Complex nennen könnte. 5 Asian Painters Making The Personal Political. Expect This Palestinian Artist’s Market Rise To Continue This Fall. Alle Systeme streben nach Komplexitätsabbau. Something like that.

    Ich fand mich in grossem Aufwand wieder, grossen Aufwand betreibend für die Postkarte, die ich Sergio, von Pizzeria Da Sergio, versprochen und angekündigt hatte. Nochmal besondere Strenge legte ich mir auf, wie ich sie mir in Sachen Kunst niemals auferlegen würde? Stimmt das? Nur das BESTE für die leichte Herzensgeste, isso.