ROM und MONTCLAIR, NEW JERSEY
Ein junger Italiener, Fabio, spricht mich an. Es ist Mittwochabend, Kunstfest in der Villa Massimo, tausend bis zweitausend Menschen bewegen sich sirupartig über den knirschenden Kies des weitläufigen Geländes, folgen den Wegen und Abzweigungen, die sich vor ihnen auftun, zuerst von einem Studio zum anderen, in manchen stand noch die Hitze meterhoch, dann, weiter vielleicht zu den kleinen Bars und Aufbauten, wo es etwas zu essen und zu trinken gibt, es ist immer noch sehr warm, denn es war ein heisser Tag, und das Licht wird weniger, die künstlichen gelben Lichter preschen nach vorne, setzen überall Punkte in diese picture plane, man schaltet kurz von Weitsicht auf extreme Kurzsicht und sieht das Flirren direkt vor sich, des Tages, der Tiere, ein Geruch weht herüber, und oben sind die düsteren, düsteren Kronen der zehn Meter hohen Zypressen, die eine Art Mantel über all das halten, all dem etwas—ja, was ist es—Thomas-Mann-Artiges mitgeben?
Fabio fragt mich nach „den Deutschen“, und warum, das verstehe ich erst ein paar Sätze später: Fabio fühlt sich unitalienisch, er lebt in Neapel und erlebt, so verstehe ich es, jeden Tag den Effekt der Entfremdung von den eigenen Leuten. Er ist nicht so, Ich bin nicht so, sagt er, und er fragt ausgerechnet mich, er fragt nach einem Rat, und ich bin ganz gerührt ob seiner Offenheit, Fabio, mit seinen sad eyes. Wir unterhalten uns eine halbe Stunde, dann geht er seiner Wege. Ich sage ihm, er solle hoffnungsvoll und aktiv bleiben. Was rede ich da?
Etwas früher, nachdem die sog. Weimarer Delegation durch die Studios geführt war, stand man mit anderen Leuten und Borsisti im Garten hinter der Galeria. Pinien, Magnolien, Agaven. Weisswein, mit etwas Wasser. Gespräche am Stehtisch, bzw. so maskierte Monologe, die man gegenseitig auf sich abfeuert. Mir war aufgefallen, schon die Tage vorher, dass manche Künstler, und ich weiss nicht genau, ob es mit dem Status, den sie haben und von dem sie auch wissen, zu tun hat oder ob es einfach Teil ihrer Natur ist, latenter oder performter Autismus whatever, aber es gibt diese sehr ausgeprägte und sehr spürbare Art des Nicht-wirklich-Zuhörens, des überspannten Blicks, der ständig etwas zu suchen scheint. I don’t know.
Die Eidechsen hier, die schert es wenig. I want. to be like them, green and quick.
Ein schöner Moment von einigen: das kalte Bier, frisch gezapft.