• fr, 20.6.2025

    SIAMESE CAT

    Eine kurze Zwischenmeldung. Wundervolle Tage hier. Ein kleines Leben im Leben führen. So würde ich es nennen. In diesem Moment fällt wenig Text an, auf die schönste Art. Er wird kommen, der Text, und ich will versuchen, so viel ich kann festzuhalten.

  • mo, 16.6.2025

    ROM und MONTCLAIR, NEW JERSEY

    Ein junger Italiener, Fabio, spricht mich an. Es ist Mittwochabend, Kunstfest in der Villa Massimo, tausend bis zweitausend Menschen bewegen sich sirupartig über den knirschenden Kies des weitläufigen Geländes, folgen den Wegen und Abzweigungen, die sich vor ihnen auftun, zuerst von einem Studio zum anderen, in manchen stand noch die Hitze meterhoch, dann, weiter vielleicht zu den kleinen Bars und Aufbauten, wo es etwas zu essen und zu trinken gibt, es ist immer noch sehr warm, denn es war ein heisser Tag, und das Licht wird weniger, die künstlichen gelben Lichter preschen nach vorne, setzen überall Punkte in diese picture plane, man schaltet kurz von Weitsicht auf extreme Kurzsicht und sieht das Flirren direkt vor sich, des Tages, der Tiere, ein Geruch weht herüber, und oben sind die düsteren, düsteren Kronen der zehn Meter hohen Zypressen, die eine Art Mantel über all das halten, all dem etwas—ja, was ist es—Thomas-Mann-Artiges mitgeben?

    Fabio fragt mich nach „den Deutschen“, und warum, das verstehe ich erst ein paar Sätze später: Fabio fühlt sich unitalienisch, er lebt in Neapel und erlebt, so verstehe ich es, jeden Tag den Effekt der Entfremdung von den eigenen Leuten. Er ist nicht so, Ich bin nicht so, sagt er, und er fragt ausgerechnet mich, er fragt nach einem Rat, und ich bin ganz gerührt ob seiner Offenheit, Fabio, mit seinen sad eyes. Wir unterhalten uns eine halbe Stunde, dann geht er seiner Wege. Ich sage ihm, er solle hoffnungsvoll und aktiv bleiben. Was rede ich da?

    Etwas früher, nachdem die sog. Weimarer Delegation durch die Studios geführt war, stand man mit anderen Leuten und Borsisti im Garten hinter der Galeria. Pinien, Magnolien, Agaven. Weisswein, mit etwas Wasser. Gespräche am Stehtisch, bzw. so maskierte Monologe, die man gegenseitig auf sich abfeuert. Mir war aufgefallen, schon die Tage vorher, dass manche Künstler, und ich weiss nicht genau, ob es mit dem Status, den sie haben und von dem sie auch wissen, zu tun hat oder ob es einfach Teil ihrer Natur ist, latenter oder performter Autismus whatever, aber es gibt diese sehr ausgeprägte und sehr spürbare Art des Nicht-wirklich-Zuhörens, des überspannten Blicks, der ständig etwas zu suchen scheint. I don’t know.
    Die Eidechsen hier, die schert es wenig. I want. to be like them, green and quick.

    Ein schöner Moment von einigen: das kalte Bier, frisch gezapft.

  • so, 1.6.2025

    ONE DAY, DURING 1900,

    Jetzt wird es wahrscheinlich schnell gehen. Die letzten vier Wochen hier. Und wie so ein Vorvergreister dachte ich eben: jetzt wird es wahrscheinlich schnell gehen. Und im berühmten nächsten Moment™ steht man wieder in der eigenen Wohnung, zwischen zwei Lidschlägen, und denkt: vorhin war ich noch dort gewesen.
    Ich sprach mir eben auch zu: be aware, lass es nicht zu sehr fahren, den Moment, die Momente, besonders die, die nicht voll sind mit ETWAS, sondern so einer wie jetzt gerade, wo der Wind durchs Laub fährt, mit diesem weichen Rauschen, die Spätnachmittagssonne ihre Position relativ zum Haus eingenommen, und ihr NOBLES Licht in Wellen auf das ganze Grün wirft, das ich hier, vom Bett aus, durchs Fenster des Schlafzimmers sehen kann, durch das eingebaute Fliegengitter. Ein eingebautes Fliegengitter, übrigens Quiet Quality – if there ever was one.
    Dann kam mit dem Rauschen der Einfall: Journal, jetzt.

    Seit genau zwei Jahren findet das Journal nun bereits hier auf der Webseite statt, ich habe es eben eher zufällig festgestellt, und dann ein wenig in den älteren Einträgen gelesen. Es kommt mir viel länger vor. Ich weiss nicht mal mehr, wer hier überhaupt noch liest. Niemand? Denkbar.

    Finanziellen Reichtum würde ich u.a. dazu benutzen, eine Art Leben in Bewegung zu führen, wobei ich mit Bewegung meine, dass man dort, wo man lebt, über Zeit nicht zu tief in gewisse Strukturen einsinkt. Und wenn man merkt, dass es diesen Aspekt bedroht, dann zieht man wieder weiter.