• so, 20.7.2025

    2 MAINE COON CATS

    Berufsreise zum Plattenauflegen nach Berlin. Wenig Arbeit, gutes Geld mit Mad Professor, Augustus Pablo, Googoosh, Marshall Allen feat. Neneh Cherry, DAF, New Order, Nite Jewel u.a.

    Vor dem Kulturforum stehen die Leute, trinken, rauchen, reden, weil der Abend so warm und schön ist, der sich hinter dem Kulturforum, grossformatig, in Orange und Dunkelblau und mit zerzupften Wolkenbändern auflöst. Tagsüber, als ich schonmal dort war, traf ich Katerina kurz und gratulierte zum Preis und dem dazugehörigen Batzen Zaster. Agnese, wie immer All Action, suchte meine Kiste mit der Skulptur aus Rom, und weil die ältere Frau und der ältere Mann, die man in Aufseher-Klamotten gesteckt hatte, bizarrerweise überhaupt kein Wort Deutsch sprachen und uns somit nicht helfen konnten, öffnete Agnese in the process einen Notausgang, dessen stummer Alarm wiederum die BERLINER ORDNUNG des Hauses aktivierte und in Form eines kahlköpfigen Mahners dann vor uns stand um, sozusagen, Agnese und auch mich (wieder) vollends in Deutschland Willkommen zu heissen. Agnese, viel zu schlau für dieses kleine Land hier, übergab dem berlinischen Mahner sogleich handgemachte italienische Marmeladen in kleinen Gläsern und eine Flasche Perlwein, und sodann war der Mann glücklich und lachte sogar und war von nun an ein ALLY.

    Fuhr Samstag zuerst zum Platz der Luftbrücke, um dort in einem Antiquariat vllt. etwas zu Seurats Zeichnungen zu finden, aber der Laden hatte zu. Danach zu Martin ins noch relativ neue Atelier im Wedding, wo er mir einen kleinen Siebdruck einer Sense (auf MDF-Platte) schenkte.

    Heute Mittag, von einem Artikel in der FAZ-Online dahingehend interessiert worden, direkt kleiner Walk zum Hohenzollernplatz rüber, die von Ossip Klarwein entworfene Kirche im Expressionistischen Stil zu besichtigen. Fotos gemacht. Leider abgeschlossen.

  • fr, 11.7.2025

    PUTTO CON DELFINO

    „Ein Tag verstreicht.“ H.D. Thoreau, Tagebuch 1, 23. Januar 1841.

    Dies sind—guarda!—die letzten Bilder der Zeit in Italien™: hinter dem Vorhang der Wohnung in der Via Por Santa Maria, da teilt sich das tableau vor mir dergestalt auf, dass dort eine schmale, hohe Gasse sich nach rechts hin windet, die Dächer und Flanken der historischen Häuser leicht schief, in braun und grau, und was da unten weiss leuchtet in der schmalen Gasse, das sind Menschen, Touristinnen, die in heller Leinenkleidung, in weissen und beigen Bermudashorts, von der Sonne angestrahlt, jetzt grade in diesem Moment wieder in die grosse, flache Geometrie einer Schattenfläche laufen, und hinten, ganz hinten, im Fluchtpunkt, liegt, selbst an so einem sonnigen Morgen, die UNWIDERSTEHLICHE Düsternis der Stadt.

    Als der Anwalt und ich in Florenz eintreffen und beschliessen, direkt in die Giardini di Boboli zu gehen, auch, um die Zeit zu überbrücken bis wir in die gemietete Wohnung können, ziehen bereits tiefdunkle Wolken heran. Seit Wochen, fällt mir dann ein, hatte ich hier keinen Regen mehr gesehen. Donnerschläge, weiter hinten in der purpurnen Masse ferne Blitze. Die ersten Tropfen, als wir über den Kies der endlos langen Zypressenallee auf eine Anhöhe zugehen. Eine wahnsinnige Renaissance-Lushness, vom gedämpften Licht des schwer dunkel behangenen, florentinischen Himmels betont. Psycholighting. Nymphen, Gewänder, Sex, Grotten, Zitronen.
    Und während es dann heftig und nicht nachgebend abregnet über den Gärten mit uns in ihnen, und wir uns für eine ganze Weile stillgelegt finden, von der Schwelle einer Herrentoilette aus hinaus in die Landschaft schauend, über die der dichte Regen einen weichen und kühlen Filter legt, ist das doch alles—ganz normal—von: großer, großer Schönheit.

    Auf Armen und Beinen die langsam abklingenden Mückenstiche, die wir noch aus der stehenden Hitze des Steinhauses in Radda zuvor mitgebracht hatten. Die sahen jetzt wie AIDS-Läsionen aus, sehr präsent und an den Rändern blotchy, von in unsern Ländern noch ungekannten lautlosen Flugbestien zusammengestochen oder -gebissen.

  • so, 6.7.2025

    GIARDINI DI BOBOLI

    Heute Weiterfahrt nach Florenz.
    Ich gehe Bilder von Sargent durch, die er in Florenz gemacht hat. Ich möchte sehen, was er gesehen hat, möchte diese Orte besuchen, wenn es geht, sollten sie noch existieren.

    Die Valéry/Proust-Dialektik der Kunsterfahrung. Der sich fortbildende und kultivierende „Erwachsene“ mit Interesse an einer Idee von Objektivität/der stets subjektivistisch „Erfahrende“ und „Assoziierende“, der l’éternel amateur. Wie Sean richtig beschreibt, genau die Trennung zwischen dem Blick eines Künstlers auf Kunst und dem des Kritikers auf Kunst. Will der Künstler AUCH Zweiteres, muss die Beobachtung der Beobachtung ins Spiel kommen. Behauptung vllt. Folgende: ein Valéry-Type kann ein Proust-Type sein, aber ein Proust-Type kein Valéry-Type. Vorteil Valéry. Der narzisstische Knast der Gefühle.

    Neben mir, im Bett, eine von mir im Schlaf (?) zerdrückte Spinne. 09:35h.