GIROCOLLO
Wie schon in New York im Januar liegt der Unterschied, die Stadt zu erfahren (Rom) im eigenen Auftrag. Ich bin ja eben kein Tourist (Das können Sie sogar im Internet nachschauen). Und so bewegt man sich dann auch durch die Stadt, ohne unter dieser Knechtschaft des konventionellen Erlebens zu stehen. Und plötzlich öffnet sich diese Stadt in seiner Normalität, wobei es bei so einer Stadt wie Rom eher keine Normalität im Sinne einer Stabilität gibt, oder? Stabil ist wohl, dass immer irgendwas los ist, und dementsprechend gehandelt wird. Darüber spreche ich auch mit Olaf, den ich in Rom treffe, z.B: Wo sind die Obdachlosen, die Junkies? Die Frage ist, ob in diesem heiligen Jahr, in dem zum eh schon wahrscheinlich geisteskranken Rom-Tourismus nochmal ein Faktor dazu kommt, die Stadt nochmal besondere Massnahmen durchführt. Dass man, wie in anderen Hauptstädten der heiligen westlichen Demokratien und Verteidiger der demokratischen Ideen usw. einfach Leute in Busse packt und sie am Stadtrand ablädt.
An einer Ampel, gleich bei der Piazza Venezia, stehen drei Polizistinnen. Die eine ist ganz zart und klein und schlank, sie trägt eine Brille und hat eine sehr schöne Nase und ihr dunkles italienisches Haar ist zu einem Zopf gebunden unter ihrem Polizeihut. Obwohl sich ihr schlanker Körper auf fast niedliche Art fast verliert im generischen Schnitt ihrer Uniform, bin ich irgendwie ein bisschen verzaubert von ihr, subito, ich weiss nicht, warum, aber das ist ja auch Schwachsinn, sich zu fragen, warum. Warum warum – Warum schreibe ich denn „Obwohl“?
Ich finde sie cute und sexy zugleich, sie sieht einfach auch zu bookish aus, um eine Polizistin zu sein, und das gefällt mir sehr, und ich werde, ganz automatisch, entschieden, schaue zu ihr herüber, um zu schauen, ob sie vielleicht auch herüber schaut. Das tut sie auch zweimal, und ich glaube, ich sehen in ihren Augen, dass sie…ja, wie beschreibt man das? „Nicht dienstlich herübergeschaut hat“? Ich weiss es nicht, it’s all vibes.
Und dann gehe ich über die Strasse und erst jetzt kommt sie mir wieder in den Sinn, die süsse italienische Polizistin. Ich glaube, sie trug eine Pistole.
Tags darauf mit T. von der Villa Massimo zu einem Marmista, am Friedhof San Lorenzo. Der Geruch von mit Hochdruckreinigern abgespritztem Stein, in den kleinen Pfützen feinster weisser Schlamm, Marmorstaub, Kalkstein, Sandstein, in der halboffenen Werkstatt ein weisser Schleier auf allen Oberflächen und Geräten.