PUTTO CON DELFINO
„Ein Tag verstreicht.“ H.D. Thoreau, Tagebuch 1, 23. Januar 1841.
Dies sind—guarda!—die letzten Bilder der Zeit in Italien™: hinter dem Vorhang der Wohnung in der Via Por Santa Maria, da teilt sich das tableau vor mir dergestalt auf, dass dort eine schmale, hohe Gasse sich nach rechts hin windet, die Dächer und Flanken der historischen Häuser leicht schief, in braun und grau, und was da unten weiss leuchtet in der schmalen Gasse, das sind Menschen, Touristinnen, die in heller Leinenkleidung, in weissen und beigen Bermudashorts, von der Sonne angestrahlt, jetzt grade in diesem Moment wieder in die grosse, flache Geometrie einer Schattenfläche laufen, und hinten, ganz hinten, im Fluchtpunkt, liegt, selbst an so einem sonnigen Morgen, die UNWIDERSTEHLICHE Düsternis der Stadt.
Als der Anwalt und ich in Florenz eintreffen und beschliessen, direkt in die Giardini di Boboli zu gehen, auch, um die Zeit zu überbrücken bis wir in die gemietete Wohnung können, ziehen bereits tiefdunkle Wolken heran. Seit Wochen, fällt mir dann ein, hatte ich hier keinen Regen mehr gesehen. Donnerschläge, weiter hinten in der purpurnen Masse ferne Blitze. Die ersten Tropfen, als wir über den Kies der endlos langen Zypressenallee auf eine Anhöhe zugehen. Eine wahnsinnige Renaissance-Lushness, vom gedämpften Licht des schwer dunkel behangenen, florentinischen Himmels betont. Psycholighting. Nymphen, Gewänder, Sex, Grotten, Zitronen.
Und während es dann heftig und nicht nachgebend abregnet über den Gärten mit uns in ihnen, und wir uns für eine ganze Weile stillgelegt finden, von der Schwelle einer Herrentoilette aus hinaus in die Landschaft schauend, über die der dichte Regen einen weichen und kühlen Filter legt, ist das doch alles—ganz normal—von: großer, großer Schönheit.
Auf Armen und Beinen die langsam abklingenden Mückenstiche, die wir noch aus der stehenden Hitze des Steinhauses in Radda zuvor mitgebracht hatten. Die sahen jetzt wie AIDS-Läsionen aus, sehr präsent und an den Rändern blotchy, von in unsern Ländern noch ungekannten lautlosen Flugbestien zusammengestochen oder -gebissen.