• fr, 2.1.2026

    SYNTAGMA MUSICUM 2*26

    Der historische Aufmacher dieses Eintrags geht wie folgt:
    durch Schneefall, Regen und nachfliessende Wassermassen aus Nebenflüssen des Rheins erreichte bereits am 1. Januar 1926 die Flut in Köln mit knapp elf Metern ihren Höchststand. Fünf Tage überschwemmt waren nicht nur Altstadt und Rheinpromenade, sondern grosse Teile der Stadt nördlich der Severinsbrücke, die zu dieser Zeit noch nicht existierte.

    Am zweiten Tag—
    (jetzt, wo der Hyphen/Geviertstrich/Doppelgeviertstrich
    g e r a d e n o c h als signifier für von KI-verfasste Texte herhalten kann, bis diese Beobachtung von einer anderen Beobachtung abgelöst werden wird) rüttelt der Wind am Haus und er schleift die Wolken über den Asphalt.
    Mir kommt die Replika der Freiheitsstatue in den Sinn, die vor ein paar Wochen auf dem Parkplatz eines Megastores in Guaíba, Brasilien, von Handykameras dokumentiert, in einer dieser steroiden Naturlaunen einfach umgeknickt und profanisiert worden war, und den Blick freigab auf Die Goldene Möwe dahinter, die unberührt und gelb in ihrem benchmark UND trademark Flügelschlag verharrte.

    Der Corporate Consumerist Reality also ein neues Jahr abtrotzen. Sehr gerne doch!

    We are religious in our attachment to risk, Oh Lord.

  • fr, 26.12.2025

    VLAMINGSTRAAT 40-42

    Kaltes, klares Wasser—
    die Luft hier und heute, so schmeckt sie, gestern schon, und vorgestern bereits, in W’hoven. Atme sie ein, ich trink sie ganz.
    Atme sie ein und trinke sie, durstig, die Luft dieser Weihnachtstage, durchstochen nur von der Wintersonne und ihren Strahlen, ein Brennloch am Ende der Strasse, hoch oben, am Ende der Stadt, am Ende von allem, was dahinter noch liegt.
    Ich mache ein Foto von der Sonne. Es funktioniert natürlich so nicht. Das ist das nicht. Ich lösche es wieder. Die falsche Linse, sie lügt nicht gut genug.
    Ein Wort bietet sich an: Reassurance.

    Am 24., grade hatte ich das Petersilienwurzelpüree fertig und die roten Zwiebeln dem Schmoren in ihrem Schlammbad aus Rotwein und Butter überlassen, ging ich, nachdem ich instinktiv zur gelben Digital-Uhrzeit auf dem Backofen meiner Eltern rübergeschielt hatte, zum Rhein hinunter.
    Das Schwinden des Lichts abpassen, unten, an dieser „privatmythischen“ Kante zum Wasser, die ich beim Vornamen kenne, und wo die Strömung ihre hundert Sounds gleichzeitig abspielt.
    Und siehe da

    Da steht ein Reiher im Profil, als schwarzer, feiner Scherenschnitt am äussersten Rand eines schwarzen Ovals, eingelassen in eine verspiegelte Scheibe, von der ein türkisblauer Glanz ausging, ein fahler Zwilling des Himmels darüber.
    Ein anderer Schwarm war Sekunden vorher abgehoben und vor dem orangenen Band, das sich direkt über der Horizontlinie hinzog, in schwarzen Punkten zerstoben, bis diese im dunkelblauen und dunkelblauer werdenden Schmelz darüber, und noch höher, vollends verschwanden.

  • mi, 17.12.2025

    AUS DEN PRODUKTIVITÄTSLÜCKEN

    Nirgends ungeräumter, bröckelnder Schnee, grau und schwarz marmoriert von den Auspuffen der Busse, aufgeworfen und durchpflügt, the many states of water. Winter is a distant cousin.

    Die Zeit ist kein Fluss, aber Zimmer: aus den Zeitungen kommt die harte harte, kalte kalte Welt. Dort finde ich zumindest die Dunkelheit des Winters, der hier draussen ausbleibt.
    (Ich dachte eher an einen Charles M. Schulz-Winter.)
    Aber schon in 50 bis 100 Jahren auch nicht mehr, lese ich in einem Bericht über den Golfstrom, der auf dem Sterbebett liegt, dem grössten und flüssigsten der Welt.
    Der Winter wird kommen, das wird dort gesagt, für die Menschen DANN, und wie klar und frei von Ornament diese Sätze dort stehen in dem Text, IN TEXT, dieser so unendlich schönen abstrakten Form, schwarze kleine Striche und Punkte und ihre Winkel, komplizierte Bögen, die bezeichnen, was ist, was sein wird, erwachsen und urteilsfrei, und noch der ärmste Ficker auf Erden mag sich dieses Werkzeug selbst nehmen, Sätze zu bauen, die….

    Ok. Was noch? Pippo kam im Atelier vorbei, mir das nun gedruckte und gerahmte Foto zu bringen, das ich mir von ihm gewünscht hatte. Direkt von seinem Instagram Account her hatte ich es sanft gefordert. Danke, Pippo. Ich denke auch wieder oft ans Fotografieren, Mittelformat Dias, wie ich es im Studium gerne gemacht habe. Aussuchen, Zufälle bemerken, Aufbauen, Draufdrücken, Ist es was geworden? Ich weiss es nicht, Ich werds sehen, Wiederholung. Mich interessieren so viele Dinge. Das ist natürlich logisch und schön. Angesichts eines linearen Zeitverständnisses aber auch ein Problem.

    12:34h. Dieses Journal ist nun, unsichtbar und hinter den Kulissen, umgezogen. Neues Hosting, neue Disziplin fürs Journalschreiben. Wie einer, der von einer langen Reise in ein aufgeräumtes Haus zurückkehrt.
    Das erhofft sich, ganz herzlich, Ihr

    Roger Williams, Providence