ICH HEISSE JETZT ANDRÉ
Noch bevor das Jahr 2021 alius annus horribilis zu Ende ging – ein weiteres Jahr forcierter, existentieller Verlustreduktion, wie ich eben bei Andreas “Bye Bye Klassenbewusstsein” Reckwitz gelesen habe – hab ich mal wieder meine EC-Karte verloren. Für sowas verachte ich mich, will mir selbst in die Fresse hauen. Warum? Weil ich schon beim Versuch, den Verlust zu rekonstruieren, scheitere. Und die Karte ist eben weg. Diesmal fiel es mir sogar erst am nächsten Tag auf, weil ich meine Karte nicht benutzt habe, und man verlässt sich ja (merkwürdigerweise) darauf, dass diese Dinge einfach da sind, im Inventar, wenn man sie nicht benutzt. Dann natürlich die Nerverei mit der Sparkasse. Die Frau am Schalter meinte auch schon, da wir ja grade “zwischen den Jahren”…jaja, kann und wird es natürlich LÄNGER dauern. “Sicher”, dachte ich da, und auch “Allah stehe mir bei”. Aber Allah hatte anderes zu tun, und so wartete ich knapp zwei Wochen auf meine neue Karte, was ich, Entschuldigung, einen TICKEN zu lang empfinde, eingedenk aller und jeder Umstände und für einen Laden, der demnächst 9 Euro monatlich für die Bereitstellung eben jener EC-Karte verlangt (wer denkt sich diese Gebühren aus?), und um nicht an den zähen Verfall unseres kleinen, dafür aber durchaus gesund-überaffirmierten Landes zu denken, und war nun sozusagen vollends in Houellebecq-Stimmung angekommen. Ich glaube, ich muss nochmal nach Zürich kurz, zum Durchatmen. In der letzten Woche wurde ich wieder “André” genannt, gleich zweimal, das hatte ich echt ewig nicht mehr, und dann gleich doppelt. So läufts. Und ich will übrigens Gardinen-Tafeln aus Bestattungsfahrzeugen zu Skulpturen machen.