• Freitag, 24.12.2021

    AMITIÉS, JOAN DIDION, FIVE-GUYS BURGER, WEIHNACHTEN

    In den frühen Abend kam gestern die Meldung vom Tode Joan Didions. Wie sagt man: nothing but respect for her. Donnerstag, das war noch der Tag der kalten und scharfen Winde. Heute sind die 9 Grad eingezogen, ein uninteressanter Fremder. Fuck you. Gestern noch in der Stadt unterwegs gewesen, Besorgungen, es war eigentlich gut voll überall, und ich dachte kurz sowas wie: hier ist doch alles normal. In dem großen REWE an der Breite Strasse große Schlangen an der Kasse, aber ich passte einen guten Moment ab, also genau umgekehrt, wie es mir hier, bei meinem REWE, so oft passiert: da betrete ich einen fast leeren Laden und auf einmal stehen an der Kasse zweihundert Leute, verstehe ich nicht. Auf Instagram schrieb mir David Rimanelli, er habe sich grade ein kleines Büchlein von Zwirner gekauft, ein früher Aufsatz von Proust über Chardin und Rembrandt, und da wollte ich den dann auch haben, und ging zu Walther König, und siehe da: die Frau sagte, sie habe es “eben erst” eingegeben. SO geht doch der Zauber? Proust once told an Interviewer that style “is a quality of vision”. Seit ich neulich mit Friederike am Telefon über McDonald’s und Burger King sprach, sitzt mir dieser Burgerhunger wie ein Funkeln im Gehirnchen, Cheeseburger mit Bacon. Die rauchige Note des Specks, ein Minioratorium.

  • Donnerstag, 23.12.2021

    VORLETZTES TÜRCHEN

    Vielleicht schlecht, dass die Tage wieder länger werden. Nachts ist Schweigen. Die Sprache leidet. Mit das Dümmste und Vernichtendste an der Seuche ist das sich ständig spiegelnde und ineinanderdrehend perpetuierende Gelaber. Wir müssen sofort handeln, aber es ist zu spät. Es gibt Hoffnung, aber auch neue Symptome. Erneuter Lockdown hilft, aber eine große Gefahr bleibt. Wir sind in Welle 4, aber da ist auch schon Welle 5. Der Verlauf ist milder, aber die Ängste steigen. Im Sommer könnte es vorbei sein, aber es gibt beunruhigende Erkenntnisse. Der Tod punktet imagemässig: so flach und blöde kann das ewige Nichts ja wohl nicht sein, wie diese ganze Show hier. Hart, aber die Chronistenpflicht ist mein RKI. Ich möchte mal einen Satz für Erwachsene lesen: Es wird niemals enden. “Families drawing near” – sogar das Vince Guaraldi Trio wird zu Lügnern gemacht, at the gates of dawn.

  • Montag, 20.12.2021

    ADVENT MIT DEN NETANYAHUS

    Nach ich weiß nicht wann zuletzt: die Wecker-Funktion des Telefons benutzen, um über den Umweg des assistierten Aufwachens wieder das natürliche einzuüben. Jene Nervenzellen im Thalamus geschmeidig machen, die unsere täglichen Übergänge steuern. Sind diese also Holz, das man über Dampf verformt, oder bedarf es der heißesten Flamme, weil sie Metall…?

    Dasselbe Telefon, das mich mit einem Arpeggio in die Wachheit ruft, zeigt mir für später ein Sonnen-Symbol an. Uneingeschränkte Sonneneinstrahlung im Mittelsegment des Tages. Für den Heiligen Abend sind zum jetzigen Zeitpunkt vorausgesagt: 9 Grad und Regen. Im Wetter-Archiv ein Überblick der letzten Jahre über die Temperaturen am 24.12.. Zuletzt KALT, im Sinne von kalt, war es 2010: -1 Grad. Dann, 2012, beginnt eine kleine perverse Wärmephase, die bis 2015 anhält: 13, 14, 10 und 14 Grad. In den Jahren 2010 bis 2020 ist die Temperatur am 24.12. zweistellig: 7 Mal. In den Jahren 2000 bis 2010 ist die Temperatur am 24.12. zweistellig: 2 Mal.

    Malte der Österreicher Alfons Walde, 1891-1958, vielleicht zwingenderweise die besten Schneebilder? Was bedeutete hier die Leitidee von Paint what you see not what you know – as an Austrian? Büchlach und Wilder Kaiser bei Kitzbühel

    Ein anderer, der es wissen könnte: der Kanadier Alexander Young Jackson, First Snow, Algoma, 1919/1920