FLEMISH BOND
Neulich sagte mir Babyfather Pippo ein Treffen ab, mit der Begründung, das Baby sei “glibbrig”, sogar im “ganzen Gesicht”. Verständlich, einerseits, da abzusagen, andererseits der Glibber. Seit Tagen mache ich jetzt schon Nachforschungen eines ganz speziellen Effekts von Glibber im Gesicht wegen, bzw. ich betreibe Weiterbildung in Sachen Peinture. Velázquez interessiert mich deshalb, weil – ja, viele Gründe, zum einen, weil er natürlich Velázquez ist, und weil er seinen Stil irgendwann geändert hat, vom in seiner Ausbildung bei Pacheco erlernten Stile der sog. Sevilla Schule, der wiederum in der Hauptsache beeinflusst vom Stile der italienischen Meister des Frühbarock war, also vor allem Caravaggio, hin zu einer im Prinzip vorimpressionistischen Malerei (200 Jahre vorher) des AllaPrima, also der Malerei, die in einer Sitzung entsteht, ohne Lasierungen und demnach ohne langwierige Trocknungszeiten einzelner Malschichten, wie es etwa die flämischen Meister, Stichwort Vermeer, auf das wahrscheinlich real höchste Level brachten. Warum änderte Velázquez seinen “approach”? Da müsste ich wahrscheinlich mal in diesem Buch, Johnathan Brown – The Technique of Genius, nachschauen, aber das habe ich leider nicht.
In der AllaPrima-Malerei ist die Ölfarbe noch mehr eine in Gleich- und Echtzeitigkeit zu verwaltende Materie, die man hin und herschiebt, manövriert und bewegt, mit Körperhaftigkeit und Viskositäten, dabei immer offen, also nass und bearbeitbar, somit auch verlockend und opportun. Man könnte alles immer jederzeit wieder komplett ändern, im Gegensatz zu bereits getrockneten Schichten, die sehr konkret auf ein imaginiertes Endziel hindeuten und einem direkt ins Auge hinein WESEN. Fragestellungen der Normalerei.