• Samstag, 18.12.2021

    “SNOWMAN”, ALKYD ON CANVAS

    Der spezifische und unheimliche Leistungsdruck beim Einpacken der Waren an der Kasse beim Supermarkt, wenn bereits die Ware des nachfolgenden Kunden in meine Waren hineinkullert, mahnend, und die Kassiererin so kurz zögert mit dem die Ware über den Codescanner-ziehen, und den Blick ins Unendliche richtet, um mich wortlos zu demütigen weil ich Hurensohn nicht nachkomme mit dem Einpacken. Mängelreport Deutsche Sprache: warum haben wir, hat das DEUTSCHE, kein Wort d a f ü r? Könnte ich dies Wort besitzen, wie Kapoor das Vantablack?

    Lange telefoniert mit Marc. Er weist mich auf den neuen Brad Phillips-Text auf der Muumuu Webseite hin. Lese die erste Hälfte nach dem Telefonat, den Rest später, nachts, bevor ich das Licht ausmachte. Menschen können sterben. Manchmal vergisst man das. Every night someone dies at Miyagi’s.

  • Dienstag, 14.12.2021

    HEAVILY FACTIONALIZED

    Merkwürdig dünnhäutig eben, als ich mich vom Menschengestank eines vor mir in der Dunkelheit laufenden Obdachlosen regelrecht bedrängt und angegangen fühlte, von diesem kalten, stinkenden Lehm, der in Wirklichkeit Schweiß und Talg ist, mit all ihren Zyklen in die Textilien des Mannes imprägniert. Ich musste einmal einfach stehenbleiben und warten, weil mich der Gestank in Intervallen und Rhythmen heimsuchte, ich wurde richtig wütend. Albern.

    It was from Sleep
    That wakefulness emerged

  • Freitag, 10.12.2021

    FLEMISH BOND

    Neulich sagte mir Babyfather Pippo ein Treffen ab, mit der Begründung, das Baby sei “glibbrig”, sogar im “ganzen Gesicht”. Verständlich, einerseits, da abzusagen, andererseits der Glibber. Seit Tagen mache ich jetzt schon Nachforschungen eines ganz speziellen Effekts von Glibber im Gesicht wegen, bzw. ich betreibe Weiterbildung in Sachen Peinture. Velázquez interessiert mich deshalb, weil – ja, viele Gründe, zum einen, weil er natürlich Velázquez ist, und weil er seinen Stil irgendwann geändert hat, vom in seiner Ausbildung bei Pacheco erlernten Stile der sog. Sevilla Schule, der wiederum in der Hauptsache beeinflusst vom Stile der italienischen Meister des Frühbarock war, also vor allem Caravaggio, hin zu einer im Prinzip vorimpressionistischen Malerei (200 Jahre vorher) des AllaPrima, also der Malerei, die in einer Sitzung entsteht, ohne Lasierungen und demnach ohne langwierige Trocknungszeiten einzelner Malschichten, wie es etwa die flämischen Meister, Stichwort Vermeer, auf das wahrscheinlich real höchste Level brachten. Warum änderte Velázquez seinen “approach”? Da müsste ich wahrscheinlich mal in diesem Buch, Johnathan Brown – The Technique of Genius, nachschauen, aber das habe ich leider nicht.

    In der AllaPrima-Malerei ist die Ölfarbe noch mehr eine in Gleich- und Echtzeitigkeit zu verwaltende Materie, die man hin und herschiebt, manövriert und bewegt, mit Körperhaftigkeit und Viskositäten, dabei immer offen, also nass und bearbeitbar, somit auch verlockend und opportun. Man könnte alles immer jederzeit wieder komplett ändern, im Gegensatz zu bereits getrockneten Schichten, die sehr konkret auf ein imaginiertes Endziel hindeuten und einem direkt ins Auge hinein WESEN. Fragestellungen der Normalerei.