SONNE FÄLLT INS SONDIERUNGSHAUPTQUARTIER
Der zweite Oktobertag – er lag zunächst grau und kalt da, füllte sich dann, die Stunden waren schuld, wie ein Babyfläschchen mit Licht und Wärme. Standbild: Hochzeitsgesellschaft vor Gebraucht-Fahrradmarkt, 2021, Öl und Küsschen auf Leinwand, 280,5 x 307 cm, Provenienz: The private collection of Ms Sahra Wagenknecht
Oktobertag drei, Tag der Einheit, aber ich habe keine Lust auf Deutschland, ich schüttle ihm (ihr?) nicht die Hand, es hat ein bisschen Kot an den Händen, das seh’ ich.
Liege nun also hier, schwer verwundet, Krieg – nein, leicht erkältet, den Halsschmerz hatte ich gestern einfach wegtelefoniert mit meiner Ärztin, Frau Dr. Bismarck, schwer gelehrt, sie praktiziert durchs Telefon auch am Samstag, power and healing. Danach war ich voller Demut.
Viele sagen ja, sie missen das Telefonieren, das echte Echtzeittelefonieren, der eine da, der andere da, live, ÜBERHAUPT NICHT. Mag sein, ich glaube aber: das ist falsch. Die echte Echtzeitsprecherei, miteinander, wieder sanft zu erlernen, neu zu lernen, mindestens aber: zu ertragen, das ist ein guter Auftrag, den wir vom Volk, nach der Wahl, erhalten haben. Verständlich: Technik sendet Anreize und Möglichkeiten für die zeitverschobene Kommunikation, die Illusion eines arbeits- und somit auch seinsverstärkten Tages, in dem die Unterbrechung durch äußere Einflüsse minimiert ist, vor allem von unvorhersehbarer Privaterei. I get it. Aber Telefonieren ist eine Tätigkeit, kann sogar ein Ereignis sein, und man hört die Stimme eines anderen Menschen, belebt, rhythmisch, zart oder vehement. Zeit als fühlbare Tatsache hat eine seltsam schlechte Lobby, besonders dort, wo eine diffuse Idee von PRODUKTION von bloßem Tun zu Daseinsgrund befördert wird.
Beim nächsten Ton ist es 09:52h. Katholisch das Geläut.