Freitag, 01.10.2021
SCHMERZ-CHINOISERIE
Im Mittagshimmel waren Chemtrails wie weißes Puder auf blauen, polierten Stahl gestäubt. Jetzt kratzt der Hals noch mehr als gestern Abend, und mit dem ablaufenden Badewasser habe ich eben auch etwas Energie aus mir verschwinden gespürt, und sah sie sich ins schwarze Loch drehen, gone til hoffentlich nicht November. Billy Pilgrim ist ja noch da.
Von Slaughterhouse 5 in diese Idee der ewigen Parallelität der Zeit (“Tralfamadore” usw.) wie eingetunkt, fiel mir gestern diese merkwürdige Ordnung auf: nicht unweit des zu diesem Zeitpunkt schon viele Jahre verdampften Bürokomplexes World Trade Center, wurden vor fast zehn Jahren im Namen von Occupy Wall Street die Zeltlager aufgeschlagen. Zwanzig Jahre nach dem elften September/Elfter September™ sind die Taliban reinstalliert in Kabul. Ein Jahr nachdem eine große Philip Guston-Retrospektive in den USA abgesagt wurde, mit der Begründung, man könne diese ambivalenten Bilder keinem erwachsenen Museumsbesucher zumuten, findet eine große Galerie-Ausstellung bei Hauser & Wirth, New York statt. Durch große Fensterfronten kann man die Klan-Figuren sehen, auf Hintergründen aus Rosatönen und Blaus, lebensecht geschmiert. Seltsame Lineale ziehen seltsame Linien.
Seit Clemens Setz den Büchner-Preis bekommen hat, will ich ihn eigentlich auch.