BIER IN THE OLD CROW
Grade aus Zürcher Nacht nach “Hause”, ins Hotel. Ich verabschiedete mich von Henri unter den Lichtern von UBS und Credit Suisse am Paradeplatz, und Henri beschrieb mir den Weg, und ich ging diesen Weg, und da sah ich auch schon die Quaibrücke, und auf der anderen Seite das Gebäude mit der Leuchtschrift NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, blassweiss glühend in Schweizer Nacht. Timecode hatte dieses und andere Großlichter der Stadt angeschaltet, mir, ein bisschen zumindest, den Weg zu weisen. Ich verlief mich dennoch. Ich rauchte drei Zigaretten und ging noch etwas, bis mir klar wurde, ich erkenne es nicht wieder, wie war nochmal der Weg. Es war wie mit dem PIN für die Bankkarte: sobald man anfängt darüber nachzudenken, ganz gezielt sich daran zu erinnern, verfranste es mir noch im Denken. Alles wurde FAST, so ungefähr, aber nicht: der Weg. Eine unsichtbare Schwelle war überschritten, und auf einmal erschien mir der Abschnitt der Straße fremd, hier war ich doch niemals? Ich ging in eine italienische Bar, gab mich als verlaufen aus, und dort war ein junger Mann superfreundlich und zeichnete mir den Weg, mein Handy war tot, leer, auf einen kleinen Zettel. Er hatte aber das falsche Hotel eingegeben, der von ihm aufgezeichnete Weg schien mir viel länger als der, den mein Hirn mir in seiner diffusen Art selbst sendete. Ich kenne den Weg zwar nicht, aber das, das ist er nicht. Ich durfte also selbst den Namen des Hotels eingeben, auf seinem Handy, was ich merkwürdig intim fand, das Handy eines Fremden in der Hand zu halten. Dann fand ich aber den Weg, ich war natürlich lächerlich nahe schon, drei Minuten war ich entfernt. Es war Zwingli selbst, der mir den Weg wies, aus fernster Ferne wirkte er, und ich, ich liege hier und jetzt in geschmeidigen Daunen und notiere das hier. Im Fernsehen erscheint das Gesicht von Ursula von der Leyen. Gute Nacht.