• Donnerstag, 23.09.2021

    THE EMERGING ARTISTRY OF HUNTER BIDEN

    Ein halbes Dutzend Zollbeamte vor einer Netto-Filiale, Männer und Frauen, breitbeinig, bereitbeinig, die Arme in die Hüften gestemmt, ready to go, die Körper und die Anspannung schon zur nun gleich folgenden Action hingeneigt – wie leicht kursiv liegen die Körper da im scharfen Morgenlicht eines freundlichen Septembersonnenmorgens, einige kneifen die Augen zu. Im Vorbeifahren beobachtet, kurz nach halb elf Uhr morgens, vormittags, korrigiert unhörbar eine protestantische Stimme. Die Stimme des Deutsche Bahn Mitarbeiters, die aus den Lautsprechern klein und boxartig kommt, sagt, daß es zwar “natürlich” warme und kalte Getränke gebe, aber, “leider” sei die Küche “defekt”, und man bitte, klar, um Entschuldigung. Ich hole mir sofort einen Kaffee und ein in Folie eingepacktes sog. Maxi Buttercroissant der Firma Hack, Gesamtgewicht 65 Gramm. In einer silbernen Schale liegen noch weitere Maxi Buttercroissants, und ich denke an die Ansage von eben, defekte Küche und alles, und dann, daß diese Croissants im Laufe der Fahrt wahrscheinlich noch im Wert steigen werden, zum Schluß an den Höchstbietenden. Links jetzt das Tal der Wupper. Es ist 11:21 Uhr. Ein junger Typ macht sich ein Bitburger auf, ich kann von hier sehen, daß die Flasche feucht vor Kälte ist.

    The smart toilet era is here! Are you ready to share your analprint with big tech?

    Eben angekommen in P.’s Wohnung. Ich leere die Aschenbecher, aber den einen lasse ich. Vielleicht liegen da noch sentimentale Gefühle an einen vergangenen Abend im Anblick, für P..

  • Sonntag, 19.09.2021

    1¢ LIFE

    Beim Auflegen: den Leuten, vielen, einigen, manchen, jedenfalls genug, dass es AUFFÄLLT, ist eine Konsumentenhaltung in ihren ganzen Apparat eingesickert. Produkte überall. Und wo keins ist, da wird eins draus. Strahlenschäden vom Planeten Capitalist Freedom. Schon nach einer Viertelstunde stehen irgendwelche Nasen vor einem und “wünschen” sich was. Echt prall und unangenehm, für die vor allem, aber die merkens natürlich nicht, glotzen einen durch diese Peinlichkeit hindurch an. Sie meinen es nicht böse, sicher, aber Nicht-Intention kann einen nicht immer bewahren, schließlich ist auch Fahrlässigkeit justiziabel. Runterdegradiert in die neue Dienstleistungskette der Kulturindustrie sein Vater. Dadurch wird man wahrscheinlich so ein bisschen härter, nach außen hin. Ich gucke diesen Leuten zum Teil schon gar nicht mehr in die Augen, wenn sie mit mir reden wollen. Das tut mir leid, weil ich eigentlich kein Zerstörer bin, aber es gibt hier ein paar Dinge zu schützen. Macht nur weiter so, ich kann es ja eh nicht ändern, aber warnen kann und muss ich vor diesem Faschismus schon, oder nich? Die Kulisse jedenfalls stimmte: der neue Boden dort sieht aus wie gefrorener Bubbletea.

    Einmal kam eine Julia, Ende 20, die wir aber Stefanie nannten, Steffi, bevor wir wussten, dass sie Julia hieß, denn irgendwie muss man doch einen Namen haben, um adressiert zu werden, und “Steffi aus Nippes” nahm es uns nicht krumm, zeigte sogar ihre Zähnchen beim Lächeln, sie war also mindestens game, während B. auf sie einredete und auf Steffis Wunsch hin, ob wir was für ihre Freundin – klar, die hatte Geburtstag. Immer irgendeine Freundin mit dabei, die Geburtstag hat – spielen könnten, er sie süß und lächelnd fragte: aber warum? Haha. Wenn Steffi fand, wir waren Vollidioten, hat sie es uns nicht spüren lassen.

    “Daheim ist alles ich. Das macht einen hier so fertig.”

  • Samstag, 18.09.2021

    Jetzt erst, 12:37h, hat der ZigarettenundBier-Kopfschmerz so nachgelassen, und sich dieses viszerale Gefühl eines unheilvollen Schwappens von Körpersäften beruhigt, daß ich aufstehen und in die Welt treten kann. Der Hangover ist ein Phantommond, der die Körperwasser der Menschen zu sich heranzieht, und zum Vorschein kommen Dinge, die sich im Schlick verfangen. Aber ich muss mir erstmal einen Espresso holen. Bericht wird fortgeführt, ganz sicher. Vielleicht.