WE HAVE TO TALK ABOUT KEVIN, DRAMA, DEUTSCHLAND 2021, 129 Min.
Nur noch zehn Tage, dann ist Zwanzig Jahre Elfter September. Wichtiger als alle Album drop events von Kanye zusammen. Where were you that day? Kevin Kühnert ist mein Kanye. Manchmal zumindest. Seine aggressive Genervtheit ist super sympathisch, mindestens angemessen, wenn nicht die einzig zulässige Reaktion, seit Jahren eigentlich schon, aber in Deutschland, man weiß es, ist man etwas l a n g s a m e r. Wenn die SPD nicht auf die Art die SPD wäre, wie die SPD nunmal jetzt und heute die SPD ist, also mit dieser merkwürdigen hundertjährigen Elephantiasis, dieser monströsen Saturiertheit, aus der heraus sich irgendwie schon von selbst, muscle memory mässig, ein höherer Sinn volkswärts (gottogott) entwickeln, Realpolitik einfach ausgeschieden wird, als natürliche Folge der Körperlogik des Organismus SPD, dann könnte man die SPD, heute, fast wieder ernst nehmen, aber so, natürlich, nicht. Wie ich schonmal hier erwähnte: wem beim Anblick von Olaf Scholz nicht eine die ganze Existenz beschattende Traurigkeit heimsucht, der muss zu einem Arzt. Am besten ein Arzt, der noch keinen eigenen Podcast hat. “Laschet verhindern”, das sagen einige Freunde und Bekannte zu mir, wenn, ganz kurz, über die “Politik” (Plotin) losgelabert wird, und, ganz ehrlich, Ernüchterung vibriert in meinen Knochen los, körpergelagerte Bongos aus der Hölle, zerbongoen das Denken, den zarten Glauben an – – – die Ziele sind klein und schäbig und aus sich selbst heraus verlegt (”Scholz weniger schlimm als Laschet” als Prinzip), und ich muss ehrlich sagen: schäme mich bisschen, schäbig und rastplatzartig fühle ich mich. Dafür fallen mir am Tag im Dutzend Top-Gags ein, die ich freilich nicht preisgebe, denn siehe ohnehin schon: “dem Bundestag fehlen die Perspektiven prekär Beschäftigter”.
Das ganze Aufgepumpe der SPD scheinbar übrigens im selben Maße, wie die LINKE vollkommen fasziniert und leicht masochistisch auf sich selbst und die eigene Deformation blickt, als sei man das Baby aus Eraserhead. Die LINKE strahlt es so dermaßen aus, daß sie selbst nicht wissen, was sie sein wollen oder darstellen wollen, daß sie mir wie die letzten Telefonzellen vorkommen, the last phone booths in the cellphone age.