• Montag, 30.08.2021

    Die Götter Griechenlands, sie formten den Himmel heute vielgesichtig trüb und nass und heavy. Wegen “Scratch” Perry? Aber schön, jetzt grad, finde ich. Die Unschärfen hingemalt (wie bei Vermeerjan), nicht verwischt (wie bei Richtergerhard), metallisch und matt die Oberseite der Blätter, die wie betäubt im Wind schwanken, ultralangsam. Die anderen Blumen und Sträucher, die ich hier aus dem Fenster sehe, harren ganz ruhig unter diesem nassen und grauen Dunstgewölbe, und blickt man tief und lange genug hinein, sieht man die Hallfahne eines Basic Channel Stücks flirren. We are The Upsetters.

  • Donnerstag, 26.08.2021

    CHICKEN

    “… darum hat adidas running fünf Millionen Gitterstrukturen untersucht, um das e i n e Design zu finden, das die Welt der Zwischensohle für immer verändern wird…”

    Dietmar Darth-Vader hat doch diesen Roman, in dem Kunst vorbei ist. Vielleicht ist die deutsche Sprache auch bald vorbei: es geht nicht mehr. So als ganz natürliche Entwicklung. Was die Welt des Jahres 2037, zum Beispiel, was die Gesellschaft des Jahres 2037 will, das kann man in der deutschen Zunge nicht mehr präzisieren. Vereinzelt nur und selten, wie steinerne Windmühlen in der Flachheit der Niederlande, findet man hie und da noch eine Wendung aus der “alten Zeit”, “Gitterstrukturen”, “Zwischensohlen”, “migrantische Erfahrung”, oder “Pflaumenkuchen”. Und ich? Tiefer noch, tiefer denn je, dringe ich in die zauberhafte Welt HEGELS ein, und finde dort, was man bei Hegel eben findet: Power and Healing. Was machen wohl meine Freunde im SOHO-House Kabul grade? Nein, mit Hegel, das fang ich nicht mehr an in meinem Leben. Was aber anfängt, ist, dass die Nächte jetzt früher kommen, es dunkelt merklich früher, und auch im Licht findet eine Art Schichtwechsel statt, Gelbanteile im Blau verändern sich, Blauanteile im Grau wie eigentlich alles bei adidas running: im stetigen Wandel.

    Phips sagt am Telefon, in der wiedereröffneten Neuen Nationalgalerie hängt Alexander Calder, aber es seien “so Wände” hochgezogen worden, damit die High Art Mobilées deutbare Schatten an eben jene werfen können. Ich glaub, nächsten Monat guck ich mir das selber mal an. Ich kann mich immer nur erinnern, vor der Baustelle der Neuen Nationalgalerie zu stehen, und es sah wie eine verlassene Filiale von Matratzen Concord aus. Während wir so telefonierten, dachte ich: komisch eigentlich, dass die Tonqualität von Handy-Telefonie so ausserordentlich schlecht ist, geisteskrank schlecht.

    Die Hühner sind angekommen. Anbei ein iPhone-Video, das beweist: die Hühner sind angekommen.

    Noch nie haben mich die Wahlplakate so TRAURIG gemacht, wie bei dieser Wahl.

    Bret Easton Ellis interviewt, nein, spricht mit Douglas Coupland. Coupland wirkt unglaublich alt. Ist er doch auch, oder? Nein, eben nicht, Ellis ist nur drei Jahre jünger, aber der Unterschied ist hart, wie das so rüber kommt.

  • Donnerstag, 19.08.2021

    ENTERTAINMENT ERASES HISTORY

    Die Welt als Wille
    und
    Abendvorstellung des Films
    Mondo Cane

    Höre ein Interview mit Hanna Engelmeier, ihres neuen Buches wegen, “Trost – Vier Übungen” (Matthes & Seitz). So wie ich es verstehe, beschreibt sie den Trost  – Trost als ein Effekt (guter) Literatur, der ins Bewusstsein des Lesers wirkungsvoll einzugreifen fähig sei – als etwas, das gemeinhin im eher akademischen Zusammenhang als etwas leicht Ekliges empfunden wird, eine subjektive Schweinerei, Kriterien schwierig, verdächtige Kitschnähe (speaking of: ohne große Sammelabsicht, glaube ich, häufe ich doch Definitionen von “Kitsch” an. Brian Eno zB, ganz der Engländer, baut naturally den Klassenaspekt mit ein: “Kitsch is a way that posh people admit to themselves that they like things that ordinary people like.”) Freilich nicht das Gefühl als solches, aber als Phänomen zur wissenschaftlichen Beobachtung. Ich muss an meinen Freund Phips denken, den Emotions- und Langeweileforscher (Affekte, Verwandtes (und bayerische Küche)) und nunmehr auch Ästhetiklehrer, und da ich hier vor ein paar Tagen noch über den medial aufbereiteten Großaffekt wegen Afghanistan, ich war selbst leicht von Affekten des Ekels agitiert, hier mich bisschen abladen musste, finde ich es jetzt schön, vom Trost zu hören, denn ich hab es erst die letzte Woche über selbst wieder erfahren, beim Lesen von Donna Tartt’s “Die Geheime Geschichte”. Aber war dieser Trost ein Einzelgefühl, welches sich klar abformt und in seiner Klarheit wahrzunehmen war, oder war Trost nur eines von vielen, eines auf einem Spektrum von Signalen, das sich öffnet und auffächert, wenn man den Zufall erzwungen hat, es mit guter, sehr guter Kunst zu tun zu haben? Weiter bin ich noch nicht vorgedrungen, ich komme grade erst aus der Museumsbibliothek, wo ich weniger vorbestellte Cady Noland Lektüre vorfand, als erhofft, und so fand ich dort deutlich weniger Trost, als bei Donna Tartt.