SO SCHRIEB ER ZUM BEISPIEL, DAS SCHÖNSTE IM LEBEN SEIEN “WEIBER UND ROSEN”
Kühler jetzt, macht aber GAR NICHTS. Sonntagabend, Zwanzig Uhr, war man auch nicht schlauer ob der ganzen roten und schwarzen und gelben und grünen Bälkchen, die nach oben ploppten. Manche ploppten mehr, manche weniger als sonst. Aufregend. Es fielen Worte und Classics wie: Auftrag erhalten, ernst nehmen, Deutschland, Zusammenarbeit, Zukunft, oder auch, direkter: “mit Olaf Scholz als nächsten Bundeskanzler”, so, in a crazy und goofy mood: Olaf Scholz höchstselbst. Hinter ihm zwirbelte die Willy Brandt-Skulptur von Rainer “Petting statt Fetting” Fetting hoch in die nach oben offene Luft des Willy-Brandt-Hauses in Berlin-Kreuzberg. Bei den Grünen kam Frau Baerbock aufs Podium, daneben stand Robert Habeck, der aussah wie ein Sport- und Lateinlehrer, von dem man auf der sechzehnstündigen Busfahrt nach Siena merkt, daß er doch nicht so lässig ist wie er immer tut. Überall wurde viel geklatscht, um die Sprachlosigkeit zu überwinden. Später, unsichtbar für uns und die Kameras, wurden in diesen Gesellschaften noch Micropraktiken der Rache aufgeführt, die Siege und Niederlagen ganz natürlich mit sich bringen. Kaum wahrnehmbar, fast inkognito, zeigt sich die Rache gern unter vielen Namen.
Viel schöner waren die Begegnungen am Wochenende, Samstag in der Berlinischen Galerie und danach, in den Stunden wo einer das große Licht runterdimmt, zwischen Oranienstrasse und Kottbusser Tor. Sonntagmittag durch Wahl-Deutschland laufen bei schönem Wetter, gestern im Cafe Einstein und zu Fuß durch nahezu halb Berlin, obwohl es nur ein Achtel Berlin war, wahrscheinlich. Ich hatte das Gefühl, neue Leute kennengelernt zu haben, und auch wieder nicht.
Die Rosen von P. hab ich zwei Mal gegossen.