• Dienstag, 10.08.2021

    BOYS OF HETEROLOG SUMMER

    Eine Minute war ich unterwegs, zu Fuß, mit Einkaufstasche, darin mein Impfpass, mein Notizbuch und 571 Seiten Donna Tartt, in Richtung Zweite Impfung, da hämmerte der Regen in fettesten Tropfen los, auf mich, auf die sodann absaufenden Bürgersteige, auf Gottes grünende Büsche und Bäume, alles. Beim Arzt angekommen, es waren 5 Minuten Fußweg, war meine Hose aufwärts bis zur Hälfte meiner Oberschenkel durchnässt, meine Schuhe, meine Socken, was ist denn hier los. Der Regenschirm, obwohl gut im Durchmesser, hielt nur 50% meiner Erscheinung trocken. Mit den Beinen also wie in riesigen Feuchtwickeln, betrat ich die Praxis im Souterrain. Mit durchnässten Socken in durchnässten Schuhen herumschmatzend, finde ich ziemlich unangenehm. Sogar einige Schmerz-Varianten würde ich diesem Gefühl vorziehen. It’s the psychology, stupid.

    Neulich fand ich heraus, dass Wetterfühligkeit ein europäisches Phänomen ist, zumindest ein nicht-amerikanisches. Ein amerikanischer Schauspieler, der für einige Wochen in Osteuropa zu drehen hatte, berichtete in einem Interview, ihm seien diverse Osteuropäer begegnet, die körperliche Wechselzustände mit aufkommenden Winden, wechselnder Bewölkung und dergleichen nahezu emphatisch begründeten. Sie sprachen darüber, als gäben sie Altvorderenwissen preis, über Jahrhunderte tief in die Rillen der ansässigen Menschen eingraviert. Der Amerikaner verstand erst garnicht, was gemeint war. In den darauffolgenden Tagen sei er dann mit dieser neuen Aufmerksamkeit durch die Dreharbeiten gegangen, und fand eben noch wache Männer bei aufziehenden, dunklen Wolkenmassiven und den dazugehörenden Winden auf einmal gegen Wände gelehnt dösend wieder. Er sah, dass es für diese Menschen zutraf, er selbst aber, meinte: “I don’t know, it’s just not a thing in the States.”

  • Samstag, 07.08.2021

    IN DER HITZE TOKIOS

    Gestern, zum SPÄTEN NACHMITTAGE draußen mit Olaf, Kaffeetrinken, catching up, da, wo wir neulich noch, beim Aufgelege im Büdchen, nicht mehr weiterreden konnten. Eigentlich wollte er mir erzählen, wieso er wieder den Soul für sich entdeckt hat, wie das kam, nach all den Jahren, dass ihn das wieder so, ja, beseelte, ansprach, denn da am Büdchen hatte er mir stattdessen erzählt, wie diese kleinen Vögel vor seinem Fenster ihn in ihren Bann geschlagen hatten, und er da, Olaf, als Rosinenspender sich ebenfalls in die Miniherzchen der Minivögel reingefüttert hatte, und wir lachten beide ein bisschen, nicht höhnisch, sondern erfreut, wie doch so eine Isolationsphase den Blick auf alles LEBENDE vielleicht ein bisschen verschoben….sowas. Nicht immer zum Guten hin, auch klar (Stichwort Mitmensch). Die Vögel wurden etwas dicki, proper, und drehten ihre Gesichter jetzt täglich in seine Richtung, mit Forderungen nach mehr in den kleinen schwarzen Augen.

    Da sah ich mich auch bestätigt in der Idee zu der Ornamental Hermit-Reihe,
    zu diesen kleinen Textbildern, die ich seit, wie lange, 15 Monaten?,
    mache, da sich bei mir diese Berichte ansammeln, von allerlei Leuten,
    daß sich unweigerlich eine Schmuckeremit-artige Daseins- und
    Gedankenwelt aufbaut, mindestens aber eine Art Modus. Wie geht’s weiter mit uns?

    Gestern aber – da ging es um die Neubewertung, um ein von mir aus: analytisches Update, welche Menschen, in ihren scheinbar Charakter gewordenen Maschen und mit ihren lasch ausformulierten Lebensläufen einem ÜBER sind, die einen, und wahrscheinlich auch sich selbst, nicht mehr überraschen können, weil sie so traurige Automaten geworden sind (pandemic edition). Bekanntschaft, Freundschaft, das sind doch Spektren, die, obwohl man denselben Begriff benutzt, so viele verschiedene Dinge und Zustände sein, beschreiben können. Jetzt scheint tatsächlich kurz die Sonne, die verlogene Schlange.

  • Freitag, 06.08.2021

    LIQUID DEATH MOUNTAIN WATER

    Müdigkeit, mein Kanzlerkandidat. Legte mich um halb Zehn ins Bett, das Licht verschwand draußen sichtbar und merklich in edelstem Blaugrau, und dann dacht ich, ich bleib einfach liegen. Ich blieb, schlief ein, wachte auf, schwitzte, weil ich beim Bett neu beziehen das dicke Plummeau (Rheinland) wieder “reingetan”, wieder “draufgemacht” (?) hatte, schlief wieder, schwitzte wieder, im Halbschlaf nahm ich ein Handtuch und trocknete mich, zog etwas an oder aus, keine Ahnung, träumte etwas Wirres, wobei die Essenz war: eine strenge Instanz überwacht mein Tun, ich habe Angst vor dieser Instanz, und diese Angst oder Bedrohung ist das HAUPTTHEMA dieses Traums, toll, ganz toll, Danke Traum!, schlief wieder ein, und spürte ganz deutlich, wie dieser feine Schweiß die trennende Schicht war zwischen mir, dem Traum, dem kühlen Wind, der durchs gekippte Fenster kam, und überhaupt allem anderem.

    Pfirsich, du bist schön und geil, ich habe dich vernachlässigt viele Jahre, das tut mir leid, ich sag Sorry. Jetzt muss ich aber weiter, für die Grünen™ ein paar Ausländermänner aus Fotos rausschneiden wegen Feminismus 2021. LieGrü