Sonntag, 19.09.2021
1¢ LIFE
Beim Auflegen: den Leuten, vielen, einigen, manchen, jedenfalls genug, dass es AUFFÄLLT, ist eine Konsumentenhaltung in ihren ganzen Apparat eingesickert. Produkte überall. Und wo keins ist, da wird eins draus. Strahlenschäden vom Planeten Capitalist Freedom. Schon nach einer Viertelstunde stehen irgendwelche Nasen vor einem und “wünschen” sich was. Echt prall und unangenehm, für die vor allem, aber die merkens natürlich nicht, glotzen einen durch diese Peinlichkeit hindurch an. Sie meinen es nicht böse, sicher, aber Nicht-Intention kann einen nicht immer bewahren, schließlich ist auch Fahrlässigkeit justiziabel. Runterdegradiert in die neue Dienstleistungskette der Kulturindustrie sein Vater. Dadurch wird man wahrscheinlich so ein bisschen härter, nach außen hin. Ich gucke diesen Leuten zum Teil schon gar nicht mehr in die Augen, wenn sie mit mir reden wollen. Das tut mir leid, weil ich eigentlich kein Zerstörer bin, aber es gibt hier ein paar Dinge zu schützen. Macht nur weiter so, ich kann es ja eh nicht ändern, aber warnen kann und muss ich vor diesem Faschismus schon, oder nich? Die Kulisse jedenfalls stimmte: der neue Boden dort sieht aus wie gefrorener Bubbletea.
Einmal kam eine Julia, Ende 20, die wir aber Stefanie nannten, Steffi, bevor wir wussten, dass sie Julia hieß, denn irgendwie muss man doch einen Namen haben, um adressiert zu werden, und “Steffi aus Nippes” nahm es uns nicht krumm, zeigte sogar ihre Zähnchen beim Lächeln, sie war also mindestens game, während B. auf sie einredete und auf Steffis Wunsch hin, ob wir was für ihre Freundin – klar, die hatte Geburtstag. Immer irgendeine Freundin mit dabei, die Geburtstag hat – spielen könnten, er sie süß und lächelnd fragte: aber warum? Haha. Wenn Steffi fand, wir waren Vollidioten, hat sie es uns nicht spüren lassen.
“Daheim ist alles ich. Das macht einen hier so fertig.”