IN DER HITZE TOKIOS
Gestern, zum SPÄTEN NACHMITTAGE draußen mit Olaf, Kaffeetrinken, catching up, da, wo wir neulich noch, beim Aufgelege im Büdchen, nicht mehr weiterreden konnten. Eigentlich wollte er mir erzählen, wieso er wieder den Soul für sich entdeckt hat, wie das kam, nach all den Jahren, dass ihn das wieder so, ja, beseelte, ansprach, denn da am Büdchen hatte er mir stattdessen erzählt, wie diese kleinen Vögel vor seinem Fenster ihn in ihren Bann geschlagen hatten, und er da, Olaf, als Rosinenspender sich ebenfalls in die Miniherzchen der Minivögel reingefüttert hatte, und wir lachten beide ein bisschen, nicht höhnisch, sondern erfreut, wie doch so eine Isolationsphase den Blick auf alles LEBENDE vielleicht ein bisschen verschoben….sowas. Nicht immer zum Guten hin, auch klar (Stichwort Mitmensch). Die Vögel wurden etwas dicki, proper, und drehten ihre Gesichter jetzt täglich in seine Richtung, mit Forderungen nach mehr in den kleinen schwarzen Augen.
Da sah ich mich auch bestätigt in der Idee zu der Ornamental Hermit-Reihe,
zu diesen kleinen Textbildern, die ich seit, wie lange, 15 Monaten?,
mache, da sich bei mir diese Berichte ansammeln, von allerlei Leuten,
daß sich unweigerlich eine Schmuckeremit-artige Daseins- und
Gedankenwelt aufbaut, mindestens aber eine Art Modus. Wie geht’s weiter mit uns?
Gestern aber – da ging es um die Neubewertung, um ein von mir aus: analytisches Update, welche Menschen, in ihren scheinbar Charakter gewordenen Maschen und mit ihren lasch ausformulierten Lebensläufen einem ÜBER sind, die einen, und wahrscheinlich auch sich selbst, nicht mehr überraschen können, weil sie so traurige Automaten geworden sind (pandemic edition). Bekanntschaft, Freundschaft, das sind doch Spektren, die, obwohl man denselben Begriff benutzt, so viele verschiedene Dinge und Zustände sein, beschreiben können. Jetzt scheint tatsächlich kurz die Sonne, die verlogene Schlange.