• Sonntag, 13.06.2021

    BEI GEGNERISCHEM BALLBESITZ AUF 4-4-2 UMSCHALTEN

    Von der ganzen Nachhol-Stimmung gestern bisschen gepackt gewesen, und so stand ich auf einmal, ohne es richtig bemerkt zu haben, mit meinem Körper in einem kleinen Laden und wollte ein Hemd kaufen. Sogar ein Kurzarmhemd. Ja mei. Dann wusste ich aber doch, was mich da angetrieben hatte: die Begeisterung für den cuban collar, und die Freude daran, diese cuban collar shirts in meine sog. Garderobe einzuführen. Ich will im Prinzip ein Hemd, das zwischen cuban collar shirt und Pyjama-Oberteil äh OSZILLIERT, west, wie sagt man? Ich probierte eins an, und das war auch schon genau richtig, aber die kleine junge Frau meinte, ich solle mal eine Nummer größer probieren, und dann probierte ich das an, eine Nummer größer, und dann meinte sie, das sähe “lockerer” aus, und ich hörte ganz brav auf die junge Frau und kaufte das die Nummer größer und verließ dann, natürlich, lockerer als vorher das Geschäft.

  • Donnerstag, 10.06.2021

    LET’S BURN WEBSITES

    Da ist dieses eine Teilstück, direkt neben den Bahnschienen verlaufend, ein abschüssiger Fußweg von vielleicht hundert Metern, der herunterführt, dahin, wo die Subbelrather Straße den Mediapark vom Grüngürtel trennt. Gesäumt wird dieser Fußweg von Pinien, die jetzt, saisonal, ihren würzigen Pinienduft ausströmen, der ihnen wie ein unsichtbares, seidenes Cape umhängt. Der schönste und proustischste Geruch, den keine Menschenhand erzeugt.

    Für einige Minuten, beim Beschreiten dieses löchrigen Pfades, lebe ich ein friedliches Leben in Spanien, es könnte 1997 sein, oder 1998. Das Internet bloß eine Option, die Welt noch nicht vollends und unrettbar “verbunden”. Sobald der anschwellende Autolärm den Pinienduft erstickt hat, setzt auch wieder dieses unwohle Gefühl ein, dass ich diese, die heutige Form von Gesellschaft und Leben, die dieser Anblick der von aufgeheizten Autos befahrenen Subbelrather Straße merkwürdigerweise ohne Widersprüche wie ein Symbol annimmt, als unangenehm und falsch empfinde. Wie ich schonmal schrieb: Darin leben nein danke. Aber ich habe keine Ahnung, wie man hier ohne Geld rauskommt. Alles, so scheint es, wird immer nur härter und kälter, und im Sommer spürt man die Kälte am meisten. Oft sprechen Leute, auch ich, vom Gold, dass die Sonne hergibt, ausgießt. Aber man könnte auch sagen, sie vergilbt alles bis zur Unendlichkeit, und was das ist, Vergilben, ist der Verlust von Ursprünglichkeit.

    Zwei Notizen: ein Typ in einem T-Shirt, wo hinten drauf steht: KURZE RIPPE – Boxclub. Außerdem saß mir beim Kaffeetrinken ein älterer Mann gegenüber, der kurz wohl eine Shoppingpause einlegte, während seine Frau “schon mal vorgeht”. Er rauchte Zigarillos der mir bis dahin absolut unbekannten Marke WHITE SUMATRA. Über so einen Namen denke ich drei Tage nach.

  • Mittwoch, 09.06.2021

    AND DIE BEHIND THE WHEEL

    27 Grad. Der erste, etwas überteuerte “Salat Nizza” draußen. Egal, es war schön, draußen zu sitzen. Im Duchamp Buch. “Deacon Blues” von Steely Dan geht mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf, der Bass.