DIE SCHANDE VON GIJÓN
Es klingelt. Es sind die Müllmänner. “Müll!” schreien sie manchmal hoch, ins Treppenhaus rein, bisschen im Sinne wie: “kein Überfall!”. Sie kommen in Frieden. Muss ich “Kunst!” schreien, wenn ich irgendwo hingehe? Ich mag die Müllmänner, sie sind wie Agenten, die eine unbekannte Instanz aussendet, dass die Welt doch weitergehen möge, IRGENDWIE, die Tonnen sind jedenfalls wieder leer für das Allerneueste aus der Sphäre der Lebenden: neuen Müll, der den alten ersetzt.
Letzte Woche ein erstes Treffen mit Moritz, Sukultur/Metamorphosen-Moritz. Auf der berühmten Parkbank, im brühwarmen Abend, ich war schon etwas matt und durchgeschwitzt, aber mit Moritz war es ganz leicht, sich nochmal zu einem echten Gespräch hochzufahren, angenehm. Über die Kultur im Allgemeinen. Auch zB über den Bachmann-Preis, den, wie ich las – und der Name kam mir doch bekannt vor irgendwoher – eine ehemalige Kollegin von Bernd gewonnen hat. Frau Ebrahimi, ehemals Stadtrevue Köln. Wie wichtig mir das mal war, dieses Bachmann-Gucken, und wie absolut bedeutungslos es mir jetzt geworden ist. Völlig normal.
Bewölkt, den Dämon Hitze ausgetrieben, aber es hängen noch Reste des Spuks in der Wohnung. Diese Wetterwechsel machen mich müd. Da drüben, in dem Blumenkübel leuchtet was ganz grell Orange und Gelb. Woran ich denke? An lange Tage in Wissant, ohne mein Leben, aber mit mir drin.