• Donnerstag, 22.04.2021

    DER IMMENSE DRUCK EINER LANGEN TRADITION – MASS SUICIDE

    Rote Blumen vor schmutzigem Fenster. Dafür habe ich mir gestern einen neuen Teppich bestellt. Für das kleine Loch, das ich Schlafzimmer nenne. Ein Teppich ist doch ein gerechter Vermittler, zwischen Echtwelt und fragilem Ich, das so eben erst erwacht.

    Die Eltern werden nächste Woche geimpft. Ende April 2021. Deutschland – Land der Ideen.

    Jeden Tag und immer wieder – nicht Liebeslieder, aber die Fremdheit der Welt: M. zeigt mir auf seinem Handy einen Maler, den er geil findet. Ich sehe aber kein Bild, sondern nur eine Absicht. Ich fühle mich von dieser Art Absichtlichkeit bedrängt. Ein gelbes Bild, Figuren, Schleifen und Schlieren, ton in ton gemalt, ja, ich seh die Malertricks- und skills, aber es ist für mich, durch diesen durchgearbeiteten und harmonisierten STIL versiegelt. Mein Blick skatet davon weg, will woandershin. Ich mein, ich seh auch genau, warum das andere schön finden, aber Entschuldigung, SO geht es ja nun nicht, oder? Die Instagramisierung bedeutet auch: Bilder zu machen, die innerhalb Instagrams “zu verstehen” sind. Schlecht. Starrsinn.

    Montag habe ich den bestellten Adam McEwen-Katalog bei König abgeholt, und quasi auf der nächstbesten Holzbank, in der Mittagssonne und mit Kaffee in der Hand, zu blättern begonnen. Die fake Nachrufe, Rod Stewart, Nicole Kidman. Humor und Tod, zwei absolute und tragende Weltsäulen. Toll. Auf Instagram wiederum eher schwer zu vermitteln. Aber draußen scheint wieder die Sonne. You work in the area?

  • Sonntag, 18.04.2021

    A CLEAN, WELL-LIGHTED SPACE

    Hallo Mama,

    du, ich hab’s jetzt: manchmal muss man zwei oder zweieinhalb Jahre, oder länger, durch den dümmsten und stinkigsten Morast nicht gehen aber malen, also machen, und dann, wenn der Schlamm an den Stiefeln zurechtgetrocknet ist, dann klopft man ihn ab, und vielleicht ist da eine Lösung dann, ein Weg, sagen wir mal so. Dann ärgert man sich und denkt: so ein Fick, wozu waren jetzt diese zwei Jahre nötig, hätte man nicht direkt? Aber ich sag dir ehrlich: glaube nicht. Fehler muss man machen, sonst gibts das Wort “Fehler” völlig umsonst, also vergebens. Ich weiß nicht, ob ichs richtig verstehe, ist vielleicht auch egal, aber weißte noch, Ezra Pound:

    “In the gloom the gold
    Gathers the light about it.”

    Gut ne? Finde ich auch. Mehr als gut. Am Freitag hab ich ein kleines Bild angefangen, die Höhle, da wo Jesus auferstanden ist, diesen riesigen, runden Stein schon zur Seite gerollt, klafft da dieses große schwarze Loch, da kann ja nun wirklich alles passieren, wenn’s da so schwarz und nichtsmässig losgeht. Schon seit Wochen dacht ich, ich mach ein Bild, das heißt SHOWTIME! Ich finde das extrem lustig, und ich hoffe, es gibt ein zwei Leute, die finden das auch. Ich mach ja gern in Kommunkation, ehrlich. So, das reicht für heute. GaLieGrü und Küsschen, Mama

  • Freitag, 16.04.2021

    SECHS STUNDEN HEMINGWAY

    Seit Tagen denke ich immer wieder an die Hemingway-Doku zurück. Ein flüchtiger Korridor, zwischen den Sekunden. The good stuff. Beim Kaffee holen, wenn ich die beschichtete Pappe vom Chicken Vindaloo hochhebe, wenn ich zu Fuß ins Atelier gehe, morgens, vorbei an Tauwiesen, den Zelten der Obdachlosen in den Büschen, von wo der süßliche Moder frischer Scheiße herüberweht. Auch so riecht das Neue. Lives lived.

    Nach Vantablack jetzt also das “weißeste Weiß”. Reflektiert 98% des Sonnenlichtes, hält Oberflächen bis zu 4,5 Grad kühler als die Außentemperatur. WHITE PAINT SUMMER