• Donnerstag, 10.06.2021

    LET’S BURN WEBSITES

    Da ist dieses eine Teilstück, direkt neben den Bahnschienen verlaufend, ein abschüssiger Fußweg von vielleicht hundert Metern, der herunterführt, dahin, wo die Subbelrather Straße den Mediapark vom Grüngürtel trennt. Gesäumt wird dieser Fußweg von Pinien, die jetzt, saisonal, ihren würzigen Pinienduft ausströmen, der ihnen wie ein unsichtbares, seidenes Cape umhängt. Der schönste und proustischste Geruch, den keine Menschenhand erzeugt.

    Für einige Minuten, beim Beschreiten dieses löchrigen Pfades, lebe ich ein friedliches Leben in Spanien, es könnte 1997 sein, oder 1998. Das Internet bloß eine Option, die Welt noch nicht vollends und unrettbar “verbunden”. Sobald der anschwellende Autolärm den Pinienduft erstickt hat, setzt auch wieder dieses unwohle Gefühl ein, dass ich diese, die heutige Form von Gesellschaft und Leben, die dieser Anblick der von aufgeheizten Autos befahrenen Subbelrather Straße merkwürdigerweise ohne Widersprüche wie ein Symbol annimmt, als unangenehm und falsch empfinde. Wie ich schonmal schrieb: Darin leben nein danke. Aber ich habe keine Ahnung, wie man hier ohne Geld rauskommt. Alles, so scheint es, wird immer nur härter und kälter, und im Sommer spürt man die Kälte am meisten. Oft sprechen Leute, auch ich, vom Gold, dass die Sonne hergibt, ausgießt. Aber man könnte auch sagen, sie vergilbt alles bis zur Unendlichkeit, und was das ist, Vergilben, ist der Verlust von Ursprünglichkeit.

    Zwei Notizen: ein Typ in einem T-Shirt, wo hinten drauf steht: KURZE RIPPE – Boxclub. Außerdem saß mir beim Kaffeetrinken ein älterer Mann gegenüber, der kurz wohl eine Shoppingpause einlegte, während seine Frau “schon mal vorgeht”. Er rauchte Zigarillos der mir bis dahin absolut unbekannten Marke WHITE SUMATRA. Über so einen Namen denke ich drei Tage nach.

  • Mittwoch, 09.06.2021

    AND DIE BEHIND THE WHEEL

    27 Grad. Der erste, etwas überteuerte “Salat Nizza” draußen. Egal, es war schön, draußen zu sitzen. Im Duchamp Buch. “Deacon Blues” von Steely Dan geht mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf, der Bass.

  • Donnerstag, 03.06.2021

    GRILLSTUBE ESCARGOTS RIDIKULISÉS 

    Feiertag, courtesy of Juliana von Lüttich aka Julienne de Cornillon aka de Mont Cornillon. Sogenannte Visionen waren ihr Antrieb. Mein Antrieb ist der Erhalt, die Bewahrung, die Erneuerung (bisschen). Fürderhin eine gewisse Schöpfungslibido, oder Trickbilderei. Übrigens hängt der Himmel wolkenverhangen, trüb und den Bauch voll mit Wasser? Einem sehr warmen und sonnenhaften Tag folgend natürlich superschön so. Manchmal bildet erst der seriöse, bewölkte Himmel den Backdrop, der den Gedanken die Gravität verleiht, wo man denkt: da mal nachhaken. 

    Als ich gestern zu Fuß nach Hause ging, die übliche Strecke, durch den Grüngürtel, an den Wiesen vorbei, waren diese, und die ganzen Lokale, später, zurück im Viertel, bis auf den letzten Sitzplatz voll mit Menschen. Nehme an, das konnte jeder gestern, in seiner oder ihrer eigenen Stadt, auch sehen. Verständlich. Aber gleich alle auf einmal? Ich weiß ja nicht. Aber ich habe auch keine Ahnung, ehrlich. Die bestellte Duchamp-Biografie von Calvin Tomkins ist eingetroffen, das Cabanne Interviewbuch mit Duchamp ist ausgelesen, ich ziehe das jetzt durch. Den jetzt auf Deutsch erschienenen McClanahan habe ich schon im Original gelesen, das ist also schonmal erledigt!

    Dienstag ging ich am Büro des SPD Ortsverbands Innenstadt vorbei. Dachte dann: Olaf Scholz, Kanzlerkandidat. Musste lachen, und war ja eh schon gutgelaunt, weil die Sonne so schön schien. 

    But to shine like Joan of Arc
    You must be prepared
    To burn