Sonntag, 25.04.2021
HABEN EIN ANDERES VERSTÄNDNIS VON DEMOKRATIE UND PROGRAMM
Die letzten Tage hatte ich mit Stille begonnen. Mir war es am Donnerstag plötzlich aufgefallen, ich stand da und wunderte mich über die Ruhe in meinem Kopf, über die Konzentration und Wachheit, fragte mich kurz, was denn los war, was anders war, woher diese Energie jetzt kam. Ich hatte morgens Kaffee getrunken, ohne Hintegrundgeräusche, ohne Musik, ohne Podcast, ich ging zu Fuß ins Atelier, ohne Musik, ohne Podcast, ich hörte nur den kühlen Wind, und sah die Landschaft vor mir von Sonne ultrahell bestrahlt und in Farbfelder aufgeteilt, hard edge. Ich hörte nur Weichheit, ein raschelndes Hundehalsband, das Knuspern von Fahrradreifen auf dem sandigen Boden, später ein paar Autos, gesteuert ohne Hast. Nichts Konkretes ging mir durch den Kopf. Ich war nicht hungrig und nicht durstig.
Ganz automatisch kamen dann Gedanken zum Buch hoch, Stephen Kings On Writing, was ich daran gut fand, was ich schon zu wissen meinte, und ob ich jetzt, wo ich es fast durch hatte, noch William Strunks The Elements of Style hinterherlesen sollte, oder lieber das Dalí-Buch, das Albert Oehlen öfter erwähnt hatte, oder endlich mal das Duchamp-Buch, das mir Joachim Bessing mal am Telefon empfohlen hatte. Ich verspürte keinerlei Druck hinter diesen Überlegungen, ich verwandelte sie nicht zu Aufgaben, die nun zu erledigen waren, wie so ein perverser Heutiger. Es war alles ganz angenehm, offen, totally based, sozusagen, darüber, daß ich einfach Lust daran hatte, weiterzumachen, weiterzulesen.