DER EICHELHÄHER
Dispatches from Italy. Mache hier mal ganz basic Einträge, denn das meiste passiert ohnehin in meinem Kopf, in meiner Vorstellung. Vieles davon ist absoluter Trash, tatsächlich auch so in dem Sinne, wie dieser American-English Begriff klingt und wirkt, und eben genau nicht so floral wie „spazzatura“, wie der Italiener sagt.
Es gibt diese nette Dame im Supermarkt Conad City, die sagte bisher immer so freundlich buongiorno, mit Zähnchen und alles, dass ich sie heimlich „meine beste Freundin“ nenne. Stimmt ja auch. Aber auch der Greis bei Deco ist sehr lieb, der mit der schwarzen Brille. Überhaupt, falls ich es noch nicht notiert habe: die Leute sind ziemlich süss. Ich gebe mir Mühe mit dem Italienisch, ich merke aber auch, dass mir das strukturelle Auffassen der Sprache fehlt, also das strukturelle Lernen, so dass ich eher eine Art Auswendiglernen betreibe, ohne mir der dahinter liegenden Regelhaftigkeiten klar zu werden. Die Grammatik ist dem Spanischen sehr ähnlich, ich glaube sogar, im Kern gleich, nicht aber das Vokabular unbedingt. Es verwirrt mich eher, wenn aus meinem mittlerweile auch recht eingenebeltem spanischen Wortschatz eine Erinnerung hochflippt, ich aber dann sehe, dass das Italienische ein GANZ anderes Wort dafür hat. Verwirrung, Unsicherheit sind die Folge, weil ich ganz kurz zuvor, für einen wirklich kleinen Moment annahm, ich WÜSSTE etwas. „So it goes.“
Jetzt, nach fast drei Wochen, scheint es, geht es los für mich. Gewisse Hemmungen legen sich, deren Gründe in einem hier natürlich ungeschriebenen Essay über das Für und Wider der eigenen Hirntätigkeiten usw. zu finden wären. Aber: ich sah das erste Kätzchen hier über meine Mauer schlendern, gestern Morgen, über den Vorsprung hier, auf dem Tausend und Abertausende winzige rote Milbenartige krabbeln, jeden Tag und den ganzen Tag. Sind das die berühmten Campari-Läuse?*
Hab ich jetzt mal ein Schälchen Wasser hingestellt auf die Terrazza für das Kätzchen, vor der hier weiterhin die riesigen Pomelos am Strauch hängen, so richtig giallo. Ein Eichelhäher schaute letzte Woche vorbei. Musste, klar, grosser Lacher mal wieder, an Adolf Hitler denken.
(* Cochenille-Schildlaus)