• mi, 30.4.2025

    DER EICHELHÄHER

    Dispatches from Italy. Mache hier mal ganz basic Einträge, denn das meiste passiert ohnehin in meinem Kopf, in meiner Vorstellung. Vieles davon ist absoluter Trash, tatsächlich auch so in dem Sinne, wie dieser American-English Begriff klingt und wirkt, und eben genau nicht so floral wie „spazzatura“, wie der Italiener sagt.

    Es gibt diese nette Dame im Supermarkt Conad City, die sagte bisher immer so freundlich buongiorno, mit Zähnchen und alles, dass ich sie heimlich „meine beste Freundin“ nenne. Stimmt ja auch. Aber auch der Greis bei Deco ist sehr lieb, der mit der schwarzen Brille. Überhaupt, falls ich es noch nicht notiert habe: die Leute sind ziemlich süss. Ich gebe mir Mühe mit dem Italienisch, ich merke aber auch, dass mir das strukturelle Auffassen der Sprache fehlt, also das strukturelle Lernen, so dass ich eher eine Art Auswendiglernen betreibe, ohne mir der dahinter liegenden Regelhaftigkeiten klar zu werden. Die Grammatik ist dem Spanischen sehr ähnlich, ich glaube sogar, im Kern gleich, nicht aber das Vokabular unbedingt. Es verwirrt mich eher, wenn aus meinem mittlerweile auch recht eingenebeltem spanischen Wortschatz eine Erinnerung hochflippt, ich aber dann sehe, dass das Italienische ein GANZ anderes Wort dafür hat. Verwirrung, Unsicherheit sind die Folge, weil ich ganz kurz zuvor, für einen wirklich kleinen Moment annahm, ich WÜSSTE etwas. „So it goes.“

    Jetzt, nach fast drei Wochen, scheint es, geht es los für mich. Gewisse Hemmungen legen sich, deren Gründe in einem hier natürlich ungeschriebenen Essay über das Für und Wider der eigenen Hirntätigkeiten usw. zu finden wären. Aber: ich sah das erste Kätzchen hier über meine Mauer schlendern, gestern Morgen, über den Vorsprung hier, auf dem Tausend und Abertausende winzige rote Milbenartige krabbeln, jeden Tag und den ganzen Tag. Sind das die berühmten Campari-Läuse?*

    Hab ich jetzt mal ein Schälchen Wasser hingestellt auf die Terrazza für das Kätzchen, vor der hier weiterhin die riesigen Pomelos am Strauch hängen, so richtig giallo. Ein Eichelhäher schaute letzte Woche vorbei. Musste, klar, grosser Lacher mal wieder, an Adolf Hitler denken.

    (* Cochenille-Schildlaus)

  • di, 22.4.2025

    L’EREMITA SONO IO

    Tag 11. Die Sonne beginnt nun langsam zu powern. Man bildet sich ein, mit dem Flug hier runter—weitaus südlicher, als ich es in meiner vagen Vorstellung gespeichert hatte—würde man sich über die Erdkrümmung hinweg auch der Sonne annähern. HYPERBOLA.

    Der Geruch der Tage verändert sich ebenfalls beständig. Auf den grünen Hängen links von mir wird eifrig verbrannt, es ist wohl, wie Marco neulich im Auto meinte, jetzt die Zeit dafür. Gestern, am Pasquetta, lag eine beständige Note von verbrennendem Holz, der feiertagsbedingten Grigliata wegen, über der ganzen Stadt.

    Neben dem neueren „Logbuch“ (beginnend in 2021), in dem die Stipendiaten der Villa ihren jeweiligen Nachfolgenden Berichte/Empfehlungen/Erfahrungen usw. hinterlassen, gibt es ein Faksimile der ersten (?) Version, die mit dem ersten Eintrag bis in den Juli 1992 zurückgeht. Eine, wie ich gerade merke, ziemlich interessante und eigene: TEXTSORTE.
    „In gewissem Sinne verdirbt die auf eine Textsorte spezialisierte Gewohnheit den Leser für die Lektüre andersartiger Texte (…)“, schreibt Luhmann.

    Es ist jetzt 12:33h.

  • mo, 21.4.2025

    „ART IS WHAT WE DO, CULTURE IS WHAT WE DO TO OTHER ARTISTS“

    Die Vergangenheit. Sie wird hier bei mir, in meinem eigenen kleinen Artistic Program (Hell Yeah), einer Ent-nostalgisierungskur unterzogen (ich meine nicht die biografische Vergangenheit). Man hofft, in ihr vielleicht etwas für die Zukunft zu sehen, irgendwie gültige Relationen zu erkennen, und da dann vielleicht anzusetzen.

    Che bella giornata, übrigens. Der zweite Morgen mit Kaffee auf der Terrazza. Die Luft wird wärmer. Die Zitronen sind Pomelos. Gestern ein kleiner Spaziergang durch das Centro Storico. Brutal, wie das hier alles so sehr nach ITALIEN aussieht.

    Wie Marco neulich schon andeutete: der Italiener hat irgendwo immer eine Elektroheizung in Reserve stehen (siehe die staatlichen Heizperioden). Gestern fand ich die hiesige.