• Freitag, 01.01.2021

    DOPPIO PASSO PRIMITIVO

    Thomas Vinterbergs “Druk” der letzte Film des Jahres. Den Film zeichnet etwas aus, das ich, jetzt grade, Stunden danach, immer noch nicht richtig benennen kann. Ist das ein Hinweis, der Hinweis auf gute Kunst? Etwas, das aus den Einzelteilen des Films, aus Schauspiel, Licht, Einstellungen, Rhythmus zwar einerseits heraussendet, aber im Soge dessen noch etwas mit sich zieht, tiefer hinein, nah dran an etwas, fast wie Selbsterlebtes?

    Das Schweigen, und das schweigende Gesicht, Solidarität, Irritation darüber, was Verlust ist, ein Todesurteil aus Zukunftsnebel. Jugend als der Hügel, die Erhebung, von der aus man die GANZE Landschaft zu erfassen versucht, auch dann noch, wenn die Jugend selbst schon weitergezogen ist, die nächsten Auserwählten zu bestimmen. Einmal fragt der Lehrer Martin (Mads Mikkelsen) – obwohl er die Antwort schon weiß, er sucht nur dessen externe Bestätigung – seine Frau, ob er “langweilig geworden” sei.

    Die eigene Jugend, das eigene jüngere Ich als ein vom Ruß der Zeit eingeschwärztes Gerücht, zerfallen für immer .

  • Donnerstag, 31.12.2020

    HATED THE WHITE CANVAS

    Die Sonne, sie hat nicht den Mut, sich heute Morgen, am letzten Tag des Jahres, sehen zu lassen. Bedeutungslos brummt sie hinter dichtem Grau. Der Maler drehte gestern, bevor er seine Werkstatt für das Jahr verließ, die Heizung ab, auf Null, auf das Froststern-Symbol. Über das Atelier wacht nun also der Frostwächter.

    This is the way

    Keine Angst, ich ziehe hier nicht “Bilanz”, das steht alles in meinem Roman Das Letzte Mahl der Entrepreneure. Auf Facebook fragt sich Holm Friebe, warum man Otto Muehl, “warum der Kinderschänder noch so unproblematisiert durch die Kunstwelt geistern kann.” Bisschen überraschende Frage von Jemandem, der, glaube ich, über Kunst zu schreiben versucht, für Geld. Ich würde sagen, aus demselben Grund, aus dem man zB Egon Schiele, den ebenfalls verurteilten Kinderschänder “unproblematisiert” durch die Kunstwelt geistern lässt, mit seinen ekelhaften Figuren, diesen knochigen KZ-artigen lanky figures in Nachthemden, aber ich möchte hier nicht unnötig….. Berlin, Stadt der Problematisierung. Das wäre doch schön, für nen Aufkleber, für die Hauptstadt? Regen wird zu Schnee, noch während er fällt.

    Buy Dollars Sell Dollars

    Im Aufwachen, mit dem Schlag des Lids, da kam mir die Erinnerung, wo ich letztes Jahr, am 31. gewesen war. Mir fällt das Wurmsuchgerät ein, die physische Erinnerung, wie es ist, auf Saschas brauner Couch zu sitzen, tief eingesackt in braunem Kord. Erleichterung, also wirklich leichter fühlt es sich an, zu wissen, dass es diesen Tag heute SO nicht gibt, den ganzen Stress und diese Hektik, mit der sich irgendwie alle immer gegenseitig hektisch machen. Warum eigentlich? Seit Tagen kein Ballerlärm. Wem fällt es auf?

    Schönes, natürlich kluges Interview mit Lars von Trier, der heftig zittert, wegen Medikamenten, wie ich lese. Er spricht zum Irrtum mit der Freiheit, mit der Freiheit und Kunst. Ähnliches besprach ich auch gestern mit Mark, im Atelier sitzend, und mit Daniel, am Telefon. “It’s fun that total freedom is not all that interesting artistically, strangely.” Das stimmt auch, wenn man selbst wenig despotische Energien in sich zu spüren meint.

    Horst Heldt: “Gefühlt müssen wir uns schämen”

    Baldwin told the New York Times she is bilingual
    and her English often has a strong Spanish accent depending on how happy
    or upset she is.

  • Dienstag, 29.12.2020

    NOTIZ AN SELBST MIT KOTHÄNDCHEN GESCHRIEBEN

    Die Konfusion über die eigene Arbeit als eben die Normalität, als die normale Folge empfinden, die sie ist. Es ist eben nichts Schlechtes, nichts BEZEICHNENDES  (in diesem Sinne), als vielmehr das Wissen darum, dass man nichts mal eben so hinwichsen kann, dass man meint, man könne Routinen und Instinkte und Fähigkeiten punktuell und synchronisiert und in allgemeiner Gelungenheit abrufen und hinführen zu einem Ding, welches dann ganz besonders gelungen erscheinen sollte und MUSS, wie man sich ja dann, wahrscheinlich (?), einbildet. Man will etwas, man will etwas von sich, und man will etwas von dem, was es sein soll – aber dieser Intention gegenüber steht die Erfahrung, sich eben genau nicht zu sehr gewahr zu sein, was gemacht wird. Und oft fällt mir dann noch zu ganz später Stunde der Entstehung auf, dass es einen Unterschied gibt, zwischen joy und pleasure, dass der eine Zustand eine sich stetig erhöhende Schwelle in sich trägt, die überschritten werden muss, dass sich das GATE öffnet, und der andere Zustand ist nicht so gierig, nicht so verschlingend und verbrennend, leichter herzustellen, dafür weniger angereichert in Empfindung, Gefühl, Belohnung.

    Ungefähr so. Mir ist aber auch schwindelig heute Morgen.