• Sonntag, 03.01.2021

    TORLOSES UNENTSCHIEDEN IM SCHNEE

    Immer wieder lustig, wenn die ZEIT die gesteppte Jacke zur Seite legt, um in die VORORTE zu fahren, bisschen zu gucken, wie man da so lebt. Im Text über Dackelblut Jens Rachut steht jetzt hier:

    “Miete und so kann ich ja nicht mit der Musik bezahlen”, sagt er, und
    dann winkt er ab, das mit der Musik sei eh Quatsch, alles Blödsinn. Das
    klingt kokett, aber nicht unsympathisch.

    Stimmt, das ist natürlich ultrasympathisch, wenn Jemand struggeln und stets mit existenzieller Nervosität leben muss, als Entlohnung dafür, dass er in Deutschland ein GANZ BESONDERER KÜNSTLER sein darf, da kommen selbst der ZEIT insgeheim die Tränchen, man spürt es ja, bei so viel Idealismus und Romantik, ist halt auch geil, wenn manche Dinge sich Gottseidank nie ändern müssen.

    Die haben ja im Tor –

    den Edwin Van der Saar

    16:57h. I can’t hear my eyes, sang Ariel Pink vom Plattenspieler herab, und später fügte Jim O’Rourke hinzu, A hand is not a friend –

    The Mind-Body-Problem. 17:01h.

  • Freitag, 01.01.2021

    DOPPIO PASSO PRIMITIVO

    Thomas Vinterbergs “Druk” der letzte Film des Jahres. Den Film zeichnet etwas aus, das ich, jetzt grade, Stunden danach, immer noch nicht richtig benennen kann. Ist das ein Hinweis, der Hinweis auf gute Kunst? Etwas, das aus den Einzelteilen des Films, aus Schauspiel, Licht, Einstellungen, Rhythmus zwar einerseits heraussendet, aber im Soge dessen noch etwas mit sich zieht, tiefer hinein, nah dran an etwas, fast wie Selbsterlebtes?

    Das Schweigen, und das schweigende Gesicht, Solidarität, Irritation darüber, was Verlust ist, ein Todesurteil aus Zukunftsnebel. Jugend als der Hügel, die Erhebung, von der aus man die GANZE Landschaft zu erfassen versucht, auch dann noch, wenn die Jugend selbst schon weitergezogen ist, die nächsten Auserwählten zu bestimmen. Einmal fragt der Lehrer Martin (Mads Mikkelsen) – obwohl er die Antwort schon weiß, er sucht nur dessen externe Bestätigung – seine Frau, ob er “langweilig geworden” sei.

    Die eigene Jugend, das eigene jüngere Ich als ein vom Ruß der Zeit eingeschwärztes Gerücht, zerfallen für immer .

  • Donnerstag, 31.12.2020

    HATED THE WHITE CANVAS

    Die Sonne, sie hat nicht den Mut, sich heute Morgen, am letzten Tag des Jahres, sehen zu lassen. Bedeutungslos brummt sie hinter dichtem Grau. Der Maler drehte gestern, bevor er seine Werkstatt für das Jahr verließ, die Heizung ab, auf Null, auf das Froststern-Symbol. Über das Atelier wacht nun also der Frostwächter.

    This is the way

    Keine Angst, ich ziehe hier nicht “Bilanz”, das steht alles in meinem Roman Das Letzte Mahl der Entrepreneure. Auf Facebook fragt sich Holm Friebe, warum man Otto Muehl, “warum der Kinderschänder noch so unproblematisiert durch die Kunstwelt geistern kann.” Bisschen überraschende Frage von Jemandem, der, glaube ich, über Kunst zu schreiben versucht, für Geld. Ich würde sagen, aus demselben Grund, aus dem man zB Egon Schiele, den ebenfalls verurteilten Kinderschänder “unproblematisiert” durch die Kunstwelt geistern lässt, mit seinen ekelhaften Figuren, diesen knochigen KZ-artigen lanky figures in Nachthemden, aber ich möchte hier nicht unnötig….. Berlin, Stadt der Problematisierung. Das wäre doch schön, für nen Aufkleber, für die Hauptstadt? Regen wird zu Schnee, noch während er fällt.

    Buy Dollars Sell Dollars

    Im Aufwachen, mit dem Schlag des Lids, da kam mir die Erinnerung, wo ich letztes Jahr, am 31. gewesen war. Mir fällt das Wurmsuchgerät ein, die physische Erinnerung, wie es ist, auf Saschas brauner Couch zu sitzen, tief eingesackt in braunem Kord. Erleichterung, also wirklich leichter fühlt es sich an, zu wissen, dass es diesen Tag heute SO nicht gibt, den ganzen Stress und diese Hektik, mit der sich irgendwie alle immer gegenseitig hektisch machen. Warum eigentlich? Seit Tagen kein Ballerlärm. Wem fällt es auf?

    Schönes, natürlich kluges Interview mit Lars von Trier, der heftig zittert, wegen Medikamenten, wie ich lese. Er spricht zum Irrtum mit der Freiheit, mit der Freiheit und Kunst. Ähnliches besprach ich auch gestern mit Mark, im Atelier sitzend, und mit Daniel, am Telefon. “It’s fun that total freedom is not all that interesting artistically, strangely.” Das stimmt auch, wenn man selbst wenig despotische Energien in sich zu spüren meint.

    Horst Heldt: “Gefühlt müssen wir uns schämen”

    Baldwin told the New York Times she is bilingual
    and her English often has a strong Spanish accent depending on how happy
    or upset she is.