• Donnerstag, 12.11.2020

    MENTALE WINDELN

    Notizen aus dem, na klar, Untergrund. Dass tatsächlich Karneval begann, die Fastenzeit für den Fastenzeitinteressierten also über den metaphysischen Hügel lugt, das flackerte mir gestern kurz auf, als ich eine kostümierte Gruppe von jüngeren Greisen sah, die auf grauem Bordstein durch die graue Stadt liefen. “Hygiene Amt”, das war mit schwarzem Gaffer Tape in viereckigen Buchstaben auf einen Plastikkanister geklebt, den der als Prinzessin verkleidete Mann auf den Rücken geschnallt hatte. Zuhause stehen noch die welken Chrysanthemen. Jetzt noch schnell ein bisschen was erledigen, bevor es wieder Nacht wird am Rande des Literaturbetriebs.

  • Mittwoch, 11.11.2020

    DEALER STASH

    Fand gestern, beim Gitterhochfahren, ein Plastiktütchen, in denen sich kleine, vorportionierte Gras-Mengen in sog. Druckbandbeutelchen befanden. Dealer stash, den vielleicht einer der Platz-Dealer in größter Not dort, zwischen Gitter und Scheibe, versteckt hatte. Police in Helicopter. Ich tarnte das Tütchen mit irgendeinem Flyer, in der Hoffnung, der junge Unternehmer möge seinen stash dort, schon bald (?), unversehrt wieder finden, um Deutschland auch im europäischen Vergleich wirtschaftlich wieder nach vorne zu bringen. Friedrich Merz, Brilon’s Finest, gab mir per Whatsapp sein “Go”

  • Dienstag, 10.11.2020

    SHELTER-IN-PLACE-SPACE

    Gestern, am Tagesrand, wo ich innehielt um kurz mich umzuschauen, da war es mir überdeutlich vorgekommen, zum ersten Mal jetzt richtig in diesen ZEITEN, wie gestaucht, komprimiert, verengt mir die letzten Tage geworden waren.

    – Was habe ich eigentlich GETAN heute? Alles, wie auch sonst, hast du das schon alles vergessen?

    Nein, nicht vergessen. Aber es fehlt einfach das Soziale, das Nicht-machen, um es als Differenz daneben halten zu können, um sich vom anderen in das andere locken zu lassen, raus aus der ganztägigen Ichheit, von Arbeit, von Gedanken, von Kummer und Schwere usw. Das Soziale ist nicht nur aus der öffentlichen Sphäre, es ist auch aus den Köpfen der Leute entwichen, man hat vernünftigerweise akzeptiert, dass man Menschen jetzt grade nur auf der Straße trifft, in Geschäften, eingebunden in das Übergeordnete, in das Trotzdem-das-Beste-draus-machen. Es strengt an, und so schön das Alleinsein auch ist (”Allein ist’s ohne jeden schön”), mir ist es grad deutlich, dass es etwas noch Richtigeres gibt – da draußen. Sicher, kannst mal ne Stunde spazieren gehen mit wem, aber auch das ist grade natürlich überkuratiert, es ist nicht die Fortsetzung von normie, wie man es noch vor März in seiner ganz natürlichen alltäglichen Normiehaftigkeit kaum beschreiben konnte.

    Wahrscheinlich ist Erwartung das Problem.

    I’m your butterfly

    Sugar baby

    Achso, und wie arbeite ich an gegen das Obige? Ich nehme die schönen, farbigen Sennelier Ölstifte in die Hand, reibe und massiere die Farben ins Papier hinein, und so sehr ich eben nicht weiß, warum es jetzt Landschaften sind, zu denen ich mich angenehm agitiert fühle, so sehr vermute ich auch: in diesen Landschaften hole ich mir das, was mir die Tage verwehren, oder was ich zu sehen nicht imstande bin.