TO SUSS OUT
17:04h.
Novembertime is here –
Happiness and cheer –
Ein grauer, wie steroid aufgepumpter Wolkenkörper fährt in Zeitlupe hinter den Bäumen und Häusern her, die ich von hier aus, der Westhovener Couch, sehen kann. Jetzt ist auch die Zeit, in der sich die Dunkelheit um alles hüllt, und man kann es mit den eigenen Augen sehen, wie sich der vollbewölkte Himmel zu einem Indigoblau verdunkelt, und wie das tosende Innere einer Welle aussieht. Wenige Minuten später sind auch die gelben Dahlien im Garten nun völlig von der Finsternis verschluckt, und dennoch: sie sind noch da, es muss so sein.
Bruce Wagners Buch “Dead Stars” aus 2010 ist der ultrahysterische und vulgaristische Hollywood/Celebrity-Stream-of Consciousness-Wahnsinn als Literatur, ein literarischer Vorgriff (Perspektive 2010) auf die hero/victim Publicity und die strategische Härte und Erbarmungslosigkeit, mit der solche Karrieren aufgebaut werden, und dabei ist natürlich genau diese Härte, und die Unvorstellbarkeit des Verbal-Wahnsinns die man vielleicht für übertrieben hielte, das Realistische an diesem Buch. Zumal das Thema hier eben nicht theoretisch, nicht reflektiert, sondern durch das dirkete Gelaber angegangen wird, die Wörtlichkeit. Ungezügelte Gedanken und assoziative Hyperbeln aus dem Kopf der 13jährigen breast-cancer-survivorin Reeyonna, die hier mit ihrer Mutter, einer ehemals angesagten Künstlerin (und die für ihre Has-been-haftigkeit von ihrer Tochter verachtet wird) durch die ersten Kapitel hetzt, und dabei auf eine mit vier Jahren natürlich rekordverdächtig und beneidenswert NOCH jüngere breast-cancer-survivorin trifft, und die hatte sogar schon eine Vasektomie. Ich weiß, das liest sich brutal, ist es auch, dabei sehr sehr lustig und ich muss oft denken: so ein Buch, in Deutschland, niemals, leider.