• Sonntag, 25.10.2020

    IT BRINGS ON MANY CHANGES

    09:43h. Ein weißgrauer, völlig verlassener Himmel. Ich will in einem Salon sitzen, wie ihn Eakins malte, jetzt, sofort, mit rotem Teppichflor, mit Alkohol in verschiedenen Farben, der, schön erotisch sichtbar, in einer Kristallamphore wartet, bis die Zeit angebrochen ist. Mach ich aber doch nicht, ich steh bisschen auf. Die Zeit ist ja bereits umgestellt, die Lage der Sonne nun wieder entsprechend richtiger bezeitet.

    Gestern Nacht noch versucht, bisschen dem Interview von Joe Rogan mit Kanye West zu folgen, aber das war mir dann wirklich zu schwachsinnig auf die amerikanische Art.

  • Donnerstag, 22.10.2020

    DEAR BETTY

    Am Ende dieses Dokufilms Key To The Riddle aus 1999, über den Maler Forrest Bess, kommt nochmal einer seiner Nachbarn und Freunde zu Wort, der, Bess war bereits krank und schwach, für ihn Lebensmittel einkaufen ging und hin und wieder nach ihm sah. Eines Tages also, da kam Roy wieder bei Forrest vorbei und brachte ihm die groceries (was für ein schönes und rätselhaftes Wort / https://www.youtube.com/watch?v=ZdMnIHluDVE) und Bess sagte Hey Roy warte mal, ich hab was für dich, und der Nachbar Roy bekam als Dank ein Bild geschenkt, eine Malerei in dem für Bess durchaus üblichen kleinen Format und mit den dicken und groben Leisten aus verlebtem Holz, die Bess stets um seine Bilder baute, die diese kleinen bemalten Flächen einfingen, damit ja nichts aus der Essenz dieser Bilder in fremde Wände verlief, alles immer bei sich und in Fassung blieb, und sie gleichsam fast portalisch zu einem hin öffnete. Und dieses geschenkte Bild wurde da am Ende kurz eingeblendet, und es ist ein nochmal außergewöhnlich schönes, dunkles und ja, ich dachte kurz: außergewöhnlich repräsentatives Bild. Es sah im ersten Moment wie ein Heuballen aus, der im Dunkel der Nacht lichterloh brennt, und von einer Art Bretterzaunkonstruktion herab wird dieses lodernde Feuer nochmal mit einem gleißend weißen Bällchen aus Licht beleuchtet, und die Schemen des Zauns sind vom abstrahlenden Feuerlicht orange illuminiert, wie skelettierte Arme, die in der Nähe Sonnenkugel schweben. 

    My paintings
    are tomorrow’s paintings

    Dear Betty,
    und ich – ich lerne in diesen trüben Tagen bewusst an etwas anderes zu denken. 

  • Montag, 19.10.2020

    VITRUVIANER

    09:23h. Das Wort “Theatermann”. Ich les es grad hier über Matthias Lilienthal, ja, den “Theatermann”, und spüre auch direkt schon wieder die Ablehnung, die Sprache eben auch erzeugt. Nur am Theater gibt’s den “Theatermann”. In der Kunst gibt’s nicht den “Kunstmann”, oder im Film den “Filmmann”, weswegen beim deutschen Theater noch diese Ever-Brechtsche Note, so ein Schinkenbrotvibe reinmuss, und am Ende hat man einen “Theatermann”, und das sind so etwas zauselige und demonstrativ uneitle Typen, die was auf die “Bühne bringen”. Entschuldigung, ich mein’s gar nicht so böse, aber es ist eben sehr auffällig, wie solche Begriffe in den Sublevel aufgeladen sind. Ich wollte ja eigentlich zum Althen-Preis lesen, da kommt mir der Text von Peter Richter entgegen, über den mir seinerzeit Friederike schon was gesagt hatte, ich selbst hatte den dann aber nie gelesen. Jetzt interessiert mich natürlich total, was Richter da über Richter schreibt, nicht der Richter, der andere, genau. An der Paywall stupps ich an, aua. Ich kann aber die ersten Zeilen unter einem natürlich ziemlich gestellten Schwarzweissfoto lesen, wo man auch wieder sieht, dass Daniel Richters Körper selbst noch im STILLEN POSIEREN bisschen zu viel quatscht, sein Körper allein auf der Abbildung. Text darunter: Wie Leonardo da Vincis »Vitruvianischer Mensch« kann Richter mit seinen Extremitäten jeden Winkel der Leinwand im Prinzip aus dem Stand erreichen. Wieder aua.