• Donnerstag, 03.09.2020

    512 GB SOLID STATE DRIVE

    Der Computer wieder. Er will sich endgültig zum Sterben zurückziehen, für immer nichts mehr anzeigen – okay, habe ich verstanden. Also das nervige Gefühl der zumeist ja eingebildeten Abhängigkeit von der Maschine abschütteln, und das nervige Nachschauen beginnen, im NETZ, was für einen neuen Computer man jetzt braucht. Computerkaufen ist nur noch Zynismus.

    Bei Eliot Weinberger lese ich Erstaunliches über die Diversity und Inclusiveness in der Administration von Präsident George Walker Bush. Hilft mir aber selbst grade nicht, ich habe brutale Halsschmerzen, wache mehrmals in der Nacht auf, weil ich kaum schlucken kann. Fühle mich alt, ausgebuht. In der Apotheke fand ich auch die schöne Apothekerin nicht mehr vor, wie lange war ich denn schon nicht mehr in der Apotheke gewesen? 

    Move freely

    Morgen Eröffnung also, und L. kommt morgen Abend auch. Hoffe, dass ich hier krankheitsmäßig nicht abgehe. Eben las ich im Bett, bei Littell, wie sich SS-Aue bei Fieber und Wahnträumen quält und sich kolikenbedingt ausscheißen muss, und so vergehen drei oder vier Tage. Ich fühlte mich, in der Differenz, etwas gesünder in diesem Moment. Und da blickte ich nicht unzufrieden auf, vom Bett, in die Wohnung hinein, die ich gestern aufgeräumt hatte, den Boden gewischt. 

  • Sonntag, 30.08.2020

    GIBT SEINE MENSCHENRECHTSPREISE ZURÜCK

    Bestürzt, bestürzt, es sind die Leute bestürzt wegen “der Sache vor dem Reichstag”, las ich heute Morgen, auf dem Monitor, und wenn

    – da schlug die Sonne eine Kerbe in den Himmel.

    Die intrinsische Uninteressantheit, die schon im WESEN dieser speziellen Berichterstattung über die Demonstrationen liegt, ist in einem Maße gleichbleibend, wie das nunmehr zu beobachtende Zusammentreffen scheinbar weit auseinander liegender politisch/ideologischer Neigungsgruppen (”Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, Rechtsradikale”) folgerichtig ist. Irgendwo fällt ein hacky sack zu Boden.
    Meinerseits ganz ernsthaftes Nachdenken darüber, meine Idee für eine Novelle über eine Reihe starker weißer Yogafrauen wieder aufzugreifen, die sich zu einer neo-wedischen ultrarassistischen Sekte oder hartfundamentalistischen, jafetisch-feministischen faculta mystica zusammenradikalisieren, den Daughters of Noah, die fast die ganze Welt (auch Männer, klar) in ihren Bann ziehen mit auf Youtube verbreiteten, nur scheinbar harmlosen, aber mit geheimen “neo-arischen” Botschaften oder codes versehenen Instruction-Videos, optisch abgemildert mit schönen Topfpflanzen, angenehmen Farbpaletten und süßen Hunden, den Hass dann weitertreiben durch Selfie- oder hashtag-Kampagnen und Denunziationen, deren Ziel es ist, jedweden Kontakt in einen feindlichen umzuwandeln, die Erde in ein einziges Grab der Kulturen usw.
    Vielleicht sagt dann ja Katja Nicodemus im Deutschlandfunk, oder wo, dass diese Novelle zwar “ekelhaft” sei, aber immerhin die Frauenrolle nicht rückständig. Ich weiß es natürlich nicht.

    Robert Crumb Geburtstag, 77 Jahre.

  • Donnerstag, 27.08.2020

    TOULOUSE YOUR MIND

    Nahezu unspürbar, wie Zeit und Gedanken vergehen, wenn man das macht, was man am besten kann, und hinterher denkt man: ja, das ist das Gegenteil der Egalheit, der Leere, die man sonst so oft empfindet. Ideen kommen als sehr konkrete Vorstellungen, man weiß erst gar nicht WARUM, aber dann korrigiert man sich selbst: nicht WARUM ist die Frage, sondern NATÜRLICH die Antwort.

    Deutschland ergraut obenrum. Wind about town.