• Montag, 24.08.2020

    WURDEMANN’S PFEFFERMINZGARNELE

    Am Dreieck Budapester Straße-Kurfürstenstraße-Nürnberger Straße stand früher das Hotel Eden, an der historischen Adresse Kurfürstendamm 246/24. In den Wohlgesinnten von Littell kommt das Hotel mehrmals vor, und kurz nach einem der zahlreichen nächtlichen Bombenangriffe der Engländer auf Berlin, findet Max Aue dort seinen neuen georgischen, aristokratischen Bekannten in den Ruinen saufend vor. Ich weiß nicht genau, wie ich es BESCHREIBEN soll, aber mich berührt es immer wieder auf diese unheimliche Art, wenn ich diese Querverbindungen machen kann, sie sich herstellen lassen, wenn ich an Orten bin, über die ich gerade, mehr oder weniger zufällig, auch lese, und speziell Berlin ist für mich, erfahrungsgemäß, diese begehbare deutsche Welt. Einschusslöcher in Stuckfassaden, das hundertjährige Braungrau der Häuser usw., fühle mich sehr deutsch dann, auf diese eine, nicht die andere Art. Ist nunmal so. Wüsste gerne, was das ist. 

    Gegenüber des nunmehr nicht existenten, historischen Hotel Eden ist der Eingang zum Aquarium. Die prächtigen, fetten Koi-Karpfen im Nishikoi-Becken, auf das man im Empfangsbereich direkt zuläuft, scheinen trotz des unglaublichen Lärms und des Gewusels um sie herum geradezu ausgelassen, gutgelaunt. Sie lassen sich streicheln wie Hunde.

    20:08h. Hier jetzt, zwischen Hannover und Luhmann-Stadt Bielefeld, silberne Wolken, von hinten gülden angestrahlt, a golden lining, wie bei Vallotton. 

  • Montag, 17.08.2020

    DEINE AUGEN FUNKELN WIE PLASTIKFREIE MEERE

    Dämmerung. Der Garten ist schon gewässert, eben noch hörte ich eine Katze sanft miauen, irgendwas verlangend? Welches Spiel kommt heute? Internazionale gegen Shakhtar Donezk? Na, mal sehen. Gestern, und auch schon Freitag, hab ich die Spiele zum Teil mit spanischem Kommentar angesehen, ich hatte Lust drauf, und die Vorstellung, dass durch die konstante Versorgung allein mit dem Klangbild mein Spanisch ein bisschen hochkommt, sich empor wühlt aus den Untiefen, aus überwachsenen Pfaden, war nicht völlig hohl. Ich verstand viel, mehr als ich zuvor annahm jedenfalls, und obwohl ich weiß, daß das Gehirn in meinem Alter nicht mehr so leicht dazulernt, dachte ich daran, wie ich früher schon, als junger boy, über den NBC Videotext, über Conan O’Brien und die NHL Power Week mir ein besseres, flüssigeres und wortreicheres Englisch angelernt hatte, und zwar gerne und bei enger Bindung zum INHALT eben besonders gerne. Aber das Spanische generell: ich war ja immer eher Spanien, als Italien oder Frankreich zum Beispiel. Ich glaube, das hält bis heute an. 

    Die Lampions gehen an. Auch die Hummeln verrichteten bereits ihre Arbeit.

  • Donnerstag, 13.08.2020

    A-LEVEL RESULTS

    Im Elternort. Am Rheinufer. Hitzeflucht aus meiner Wohnung, aus dem Atelier. Ruhe. Am späten Nachmittag sah ich Blitze aufflackern, vor dem dunkelgrauen Backdrop, nordwärts. Sanftes Rascheln der Gräser. Im Rhein schwammen ein paar Leute, Fahrräder surrten vorbei. Alles bisschen wie abgedämpft, weicher, schön. Ich hasste die Stadt in diesem Moment, dieses gegenseitige Quälen, das ist doch, was man STADT nennt. 

    Wenige Zentimeter von der Regenkante entfernt sitzend, erreichten zersprengte Tropfen meine Füße. Die Schnecken arbeiteten bereits, auf den nassen Fliesen der Terrasse schimmerten ihre geligen Körper und ihre Häuschen. Eine versetzte ich gleich dreimal, ich wollt ja nur, dass sie es gut hat da, aber wie sieht so eine Schnecke den Garten, was ist für sie luxuriös? Zuletzt sah ich sie den Tontopf hochfahren…

    Und Atalanta Bergamo? Die kassierten noch zwei Tore in der Nachspielzeit. Ich verachte Paris St. Germain, wirklich ein Club für Hurensöhne.