• Sonntag, 04.10.2020

    AMBIENT SLEEPING PILL

    Viele wirkten etwas traurig die letzten Tage, dass sich der Herbst jetzt so schnell, so plötzlich so breit gemacht hatte. Er setzte sich einfach mit vollem, nassen Gewicht auf die Gesichter. Ich selbst war gestern kurz übermannt von der Schönheit und FÜLLE des Geruchs, den ein Kamin in der von mir durchschrittenen Straße verteilte, während von unten, vom Asphalt her, der frisch gefallene Regen und der Stein einen Dunst ausströmten. Die Wolken trugen in ihren Tiefen ein besonders dunkles Blaugrau, und sie wirkten extrem langgezogen, mit weißen und gelben Nähten, sehr ähnlich denen auf El Grecos Ansicht von Toledo. Am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr, schlief ich auf der Couch meiner Eltern ein, und als ich wieder erwachte, da war kurz die strahlende Sonne zu sehen gewesen, und es schien, als seien die Stunden des Tages neu angeordnet worden, als hätte ich mir das Recht auf einen neuen Vormittag erschlafen, der nun auf den Nachmittag folgte. Nur wenige Minuten später aber, war alles wie vorher. 

    “Ja so ist das Leben, leck mich am Arsch” – Meine Mutter gestern um 15:28h.

  • Freitag, 25.09.2020

    WATER PARK O.S.T. 

    Das Internet: hinter der dünnen Scheibe, dem optischen Signalanzeiger, den wir hier fürderhin MONITOR nennen, sitzt, in dunkle und unsichtbare Gewändern gehüllt, der Big Corporate Supercomputer. Er zielt mit geladener content-Waffe direkt auf das Gehirn eines jeden sog. Users. Ununterbrochen. Und das Magazin der Waffe, das wird niemals leer. Auf der anderen Seite dieser dünnen Scheibe, da schwimmt ein Cortex praefrontalis, ein Jahrmillionen alter Frontallappen, in einer Flüssigkeit, die anderen Teile des Gehirns dabei innig umarmend. Es ist ewige Liebe, geschützt von Wasser. Auch er, der Cortex, wie der Big Corporate Supercomputer, arbeitet eigentlich ständig. Es ist, wie bei Kippenberger: er kennt kein Weekend. Doch es ist ein asymmetrischer Kampf, der dort geführt wird. Der Big Corporate Supercomputer, er weiß mehr über uns, als wir über uns wissen – und er wird immer mehr von dem wissen, was wir dann immer noch nicht wissen, über uns. 

    Computational Power

    und sah den Spieler Alaba, das Trikot über den Mund gezogen und die Augen geschlossen, kurz vor dem Freistoss GOTT anrufen

  • Mittwoch, 23.09.2020

    1 ALLGEMEINER IRRTUM

    Mit Kochschinken in der Hand trat ich aus dem REWE, da wurde ich schon direkt von der Seite her attackiert mit: “vielleicht ein bisschen Kleingeld?” Sorry – “Alles Gute dir”. Mir also ALLES GUTE, für heute oder für immer, für alle Tage? Ich sah hoch zu JAHWE: waren dort jetzt die vom Jetstream hertransportierten Rauchschleier der kalifornischen Waldbrände zu sehen?

    Der langhaarige Mann trug ein Sakko, sah nicht nach bedürftig aus. Wie sich solche Leute präsentieren, das interessiert mich. Manchmal wollen Leute ganz konkrete Summen: “Haben Sie mal 3,60″, manche fügen noch einen Grund mit an: für ein Ticket, für Wasser, für Hundefutter. Auch da die Frage, ob das eine ganz natürlich sich entwickelnd habende Technik ist, auf den pauschalen Alkohol/Drogen-Vorwurf zu reagieren, eine Art Programming. Vor dem REWE beim Atelier sitzen immer öfter Jungpunks, die Mädchen mit komplett gecutteten Armen, die Jungs im zeitlosen Assel-Look courtesy 1977 – 2020, oft mit den echt süßesten Hunden. Evocative Images.

    Aber Herr Duchamp, woher die anti-retinale Haltung? “Aus der übersteigerten Bedeutung, die diesem optischen Moment immer beigemessen wurde. Seit Courbet meint man, die Malerei wende sich ausschließlich an die Retina, die Netzhaut – ein allgemeiner Irrtum.”