• Dienstag, 22.09.20

    21:39h. Nach dem Abendessen nochmal mit dem Galeristen raus. Ein rauchiger Geruch in der Abendluft, es dimmte bereits herab ins tiefe Blau. Der Mond hing blass über uns, like a clipped fingernail in a sea of cotton, wie es bei Craig Zahler heißt.

  • Samstag, 19.09.2020

    ES GILT IMMER NOCH UND IMMER WIEDER: BAD PRINT IS HYPERREAL

    Der eine Baum da, der trägt schon einen gelben Mantel, dem der kühle vorherbstliche Wind die Daunen streichelt –

    und in die Erkenntnis, man lebe hier und jetzt, trotz aller geisteskranken 2020haftigkeit und den damit gleichsam über die ganze Welt ausgekübelten Weltstrukturirritationen, insgesamt ja DOCH in einer mittlerweile auf solidem common sense Fundament errichteten, einer an den vielen Komplexitäten des Gemeinsinns geschulten Gesellschaft, dringt in diesen etwas weitläufigen Gedankenraum ein Gefühl der, ja, Sehnsucht.

    Es ist mein ganz privates Gefühl jetzt, wie ist was wie passiert, wie kam es so, und was hätte ich, obwohl natürlich in jenen Momenten, des Denkens, des Sprechens, nur ein sehr schmales Spektrum der Folgen und Konsequenzen abzuwägen, ja überhaupt vorherzusehen, zu belauern möglich ist, anders machen, oder, wie man sagt, besser machen können.

    Die stark deckend und samtig aufleuchtenden Staubgefäße der Lilien, die hier nur noch als Skelette stehen, ähnlich nach vorne gebeugt und ähnlich tot wie die Skelette der Kapuzinergruft, sind buchstäbliche Borderliner einer Farbe, die zwischen einem tiefen Kadmiumorange und einem oxidierten Rot heraus sendet. Die Blumen hatte ich für L. gekauft, damit es hier nett aussieht, also etwas netter. 

  • Mittwoch, 16.09.2020

    I MADE FRIENDS WITH SURVEILLANCE SALES PEOPLE, TEIL 1

    07:14h. Erwacht mit unbegründeter Zuversicht. Wie damit umgehen? Sie annehmen – oder sie auseinandernehmen, mit all den Dingen, die man weiß, und die man meint Wissen zu nennen – ok, ich nehme das Paket an. Es hängen etwas schlaff, aber in ihrer nun etwas lila gewordenen, dunklen Anmut meine Lilien wie kleine, sterbende Vivienne Westwoods.

    In the News
    Artists for Biden
    – äh nein, vielen Dank, grad nicht

    Zum Begriff der “Arbeit”: ich habe mich immer geweigert, den Begriff der “Arbeit” (oder “Arbeiten”, für das künstlerische Endergebnis, für die Idee, die wieauchimmer jetzt, aber definitiv irgendwie formalisiert jetzt dasteht in der Welt) zu verwenden, mittlerweile habe ich das zwar aus praktischen Gründen übernommen, es wird sonst zu anstrengend, immer meine HALTUNG dazu zu erklären, die halten mich ja alle für nicht ganz stabil dann, und – wohl auch als Zeichen nach aussen hin, dass ich mich dieser Sphäre angehörig zeige, aber theoretisch empfinde ich es noch immer als bisschen eklig. Kunst ist Kunst, nicht Arbeit. “Werk” geht natürlich gar nicht, das ist für bereits lebendig Verwesende und Altfranken. Ich würde auch ganz automatisch Otto hören, wie er, nach kurzer Augenpause, sagen würde: “Wichser”. 

    20:21h.

    Wir wollen doch alle gesund bleiben –
    in der SCHÖNSTEN Stadt Deutschlands

    so lallte es ganz in echt und ohne Witz und gnadenlos durch die KVB heute über die Lautsprecher in den Wagen hinein, in diesem bis oben hin vollen, kölschen Autoritätston, der bezüglich solcher Ansagen auch keinerlei Widerworte… aber da hatte ich auch schon wieder mein Buch aufgeschlagen und las weiter über Arminius Laschet, Charlemagnes Erben.