• di, 4.3.2025

    KEYING

    März. Merz. Lindenblüten.

    Der dritte Tag. Mein Vater hat eine gesunde Farbe im Gesicht, er hat Geburtstag, und er hat schon bald den ersten Termin bei der „Herzsportgruppe“, und im Sinne einer Herzsportgruppe will auch ich mein Leben betrachten, von nun an.

    Der Himmel hat auch eine auffällige Farbe im Gesicht, den ganzen Tag erwische ich mich dabei, ihn, eingerahmt von Fenstern, und sein ultraviriles Blau wahrzunehmen, zu betrachten, zu bewundern. Man MEINT, es ist hell.
    Jedoch, ich erinnere kurz das, was Mr. Ingbretson neulich sagte, über solch optischen Phänomene, und was der MALER, der all diese Informationen zu übersetzten sucht, erkennt: der helle Tag, er ist eigentlich recht dunkel.

    Unter ihm, dem proud blue, und mit ihm als Backdrop: die Welt als Skulpturenpark. Überall Kanten, die leuchtende Farbe von Schatten trennen. Am Wegrand, bei der Nikolauskapelle Stiefmütterchen, like a boy band.
    Tage zuvor hatte ich bei Oxfam ein Kleidungsstück, das fürs Atelier gedacht war, gekauft, eins von diesen Ski-Oberteilen mit Reissverschluss, um es dann doch anzubehalten, es in die private Garderobe aufzunehmen, weil mir das Blau so gefällt.

    Das Vertrautheitsuniversum

  • mo, 17.2.2025

    GESCHLOSSEN FÜR IMMER – AUS – ENDE

    I’m thinking: die dann doch eher dörfliche Mentalität Deutschlands macht es relativ einfach, Vorhersagen vor allem über sprachliche Muster zu treffen. Wovon man morgen genervt sein wird. Nachdem die sog. Brandmauer jetzt ihre Zeit hatte als das Hauptwort, das es durch den Trichterhals der sprachlichen Bierbong in jeden dritten Satz geschafft hatte, bzw. bis zur Wahl noch etwas weiterleben wird, hab ich heute Morgen, es scheint übrigens die Sonne, bisschen gehofft, die „Quadrell“ möge noch ein paar Runden drehen. Ich möchte hören, wie es vollkommen sinnlos aufgeblasen durch die Luft geht, die kleinen Mutationen will ich hören, den Cordyceps des Sprechens.
    A propos bisschen, ein bisschen Angst habe ich natürlich vor einem Wahlergebnis, das eine grosse Koalition zur Folge hat. Damit es dann GENAU SO weitergeht, wie man es befürchten kann, das meint wie BISHER (diese perverse Drohung), und sich dann, auch das finde ich denkbar, alle wundern, dass sich diese eine Partei („not gonna dignify them by saying their name“) noch mehr verfestigt. Man kann Stillstand nur so lange als „Vernunft“ verkaufen, in so einem Merkel-Tonfall ausgesprochen. Freiheit. Kälte. Kunst.

    Donnerstag in die Ausstellung der Zeichnungen (Works on paper) von Martin Wong bei Buchholz. Meist Tusche, black on white, ein paar Kulli und Bleistiftzeichnungen auch dabei. Letzte Woche, da gingen Joachim und ich gerade in Richtung Conditorei Roseneck, da kamen wir auf die besondere Objektaura amerikanischer Gegenstände zu sprechen, der „thickness of things“, wie es Guston mal so schön klar in „A Life Lived“ beschrieben hatte, und eben bei Martin Wong und seinen Zeichnungen aus den späten 60er und frühen 70er-Jahren, da kam diese thickness of things wieder ins Spiel, und ich fand mich wiederum an die früheren Skizzenbücher von Robert Crumb zurück erinnert, als sein Schraffieren noch nicht so ausgereift war, die Formen noch runder und „direkter“ waren, und jetzt kam es hier, bei Wongs Zeichnungen, wieder zusammen, wieder hoch, diese Kontinuität (oder Parallelität), die der Kunst manchmal unterliegt und durchscheint. San Francisco um diese Zeit, Haight-Ashbury, Leuchtreklame, die bauchigen Kotflügel von Pick-Up Trucks, Zuckerstreuer, ein Fernseher.

    Eingekauft: Gabriel Fauré, The Tubes, Siouxsie and The Banshees.

  • mo, 10.2.2025

    TIEF IM WESTEN

    Am ersten Tag brach ich mir ein Stück Zahn ab, bemerkte es nicht und schluckte es runter. Es ist die ZweiFünf. Eine raue Stelle jetzt zwischen dem glatten Schmelz. Dabei muss ich komischerweise an die Ammoniten und Mineralien denken, die früher mein Schulfreund M. gesammelt hat. Am zweiten Tag fand dann wirklich die Verabredung mit Martin zum Abendessen statt, nachdem ich sie einen Abend vorher wähnte, und dort, mit frisch abgebrochenem Zahn, vor dem Restaurant im Wind stand, vergebens.

    Am vierten Tag die Sache mit der Ull Hohn-Ausstellung, im Haus am Waldsee. Draußen, über uns, der schöne Wintertag, und drinnen eine sehr geglückte Ausstellung, nahezu perfekt eigentlich. Bis wir, bis ich, leider, den auf die Wand applizierten Text entdeckte: Fortsetzung der Ausstellung im ersten Stock, und man fügte sich. Sie wurde dadurch nicht zerstört, aber es schob sich jetzt deutlich die sog. kuratorische Absicht, die kuratorische Arbeit in den Vordergrund. Ich denke an den Spruch über den Schiedsrichter im Sport: die Besten unter ihnen zeichnen sich dadurch aus, dass man sie nicht bemerkt.

    Abends, zurück bei Phillip, zeigt er mir die 90minütige Doku über Marcel Goldhammer, danach sehen wir uns die volle Scholz/Merz-Sache an, welche DIREKT danach bei Caren Miosga wiederum beackert wird. Völlig gerädert und fertig von so viel D*e*u*t*s*c*h*l*a*n*d, schlafe ich noch vor 23 Uhr ein.