• di, 22.4.2025

    L’EREMITA SONO IO

    Tag 11. Die Sonne beginnt nun langsam zu powern. Man bildet sich ein, mit dem Flug hier runter—weitaus südlicher, als ich es in meiner vagen Vorstellung gespeichert hatte—würde man sich über die Erdkrümmung hinweg auch der Sonne annähern. HYPERBOLA.

    Der Geruch der Tage verändert sich ebenfalls beständig. Auf den grünen Hängen links von mir wird eifrig verbrannt, es ist wohl, wie Marco neulich im Auto meinte, jetzt die Zeit dafür. Gestern, am Pasquetta, lag eine beständige Note von verbrennendem Holz, der feiertagsbedingten Grigliata wegen, über der ganzen Stadt.

    Neben dem neueren „Logbuch“ (beginnend in 2021), in dem die Stipendiaten der Villa ihren jeweiligen Nachfolgenden Berichte/Empfehlungen/Erfahrungen usw. hinterlassen, gibt es ein Faksimile der ersten (?) Version, die mit dem ersten Eintrag bis in den Juli 1992 zurückgeht. Eine, wie ich gerade merke, ziemlich interessante und eigene: TEXTSORTE.
    „In gewissem Sinne verdirbt die auf eine Textsorte spezialisierte Gewohnheit den Leser für die Lektüre andersartiger Texte (…)“, schreibt Luhmann.

    Es ist jetzt 12:33h.

  • mo, 21.4.2025

    „ART IS WHAT WE DO, CULTURE IS WHAT WE DO TO OTHER ARTISTS“

    Die Vergangenheit. Sie wird hier bei mir, in meinem eigenen kleinen Artistic Program (Hell Yeah), einer Ent-nostalgisierungskur unterzogen (ich meine nicht die biografische Vergangenheit). Man hofft, in ihr vielleicht etwas für die Zukunft zu sehen, irgendwie gültige Relationen zu erkennen, und da dann vielleicht anzusetzen.

    Che bella giornata, übrigens. Der zweite Morgen mit Kaffee auf der Terrazza. Die Luft wird wärmer. Die Zitronen sind Pomelos. Gestern ein kleiner Spaziergang durch das Centro Storico. Brutal, wie das hier alles so sehr nach ITALIEN aussieht.

    Wie Marco neulich schon andeutete: der Italiener hat irgendwo immer eine Elektroheizung in Reserve stehen (siehe die staatlichen Heizperioden). Gestern fand ich die hiesige.

  • fr, 18.4.2025

    RADIANCE

    daß ein Mensch würde umbracht für das Volk.

    Karfreitag. Grosser Lacher am Morgen. Also lautlos, nach innen rein. Endlos nasse Tage, kalt, und seit gestern die Heizung abgestellt. Das ist—die Heizperiode—wie ich jetzt auch weiss, in Italien staatlich geregelt. Je südlicher es geht, desto kürzer die Heizperiode, sogar die Obergrenzen der Raumtemperaturen sind vorgeschrieben und bei Vergehen drohen Geldstrafen. Okay.

    Die letzten Tage musste ich viel an Basic Channel denken, aus dem „Nichts“ heraus, wie man sagt. Wahrscheinlich waren es die Nebelschwaden, die zu mir sprachen. Und jetzt lehne ich mich auch ganz bewusst hinein, während eine Regenfront nach der anderen anrollt und ihre Schleier mitbringt, die Winde plötzlich lospeitschen um genau so plötzlich wieder zu verschwinden. Die Neumann KH 80 DSP Studiomonitore, die ich hier vorfand und nun aufgebaut habe, formulieren diese Musik auch auf eine Art, die man nur als „angemessen“ bezeichnen kann.
    Die Leere, die ich hier—ich bin jetzt sieben Tage oder 168 Stunden hier—empfinde, ist keine leere, ich würde sie eher als ein in Limbo deuten, ich weiss noch nicht, wohin es geht, und die Träume werden zunehmend wirrer.

    Die erste Woche ist also rum. Sollte ich nicht eigentlich „Bilder“ machen? Ich sass die meiste Zeit am Klavier. Ein Bechstein mit schönen Mitten und Bässen.