• Do, 9.1.2025

    „You have to BACKTRACK“, so der Doorman unseres Hotels zu mir, lächelnd, gutgelaunt, motivierend meinte er das auch, die Mütze tief ins Gesicht gezogen wegen des Stalingrad-Windes, den der Big Player, der hier in der Nachbarschaft lebt, der Atlantik, seit drei Tagen durch die Strassen schickt. Backtracken sollte ich meinen fehlenden Handschuh, und in der Tat, backtrack I did, und tatsächlich da lag er noch im Fahrstuhl des Hotels. Dann lachten wir beide und tauschten nochmal ein „Have a great day“ aus und er öffnete mir die Tür zurück in die Kälte.

    Die Sonne, sie scheint jeden Tag, seit wir hier sind, alles wirkt gestochen scharf in diesem Licht, dessen Andersartigkeit zu formulieren die Menschen sich die Malerei ausgedacht haben, oder die Photographie, und es ist wirklich wahr: Dampf schraubt sich aus den Öffnungen der Straßen in die eiskalte Luft und zergeht im Vormittag.

    Aber woher kommt eigentlich dieser Dampf, den JEDER, wirklich jeder schon mal gesehen hat, in Filmen, die in New York spielen, in denen ein junger und drahtiger Al Pacino sich, in eine dieser dicken, prallen Shearling Coats gehüllt, aus denen die Wolle quillt, durch eine runtergekommene Straße bewegt, Serpico, Cruising. Ich weiß es nicht, der Anwalt und ich spekulieren darüber, aber ich werde jemanden fragen, der es wissen könnte, einer der daneben steht, eine dieser riesigen Pylonen aufstellt, aus einem der Trucks steigt, die mit den ausladenden Chrom-Grills und Exhaust Systems, die, übrigens, gar nicht so riesig sind, sondern nur so wirken, weil sie so bulky sind, so muskulös gebaut, sich durchzusetzen in diesen Straßen.

    Mit der Wahrnehmung hier ist es wie mit meinem derzeitigen Power-Hit, BWV 1060R, you have to weave all these lines together.

  • Mo, 6.1.2025

    21:30

    Sturm.
    No Drang.
    Schön eins nach dem andern.

  • SO, 5.1.2025

    AMATEUR SOCIETY

    Regen spült den Flaum an Schnee, der in der Nacht gefallen war, durch die Mulden der Dachziegel, wo er selber wieder Wasser wird und in dünnen Rinnsalen abfliesst. Auch ein deutsches Problemchen: der Winter ist hier ein schlaffer Gag über den Winter. OK, kannste nix dafür, Deutschi.

    Schon jetzt befinde ich mich zur Hälfte in der Wetterzone der transatlantischen Ostküste, checke mehrmals am Tag die sich immer wieder updatenden Informationen, Icons und Ziffern darunter. Windsymbole, Sonnensymbole, Schneeflockensymbole.
    „Lange Unterhose“ denke ich mehrmals am Tag. Ein New Yorker Hochhaus-Schluchten-Blizzard wäre ein Traum, eine große weiße, alles dämpfende Glocke, gerne nach der Eröffnung, wie als Belohnung, wie als Antrag. Wenn’s passiert, werd ich sagen: „ich dreh durch!“

    Ich frage mich auch, ob die FAZ-Startseite mittlerweile auch content-mässig individualisiert operiert? Spinne ich? Ich seh seit Wochen nur noch crazy GELDtexte, die mich völlig als Bewohner eines anderen Planeten ausweisen, Kann ich schon in Ruhestand mit nur 3 Millionen? Kauf doch ein Haus, aber reichen 4 Millionen? So legen Sie ihre lächerlichen Hunderttausend an! Wo ist denn die FAZ für les Amateurs?

    Wenn, aus Versehen zB, der Blick beim Scannen der Zeitung doch mal über einem Text zu gewissen deutschen Angelegenheiten des Innern™ sich verfängt, bin ich erleichtert, dass Deutschland und ich mittlerweile getrennt leben. Anderes Viertel. Auf der Straße grüsst man sich.
    Who the fuck ist Mischke? Und den gibt es schon wie lange? Super lange Texte suggerieren, der hat eine Vergangenheit. Irgendwo sitzt ein Schweizer Mann, der früher Dieter hiess, und fühlt es, vielleicht, durch ihn hindurch waschen: they miss me already. „Du kommst auch noch in Mode!“ (M. Kippenberger)

    Ist schon richtig so.