SOZUSAGEN EWIG
Diamonds out of tears. Und so hat das erste Wort in „Twentyfive“ der Häftling Knut Hamsun.
Ich bin Untersuchungshäftling mit Unterbringung im Altersheim, aber auch wenn ich in einem Gefängnis säße, gäbe es nichts Größeres als hier, um darüber zu schreiben, höchstens vielleicht was Kleineres.
Was ist das: eine fast kindliche Lust zum Etablieren von Routinen. Am liebsten möchte ich andere mitziehen. Beispiel: mit dem Anwalt lange Spaziergänge machen. An Weihnachtstag II, der bis dahin vielleicht schönste Wintertag des Jahres, der blaueste Himmel, der gelbstichigste Schatten, hier das von der Sonne ins Spotlight gesetzte Unterholz, dort, schaut her, an der Wegkreuzung, die „Kaisereiche“. Ich bemängelte, gutgelaunt und in bestem Sauerstoff, ihre vermeintliche Kaiserlichkeit. Wir tauschen Realberichte, Anekdoten, Gefühlslagen aus der bürgerlichen Welt aus, und ich, vielleicht wir, sind uns im Unklaren darüber, wie wir darin oder dazu verortet sind, und vielleicht ist es gut so, es dabei zu belassen, und schon geht mein Blick, geht mein Denken wieder mehr auf den Weg, der vor einem liegt, das Braun und das Grün zum Rand hin, und dahinten hin, da läuft es zu, da gehen wir lang. Wir begegnen nur wenigen Menschen, dafür, dass der Wald so groß ist. Achso, und was war mit dem Bürgerlichen: was ich da heraus höre, was ich da höre ist, wie man bluten muss dafür.
Und führt der Weg von nun an nur noch tiefer in den finstren Wald?
Eine Feststellung zum Journal hier: lustigerweise, fällt mir jetzt auf, habe ich mich noch nie gefragt: Was soll das!?
Lektüren zur Zeit zurzeit: Ehe Aktuell Zweite Ausgabe (Haupt/Bessing), Oaxaca Journal (Oliver Sacks), Werkausgabe I.B.4 (F. Kittler), Cat’s Cradle (Vonnegut), Plays: One (D. Mamet), reddit.