• mo, 10.2.2025

    TIEF IM WESTEN

    Am ersten Tag brach ich mir ein Stück Zahn ab, bemerkte es nicht und schluckte es runter. Es ist die ZweiFünf. Eine raue Stelle jetzt zwischen dem glatten Schmelz. Dabei muss ich komischerweise an die Ammoniten und Mineralien denken, die früher mein Schulfreund M. gesammelt hat. Am zweiten Tag fand dann wirklich die Verabredung mit Martin zum Abendessen statt, nachdem ich sie einen Abend vorher wähnte, und dort, mit frisch abgebrochenem Zahn, vor dem Restaurant im Wind stand, vergebens.

    Am vierten Tag die Sache mit der Ull Hohn-Ausstellung, im Haus am Waldsee. Draußen, über uns, der schöne Wintertag, und drinnen eine sehr geglückte Ausstellung, nahezu perfekt eigentlich. Bis wir, bis ich, leider, den auf die Wand applizierten Text entdeckte: Fortsetzung der Ausstellung im ersten Stock, und man fügte sich. Sie wurde dadurch nicht zerstört, aber es schob sich jetzt deutlich die sog. kuratorische Absicht, die kuratorische Arbeit in den Vordergrund. Ich denke an den Spruch über den Schiedsrichter im Sport: die Besten unter ihnen zeichnen sich dadurch aus, dass man sie nicht bemerkt.

    Abends, zurück bei Phillip, zeigt er mir die 90minütige Doku über Marcel Goldhammer, danach sehen wir uns die volle Scholz/Merz-Sache an, welche DIREKT danach bei Caren Miosga wiederum beackert wird. Völlig gerädert und fertig von so viel D*e*u*t*s*c*h*l*a*n*d, schlafe ich noch vor 23 Uhr ein.

  • do, 6.2.2025

    ONCE, IN A DRY SEASON

    Meine Damen, meine Herren: Wer wird bestehen?

    06:52h. Kleine dunkle Juwelen funkeln aus dem noch schwarzen Morgen, das sind die Dächer der parkenden Autos.
    Ich denke an das, was Dr. Klack gestern gepostet hatte: „Die schöne orangene Farbe kommt von der Uranglasur. Die radioaktive Strahlung beträgt zwischen 0,2 und 1,5 μSv/h, etwa dem Zehnfachen der natürlichen Hintergrundstrahlung. Die erlaubte Dosis für Angestellte in Kernkraftwerken beträgt 0,114 μSv/h, also deutlich weniger als die im U-Bahnhof Rosenthaler Platz. Die Strahlungsbelastung im U-Bahnhof ist größer als im Kraftwerk Fukushima heute, aber nur ein Achtel von der aktuellen Strahlung im Kraftwerk Tschernobyl (2–8 μSv/h). Bau 1930, Entwurf Alfred Grenander.“
    Also direkt auf in Richtung Rosenthaler Platz. Ankunftszeit in ca. 4 Stunden und 8 Minuten.

    Auch sehr gute Kantate: 131

    Immer noch fällt mir plötzlich NY wieder ein. Gestern dachte ich: der Saal mit den Sargents ist meine Rothko-Chapel. Bis es sich, vielleicht, wieder ändert? Was wird bestehen?

  • Do, 9.1.2025

    „You have to BACKTRACK“, so der Doorman unseres Hotels zu mir, lächelnd, gutgelaunt, motivierend meinte er das auch, die Mütze tief ins Gesicht gezogen wegen des Stalingrad-Windes, den der Big Player, der hier in der Nachbarschaft lebt, der Atlantik, seit drei Tagen durch die Strassen schickt. Backtracken sollte ich meinen fehlenden Handschuh, und in der Tat, backtrack I did, und tatsächlich da lag er noch im Fahrstuhl des Hotels. Dann lachten wir beide und tauschten nochmal ein „Have a great day“ aus und er öffnete mir die Tür zurück in die Kälte.

    Die Sonne, sie scheint jeden Tag, seit wir hier sind, alles wirkt gestochen scharf in diesem Licht, dessen Andersartigkeit zu formulieren die Menschen sich die Malerei ausgedacht haben, oder die Photographie, und es ist wirklich wahr: Dampf schraubt sich aus den Öffnungen der Straßen in die eiskalte Luft und zergeht im Vormittag.

    Aber woher kommt eigentlich dieser Dampf, den JEDER, wirklich jeder schon mal gesehen hat, in Filmen, die in New York spielen, in denen ein junger und drahtiger Al Pacino sich, in eine dieser dicken, prallen Shearling Coats gehüllt, aus denen die Wolle quillt, durch eine runtergekommene Straße bewegt, Serpico, Cruising. Ich weiß es nicht, der Anwalt und ich spekulieren darüber, aber ich werde jemanden fragen, der es wissen könnte, einer der daneben steht, eine dieser riesigen Pylonen aufstellt, aus einem der Trucks steigt, die mit den ausladenden Chrom-Grills und Exhaust Systems, die, übrigens, gar nicht so riesig sind, sondern nur so wirken, weil sie so bulky sind, so muskulös gebaut, sich durchzusetzen in diesen Straßen.

    Mit der Wahrnehmung hier ist es wie mit meinem derzeitigen Power-Hit, BWV 1060R, you have to weave all these lines together.