• So, 1.12.2024

    SEE YOU NEXT WEEK

    Mehr und mehr legen die Tage selbst ihre winterliche Amtstracht an. Morgens jetzt die ersten weissen Überwürfe auf den Flächen, wie im Gehen einfach abgestreift.
    Von Menschenseite legt sich eine Industrialisierung über die Welt, kleine Dampfmaschinen überall, thrust and pull, mit Beinen gehen sie, schieben Fahrbares durch die kalte Luft, tragen Tragbares durch dünner werdendes Licht.
    Verstärkt ist der Eindruck von einem allgemeinen Innen und Aussen, in der Bahn verbreitet sich der Geruch einer frisch geschälten Orange wie das neueste Gerücht. So be it, dann denke ich eben an das Werk von Charles M. Schulz, oder an Eyes Wide Shut.

    Und die Tiere—unruhig sind manche, heißt es, und in anderer Tiere Augen liegt ein Trost für die krankesten Momente. Fast immer, glücklicherweise: Tiere kreuzen seinen Weg.
    Es war gegen halb Zehn am späten Abend, ich war zuvor einen japanischen Aal essen mit meinem Anwalt. Der Aal lag bronzefarben gegrillt und so gedreiteilt, dass er akkurat ins Rechteck der Schale passte, auf seinem Totenbett aus köstlichem Reis. Und jetzt, da ich in der Bahn stehend wieder an den Aal von nur wenige Minuten vorher dachte, fiel ein flirrender schwarzer Fleck ins Sichtfeld, von rechts her. Ich sah, wie auch andere das sahen, und gemeinsam stellten wir fest: ein Falter, ein Schmetterling, ganz schwarz, orangene Effekte auf den Flügeln, heftig flatterte er umher. Alle lächelten, und ich glaube, ich auch. Mussten unsere Menschengeräusche für ihn wie das Rattern von Waffen klingen? An der Haltestelle Hansaring stieg er aus.

    Im Januar New York.

  • Mi, 20.11.2024*

    *Eigentlich Do, 14.11.2024

    SIEG DER SCHMETTERLINGE oder HEINRICH VON OFTERDINGEN

    No more light green leafs.
    Letzte Woche, ich stand in der Alten Nationalgalerie zu Berlin, die ja selbst wie ein Gemälde ist, und kam gerade aus der Ausstellung „Monet – Impressionistische Stadt“, da überkam mich fast das Bedürfnis, jetzt doch auch mal nach „dem Geschäftsführer“ zu verlangen, wie man es schon etliche Male, in der Welt der Vorstellungen, gesehen hatte, wo einer zB energisch an einer Burger-Theke steht und einen maroden Burger auf mattgeschliffenen Edelstahl schmettert, mit dem Finger drauf zeigt und das Zeug liegt dann da wie nach Open Heart Surgery. Oder vielleicht wie in den Filmen, die Szene aus Magnolia mit Julianne Moore in der Apotheke fiele mir ein. Aber ich war noch nicht ganz soweit. In diesem Moment, und vielleicht auch nicht im Leben.
    Mein case war jedoch Folgender: von den 13 ausgestellten Bildern der Ausstellung, die explizit den Namen des MEISTERS in sich trug, waren 4 von Monet. Dafür hatte ich 14 Euros via Chip durch die Luft gleiten lassen, und fand das jetzt, da ich nach mehr Monets Ausschau hielt, alles ein bisschen sehr frech. Es scheint das das sog. Long Game der Staatlichen Museen zu Berlin zu sein? Macht nur weiter so.

    Herbst, er ist wirklich erst da, wenn Laub und Wind durch die Strassen paradieren.

  • Do, 7.11.2024

    DANISH BRICKS (SINN UND FORM)

    10:30
    11:00
    11:30
    12:00
    12:30
    Mittagspause
    13:00
    13:30
    14:00
    14:30
    15:00
    kurze Pause
    15:30
    16:00
    16:30
    17:00
    17:30
    18:00

    Relativ zum Ausschnitt aus Tiefe und Farbe, der Bäume und Sträucher des Grossen Tiergartens, die man, nach links schauend, aus der breiten und niedrigen (wichtig!) Panoramafensterfront des sanften Brutalismus der Werner Düttmann-Architektur sehen konnte, nahm sich der graue Berliner Tag heraus: wunderschön zu sein. Nur so, und nicht anders, müsste der Tag aussehen, damit dieses Bild, das man durch das Fenster sah, seine vielleicht größte Wirkung entfaltete. Erst der scheinbar tonnenschwere, diesige Berliner November lässt das Sfumato in diesem Bild aufsteigen, das die grosse Erdung herbeiführt. Selbst am späteren Nachmittag, wenn das Licht bereits versumpft, leuchten hie und da die Blätter noch ultraorange aus grünem Nebel heraus, ist jede Rinde auf die unterschiedlichste Art Braun und Schwarz und Rot und Grau.
    I’m gay for that stuff.

    Was werde ich „mitnehmen“, wie man sagen würde. Ich werde mitnehmen: ja, natürlich viele Details, wie das obige zum Beispiel, wie die der Leute dort, vielleicht besonders einige sehr schöne und/oder interessante Gesichter. Die chinesische Komponistin aus Frankreich war gut, auch funny. Die Belgierin. Die beiden dänischen Landschaftsarchitektinnen. Natürlich Hrishi. Bestätigt wurde ich im (Vor)Urteil, dass der Typus des (Artist) Educators mir nicht sonderlich gefällt. Ich will nicht mit Ansage educated werden, ich will durch den Weg der Kunst, wenn überhaupt und im besten Falle, nicht spüren, dass ich educated werde.

    Fernsehen ist katholisch. Gestern Abend war ich für drei Stunden katholisch.

    Ich schalte kräftig stumm auf Insta. Beim nächsten Block ist es 09:56h.