• Do, 7.11.2024

    DANISH BRICKS (SINN UND FORM)

    10:30
    11:00
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    12:00
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    Mittagspause
    13:00
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    14:00
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    kurze Pause
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    16:00
    16:30
    17:00
    17:30
    18:00

    Relativ zum Ausschnitt aus Tiefe und Farbe, der Bäume und Sträucher des Grossen Tiergartens, die man, nach links schauend, aus der breiten und niedrigen (wichtig!) Panoramafensterfront des sanften Brutalismus der Werner Düttmann-Architektur sehen konnte, nahm sich der graue Berliner Tag heraus: wunderschön zu sein. Nur so, und nicht anders, müsste der Tag aussehen, damit dieses Bild, das man durch das Fenster sah, seine vielleicht größte Wirkung entfaltete. Erst der scheinbar tonnenschwere, diesige Berliner November lässt das Sfumato in diesem Bild aufsteigen, das die grosse Erdung herbeiführt. Selbst am späteren Nachmittag, wenn das Licht bereits versumpft, leuchten hie und da die Blätter noch ultraorange aus grünem Nebel heraus, ist jede Rinde auf die unterschiedlichste Art Braun und Schwarz und Rot und Grau.
    I’m gay for that stuff.

    Was werde ich „mitnehmen“, wie man sagen würde. Ich werde mitnehmen: ja, natürlich viele Details, wie das obige zum Beispiel, wie die der Leute dort, vielleicht besonders einige sehr schöne und/oder interessante Gesichter. Die chinesische Komponistin aus Frankreich war gut, auch funny. Die Belgierin. Die beiden dänischen Landschaftsarchitektinnen. Natürlich Hrishi. Bestätigt wurde ich im (Vor)Urteil, dass der Typus des (Artist) Educators mir nicht sonderlich gefällt. Ich will nicht mit Ansage educated werden, ich will durch den Weg der Kunst, wenn überhaupt und im besten Falle, nicht spüren, dass ich educated werde.

    Fernsehen ist katholisch. Gestern Abend war ich für drei Stunden katholisch.

    Ich schalte kräftig stumm auf Insta. Beim nächsten Block ist es 09:56h.

  • Di, 5.11.2024

    AT THE END OF THE SEVENTH PART OF THE CYCLE

    So würde ich es wahrscheinlich auch machen—wie eben die junge Frau an der Kasse, bei der ich das Wasser bezahlte, am frühen, noch finsteren, kalten Novembermorgen und unter der noch kälteren Unbarmherzigkeit greller tausendfacher Kelvin—den Blick der anderen erstmal meiden, vielleicht meiden sie einen dann auch, auf dass man nicht zu hart kollidiert mit der Welt, mit der sogenannten Realität. Innerhalb derer ich übrigens einen toten Vogel vorfand, gestern Morgen, hinter den Stufen zum Innenhof, wo die Mülltonnen stehen. Tot und schön lag er da, und ich war schockiert, weil der Vogel mir fremd aussah, ich erkannte den Vogel nicht, und fast lustvoll dachte ich daran, ob er vielleicht gar kein echter Vogel sei, der hier reglos liegt? Schockierend, eine Kollision. Im Innern von Pyramiden und Tempeln, da haust die Leiche.

    Jetzt sitze ich in einem ICE, der in wirklich jeder Stadt, oder was danach aussieht, anhält, und dicke Nebelwatte, ganz echt und tatsächlich, liegt auf noch dunklen Feldern, ist an den Enden wie gezupft, und darüber ziehen sich feine, rosafarbene Brüche durch den Himmel.
    In den diversen Artnews-Seiten, die ich durchgehe (eine lästige und schwachsinnige und in der Regelmäßigkeit relativ neue Angewohnheit, die ich mir schnell wieder abgewöhnen sollte), tut sich auf ein Neues die absolut lächerliche Welt des Kunstwelt-Self-Aggrandizement auf, das sich aufgrund der anstehenden US-Wahl nochmal grandioser und vermessener und hemmungsloser gibt, je mehr High-Profile die Namen suggerieren. Die Worte und Begriffe sind immens, sie meinen Alles und Nichts. In der Welt der Gladstones und Zwirners und Hauser und Wirths und Sprühts macht man es darunter eh nicht mehr. Es ist 2016 all over again. Nächster Halt Essen.

    Der tote, schöne und taubengrosse Vogel, mit dem schönen gescheckten Gefieder und dem langen, dünnen Schnabel ist eine Schnepfe. Wie kommt diese Schnepfe da tot in unseren Innenhof, wo die Mülltonnen stehen? Als ich gestern am späten Abend mit dem Porträt -Modus des iPhones ein Foto von der Leiche gemacht hatte, entdeckte ich danach, als ich auf dem Display des iPhones herumwischte, um ins Foto herein zu zoomen, das die Umrisse des Vogels silbern aufleuchteten, und ich nunmehr einen saubere, vom Hintergrund ausgeschnittene Form des Vogels als Einzelelement würde abspeichern können. Ein Prozess, der in Photoshop einige Minuten in Anspruch nehmen würde, erledigte sich hier präzise und automatisch innerhalb von 2 Sekunden. Auf einmal wurde diese Schnepfe ein Item, mit dem ich würde arbeiten können, zB um die Welt vor dem anstehenden Faschismus zu retten. Im Originalbild hinterliess der ausgeschnittene Vogel: ein Loch. Behold my new cycle! And within minutes, most of the room had joined in. Where once there was stern, pensive faces, now there were smiles, heads tilted back. A group moving in time together.

  • Fr, 1.11.2024

    RÜCKTRITT AUS LIEBE

    Rufen zum Boykott auf

    Lustige Stelle aus „The Science Of Appearances“ (1950):
    At this point it is relevant to comment on the modern epidemic described as „individual expression.“
    Kommt mir jetzt, 70 Jahre später, auch gültig vor. Ob wieder oder immernoch ist ja eigentlich egal.

    Paul Morrissey dies at 86